Robotik

Zweiarmige Roboter stehen für neue Anwendungen bereit

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Die meisten Applikationen kommen aus der Montage, doch die Einsatzfelder lassen sich noch beliebig erweitern. „Der Trend in neue, serviceorientierte Bereiche, beispielsweise Laboratorien, Lebens- und Freizeitbereiche, zeichnet sich ebenfalls ab”, so der Vertriebsmanager. „Die zweiarmigen Roboter der SDA-Serie sind unsere Brücke von den Industrierobotern hin zur Servicerobotik. Damit bewegen wir uns auf ein ganz weites Einsatzfeld zu und wir sehen uns als Treiber einer neuen Entwicklung in der Robotik.”

Roboterkonzept passt sich an die Umgebung des Menschen an

Ebenfalls überzeugt vom Erfolg der Doppelarmlösungen ist die Pi4 Robotics GmbH. „Die zweiarmigen Roboter werden die Zukunft bestimmen, weil das Konzept sich an die Umgebung des Menschen anpasst und nicht umgekehrt”, meint Geschäftsführer Matthias Krinke. Der Pi4 workerbot wurde vor zwei Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt und ist seit Mitte 2011 am Markt erhältlich.

Der Roboter mit dem humanoiden Aussehen hat laut Krinke seine Vorteile aber nicht nur in der Zweiarmigkeit, sondern durch das Komplettpaket. „Die gesamte Technik befindet sich in der mobilen Plattform”, so Krinke. „Der Roboter braucht nur noch Strom.” Der workerbot verfügt über sieben Achsen je Arm, ein integriertes Bildverarbeitungssystem für Prüf- und Positionieraufgaben, eine konfigurierbare Laserscannerüberwachung, sodass keine Schutzumhausung erforderlich ist, und eine integrierte Kraftsensorik für feinfühlige Auf-gaben.

Der Fokus auf der Anwenderseite liegt bei der Prüfung von Kunststoffteilen. Diese Applikation werde bei dem Berliner Unternehmen zurzeit besonders abgefragt. „Bei Kunststoffverarbeitern stehen Flexibilität und Mobilität hoch im Kurs, weil die Spritzgießmaschinen oft umgerüstet werden und Prüf- und Montagetechnik schnell für andere Aufgaben an anderen Maschinen einsetzbar sein muss”, erläutert der Geschäftsführer. Weiterhin seien gerade bei Automobilzulieferern eine 100-%-Prüfung und meistens auch noch ein Montageprozess nach dem Spritzen von Zusatzteilen erforderlich.

Der workerbot komme an Arbeitsplätzen zum Einsatz, die ursprünglich für Menschen konzipiert wurden, primär am Fließband. Dort zahle sich auch die Mobilität aus, die es ermögliche, den Roboter von Hand an einen anderen Arbeitsplatz zu rollen. „Im nächsten Schritt wird es ab 2013 als Option den Zweiarmer auf einem fahrerlosen Transportsystem geben”, verrät Krinke.

Befürworter prognostizieren hohe Produktionsleistungen

In diesem Jahr rechnet er damit, fünf bis zehn Systeme auszuliefern. „Aufgrund unserer aktuellen Verhandlungen gehe ich davon aus, dass wir im Jahr 2013 fünf bis zehn Roboter pro Monat ausliefern werden – und die Zahl ist konservativ geschätzt.” Die erforderliche Produktionskapazität werde erst einmal über neue Mitarbeiter und Mehrschichtbetrieb geschaffen. „In den nächsten zwei Jahren ist dann der Bau einer neuen Roboterfertigung geplant.”

Auf der Hannover-Messe 2011 hat ABB seinen zweiarmigen Konzeptroboter Frida mit je sieben Freiheitsgraden erstmals vorgestellt. „Er ist Teil eines größeren Entwicklungsprojektes, das auf die Kleinteilmontage abzielt”, erläutert der verantwortliche Manager, Nicolas de Keijser. Der Dual-Arm-Roboter ermögliche eine hohe Produktionsleistung und entspreche dabei den Sicherheitsvorschriften für eigensichere Roboter.

Inzwischen sei eine Reihe von Pilotprojekten durchgeführt und bewertet worden, deren Ergebnisse aber noch nicht veröffentlicht werden sollen. „Geplant ist es, innerhalb der nächsten zwölf bis 36 Monate Schritt für Schritt Produkte des vorgesehenen Portfolios für die Kleinteilmontage auf den Markt zu bringen”, berichtet de Keijser. „In diesem Anwendungsbereich sehen wir einen entwicklungsfähigen Markt für unseren Zweiarmroboter.” Weiter lässt sich ABB noch nicht in die Karten schauen.

Multi-Arm-Konzepte sind praxiserprobt und wirtschaftlich

Ganz anders sieht die Einschätzung von Fanuc aus. „Für zweiarmige Roboter gibt es keinen Markt”, urteilt Matthias Fritz, technischer Leiter der Fanuc Robotics Deutschland GmbH. „Sähen wir Einsatzchancen, wäre man bei Fanuc sicher in der Lage, ein solches Gerät marktreif zu entwickeln. In absehbarer Zeit wird es aber keinen zweiarmigen Roboter geben.”

Aus Sicht des japanischen Unternehmens könnten solche Roboter als Technologieträger interessant sein, nicht aber für den Produktionsalltag.

Die Vorteile, die man sich in der Vergangenheit von Doppelarmrobotern versprochen habe, seien durch die technische Entwicklung überholt. „Fanuc kann heute jede Form kooperierender Roboter auf höchstem Sicherheitsniveau realisieren”, betont Fritz. „Unsere Dual-Arm- und Multiarm-Konzepte sind praxiserprobt und wirtschaftlich effizient. Ein zweiarmiger Roboter kann nichts, was eine Dual-Arm-Konfiguration nicht auch könnte. Und ist die Aufgabe erledigt, können beide Roboter für unterschiedliche Aufgaben einzeln eingesetzt werden.”

(ID:34290170)