Arbeitsschutz

Allgemeine Sicherheitsnormen für komplexe Systeme

Seite: 4/4

Anbieter zum Thema

Anwender finden in dieser Norm und in ISO 13849-1 eine Tabelle mit Beziehungen zwischen SIL und den bisherigen Kategorien aus EN 954. Allgemeine Anforderungen an das Qualitätsmanagement sind Teil der IEC/EN 61508. IEC/EN 62061 bezieht sich auf die entsprechenden Stellen (Bild 1).

C-Normen werden nicht obsolet

Die ISO 13849-1 wurde geschrieben, unter anderem um die vielen C-Normen nicht auf einmal als obsolet erscheinen zu lassen. In ihr sollen die alten Kategorien weiter leben, der Ansatz der IEC 61508 (Qualitätsmanagement, Struktur- und Zuverlässigkeitsanforderungen) aber mit berücksichtigt werden – die Performance Levels waren geboren.

Sie bauen einerseits auf die alten Kategorien auf, andererseits beziehen sie Fehlerraten als weiteres Bewertungskriterium mit ein. Als Zuverlässigkeitsparameter wurde jedoch die „Mean Time to Dangerous Failure“ (MTTFd, mittlere Betriebsdauer bis zum Ausfall) anstelle von Fehlerraten eingeführt, was die Berechnungsformeln unüberschaubar macht. Weiterhin wird der Begriff „Diagnose-Deckungsgrad“ (dc, Diagnostic Coverage) anstelle von „Anteil ungefährlicher Ausfälle“ benutzt.

IEC 62061 und ISO 13849-1 mit unterschiedlichen Ansätzen

Es lässt sich nicht leugnen, dass beide Normen eigentlich den gleichen Anwendungsbereich ansprechen. Die Ansätze unterscheiden sich jedoch:

  • Die IEC 62061 besitzt die Flexibilität und Variabilität der IEC 61508. Sie eignet sich demnach sehr gut für komplexe Systeme.
  • Die ISO 13849-1 dagegen beschreibt Systeme mit eingeschränktem Freiheitsgrad und ist angelehnt an die EN 954. Vorteilhaft ist hier, dass der Übergang zwischen Kategorien und modernen Ansätzen mühelos realisiert werden kann. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die C-Normen weiterhin „schmerzlos“ angewendet werden können.

Somit finden beide Normen ihre Anwendung. Wann welche Norm zu empfehlen ist, wurde in einem technischen Bericht publiziert (Guidance on the application of ISO 13849-1 & IEC 62061 in the design of safety-related control systems for machinery). Diese Empfehlung wird auch in den Normen zu finden sein. Hersteller unterstützen beide Ansätze und stellen die entsprechenden Daten zur Verfügung (Bild 2).

Dipl.-Ing. Patrick Lerévérend ist Trainer für Explosionsschutz und funktionale Sicherheit; Dipl.-Techn.-Red. Xenia Döbling ist technische Redakteurin, beide im Geschäftsbereich Prozessautomation der Pepperl + Fuchs GmbH.

(ID:330563)