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Produkthaftung

USA sind Hochrisikoland bei der Produkthaftung

21.05.2007 | Redakteur: Stéphane Itasse

„Klagen wegen Produkthaftung lassen sich in den USA nicht vermeiden“, erläutert Matthias Rösler, bei Stihl Mitarbeiter für zentrales Qualitätsmanagement. Bild: Itasse

Mainz (si) – In Sachen Produkthaftung stellen die USA einen Sonderfall dar: Zum einen können die Schadensersatzsummen Millionenhöhen erreichen, außerdem sehen sich die Unternehmen deutlich häufiger mit Produkthaftungsklagen konfrontiert. „In der Autoindustrie liegen die Klagen wegen Produkthaftung 100 Mal höher als im Weltdurchschnitt“, sagte Matthias Rösler auf dem Kongress „Länderrisiken 2007“.

Auch Maschinenbauer müssten scharf kalkulieren. Beispielsweise würden Werkzeugmaschinenbauer 15% der Werkzeugkosten für Anwalts- und Gerichtskosten einkalkulieren, berichtete Rösler, Abteilungsreferent Zentrales Qualitätsmanagement der Andreas Stihl AG & Co. KG in Waiblingen, auf dem Kongress in Mainz. Auch sein Unternehmen muss sich mit Klagen wegen Produkthaftung auseinandersetzen. Das Haftungsrisiko lässt sich jedoch durch eine ganzheitliche, präventive Strategie und sichere Produkte reduzieren.

Für die hohen Kosten gibt es mehrere Ursachen, erläuterte Dr. Stefan Tiessen, Rechtsanwalt der amerikanischen Kanzlei Smith, Gambrell & Russell. Die Produkthaftungsgesetze in Europa und den USA an sich seien nicht so sehr verschieden. Im amerikanischen Recht ist jedoch die Idee verankert, dass der Geschädigte als Bestrafung für den Verursacher des Schadens deutlich mehr Geld verlangen kann als der Schaden beträgt. Dieser Strafschadensersatz ist den Europäern fremd.

Außerdem sind Anwälte in den USA teuer – je nach Region müssten Unternehmen für einen guten Verteidiger mit Stundensätzen von 200 bis 600 US-Dollar rechnen; Erfolgshonorare sind bei Anwälten üblich. Außerdem trägt jede Partei ihre eigenen Kosten, auch wenn sie vor Gericht obsiegt. Die Gerichtsfälle enden jedoch zu 95% mit einem Vergleich.

Um die Risiken aus der Produkthaftung einzudämmen, empfiehlt Tiessen mehrere Vorgehensweisen:

  • Unternehmen sollten eine Produkthaftungsversicherung abschließen. „Seien Sie nicht zu knausrig mit den Deckungssummen“, warnte der Anwalt.
  • Das Risiko der Produkthaftung lässt sich zu den Vertragspartnern verlagern, allerdings stehen die Chancen gerade bei Importeuren eher schlecht.
  • Die Erfüllung von Sicherheitsstandards ergibt nach amerikanischem Recht noch kein „safe product“, sondern gilt vor Gericht höchstens als ein Indiz hierfür.
  • Eine eigene Tochtergesellschaft kann das Mutterunternehmen in Deutschland nicht ganz vor Klagen wegen Produkthaftung schützen; haften muss letztendlich das herstellende Unternehmen.

„Klagen wegen Produkthaftung lassen sich nicht vermeiden“, bestätigte auch Rösler; am häufigsten werden sie wegen instruktionsfehlern eingereicht. Fehler vermeiden und ein sicheres Produkt anstreben, lautet deshalb die Devise bei Stihl. Das ist Aufgabe des Risikomanagements, das hierfür drei Möglichkeiten hat:

  • Fehler vermeiden in Entwicklung, Fertigung, Instruktion und bei der Produktbeobachtung.
  • Risiken verlagern auf eine Versicherung oder durch entsprechende Vereinbarungen mit den Zulieferern.
  • Verteidigungsstrategie vorbereiten und alle relevanten Dokumente vorhalten.

„Die Bereitschaft, an das Fehlverhalten der Benutzer zu denken, muss vorhanden sein“, sagte Rösler, Für die USA sind die Warnhinweise bei Stihl besonders ausgeprägt, Versprechen über Sicherheit sind Tabu. Auch die Produktbeobachtung ist äußerst wichtig. „Wenn man versäumt, eine Behörde über einen Rückruf zu informieren, kann das Millionen kosten“, so Rösler.

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