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Alternative Finanzierung: Hedgefonds als Option

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Orientierung am Risiko der Fonds

So unterschiedlich wie die Hedgefonds selbst sind auch ihre diversen Investitionsstrategien. Diese orientieren sich zumeist am Risiko der Fonds:

Erstens, Senior Financing: Diese Strategie zielt darauf ab, vorrangig vor anderen Gläubigern befriedigt zu werden. Sofern möglich, werden die Fonds versuchen, Sicherheiten an noch nicht belasteten Vermögenswerten zu bestellen oder sich alternativ auch Anteile am Unternehmen verpfänden zu lassen. In der Regel werden auch die weiteren Tochter- und Konzerngesellschaften dazu aufgefordert, Sicherheiten zur Verfügung zu stellen.

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Zweitens, Junior Financing: Bei dieser Strategie sind die Fonds mit einer nachrangigeren Position nach anderen Gläubigern einverstanden. Dies wirkt sich allerdings auf die Risikobewertung aus und hat in der Regel höhere Zinsen zur Folge.

Drittens, Equity Kicker: In der Regel lassen sich die Fonds die Option einräumen, ihr Darlehen unter bestimmten Umständen in Eigenkapital umzuwandeln oder Anteile der alten Gesellschafter am Unternehmen zu übernehmen. Ziel der Fonds ist es normalerweise, auf langfristige Sicht eine Mehrheitsbeteiligung am oder zumindest eine Sperrminorität im Unternehmen zu erhalten. Gleichwohl sitzen die Fonds aktuell auf viel Kapital, das sie anlegen müssen – dadurch gehen immer mehr Fonds Kompromisse zugunsten von Minderheitsbeteiligungen ein.

Viertens, Loan to own: Bei dieser Strategie stellen die Fonds den Unternehmen Darlehen zur Verfügung oder kaufen am Sekundärmarkt Verbindlichkeiten auf, um diese sodann über Wandeloptionen in Gesellschaftsanteile zu überführen. Um dieses Ziel zu erreichen, scheuen die Fonds auch harte Sanierungsmaßnahmen oder ein Insolvenzverfahren nicht – sie wollen sich so vielmehr in die bestmögliche Position bringen. Gerade bei dem Eintritt über den Sekundärmarkt haben die Unternehmen oft wenig Einflussmöglichkeiten und können sich auch überrumpelt fühlen. Unternehmen sollten daher darauf achten, in Darlehensverträgen generell einen Zustimmungsvorbehalt für den Verkauf der daraus resultierenden Forderungen festschreiben zu lassen.

Das Heft nicht aus der Hand geben

Hedgefonds stellen Kapital in Situationen zur Verfügung, in denen Banken typischerweise nicht mehr agieren. Sie lassen sich ihre Kredite aber durch hohe Zinsen vergüten. Zudem versuchen die Fonds oft, eigene Fachkräfte oder Wirtschaftsprüfer, Anwälte oder M&A-Berater in die Unternehmen zu bringen, die dann von diesen zu bezahlen sind. Die Unternehmen sollten daher das Heft des Handelns nicht aus der Hand geben, sondern bei Verhandlungen auf entsprechende Mitspracherechte bestehen. Trotz der genannten Risiken müssen Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe nicht per se Angst vor Hedgefonds haben. Sie können diese Risiken aber nur kontrollieren, wenn sie ihre eigene Situation vorab genau analysieren, die Finanzierungsformen und Investitionsstrategien der Fonds kennen und die Finanzierungsbedingungen detailliert verhandeln. MM

* Dr. Annerose Tashiro ist Rechtsanwältin und leitet den Geschäftsbereich Internationale Sanierungsberatung bei Schultze & Braun in 77855 Achern, Tel. (0 78 41) 70 82 35, ATashiro@schubra.de

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