Energieverbrauch

Zusätzliche Erlöse durch Lastmanagement beim Strom

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Betriebliche Querschnittstechnologien mit Potenzial für das Lastmanagement

An Wochentagen und unter bestimmten Produktionsbedingungen können Härtereiöfen 400 kW Leistung flexibel für eine Viertelstunde zuschalten. Eine weitergehende Erhitzung lässt das Temperaturband, welches die gleichmäßige Bearbeitung aller Metallteile garantiert, nicht zu. Auch an Tagen ohne Produktion (Wochenenden, Feiertage) werden die Härtereiöfen kontinuierlich auf Temperatur gehalten, um ein Erstarren der Salzlauge zu vermeiden. Da hier die Restriktionen aus dem Produktionsprozess wegfallen, steht eine flexibel zuschaltbare Leistung von 500 kW für bis zu zwei Stunden für das Lastmanagement zur Verfügung. Neben den genannten Fallbeispielen lässt sich besonders im Bereich der betrieblichen Querschnittstechnologien Potenzial für Lastmanagement erschließen. Elektrische Aggregate können flexibel betrieben werden, wenn die jeweiligen Prozesse im Tagesverlauf zeitlich verschoben werden oder auch wenn Zwischenspeicher innerhalb eines Prozesses zeitliche Verschiebungen auffangen können, wie Druckluft-, Material-, Wärme- oder Kältespeicher. Potenziale bieten hier vor allem Pumpen, Druckluftsysteme, Prozesswärme sowie luft- und kältetechnische Systeme.

Um die Potenziale wirtschaftlich zu nutzen, müssen die flexiblen Lasten vermarktet werden. Im Rahmen der neuen Abschaltverordnung können stromintensive Unternehmen Lasten ab 50 MW direkt anbieten. Aber auch kleinere flexible Lasten von 500 kW können je nach Verfügbarkeit und Schalthäufigkeit bis zu 40.000 Euro pro Jahr auf dem Regelenergiemarkt erzielen. Für Unternehmen mit geringeren Lasten ist es sinnvoll, sich für die Vermarktung einem Lastenpool anzuschließen. Den Aufbau und die Vermarktung des Pools übernimmt ein spezialisiertes Dienstleistungsunternehmen (Aggregator). Durch die Kombination der Lasten in einem Pool ergibt sich der benötigte Leistungsbedarf. Ein Pool bietet sich insbesondere für die Vermarktung von Lasten am Regelenergiemarkt an, da für dieses Marktsegment hohe Anforderungen an die Bereitstellungsqualität und die Losgrößen bestehen.

Lastmanagement in das betriebliche Energiemanagement integrieren

Um die Lasten im Unternehmen effektiv zu erschließen und Synergien zu nutzen, sollte das Lastmanagement Teil eines betrieblichen Energiemanagements sein. Die Analyse der betrieblichen Prozesse fügt sich gut in ein bestehendes Energiemanagementsystem ein, da relevante Daten hierfür bereits erfasst und ausgewertet werden. So kann auch berücksichtigt werden, dass sich Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und die Erschließung von Lastmanagementpotenzialen gegenseitig beeinflussen. Um optimale Unternehmensergebnisse zu erzielen, ist schlussendlich eine Bewertung der Energie-und Kosteneffizienz des Gesamtsystems sowie eine systematische Steuerung und Kontrolle auf Basis eines zentralen Systems notwendig.

* Annegret-Claudine Agricola ist Bereichsleiterin Energiesysteme und Energiedienstleistungen bei der Deutschen Energie-Agentur GmbH in 10115 Berlin, Hannes Seidl ist dort stellvertretender Bereichsleiter Energiesysteme und Energiedienstleistungen

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