Elektromotoren

Aquisitionen von ABB und WEG zeigen: das sind die Strategien der Motorenlieferanten

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ABB könnte jetzt 40 Prozent am NEMA-Markt halten

Der Verkauf der NEMA-Sparte ist ein Versuch von Siemens, sich aus Märkten zurückzuziehen, die für diese Strategie nicht entscheidend sind. Das Motorengeschäft ist für Siemens nach wie vor wichtig, weil es einen beträchtlichen Teil des Umsatzes (circa 1 Milliarde Euro) erwirtschaftet, aber es hat den Anschein, dass sich dieses Geschäft eher zu einer Cash Cow entwickelt, als dass es ein Bereich ist, der gezielt ausgebaut werden soll. Dieser Schritt ermöglicht es Siemens, sich auf die Aufrechterhaltung ebendieses Status in seinen IEC-Kernmärkten zu konzentrieren, anstatt zu versuchen, mit WEG, Nidec und ABB um die Expansion im NEMA-Bereich zu konkurrieren.

ABB hingegen baut mit dieser Übernahme seinen Anteil am NEMA-Markt weiter aus. Wir schätzen, dass durch diese Übernahme der Anteil von ABB am NEMA-Markt zwischen 35 und 40 Prozent liegen würde. Das ist deutlich mehr als der Anteil des nächsten Wettbewerbers. Durch diese Akquisition erhält ABB auch zusätzliche Kapazitäten in einer Produktionsstätte in Mexiko, was in Zeiten von Lieferkettenproblemen eine willkommene Flexibilität bedeutet.

Notverkauf? WEG erwirbt die Bewegungssteuerungssparte von Gefran

Um lokale Kapazitäten zu erhöhen, gab WEG bereits am 6. August bekannt, dass man die Bewegungssteuerungssparte von Gefran für 23 Millionen Euro übernehmen wird. Gefran, ein italienischer Anbieter von Automatisierungssystemen, hatte die Bewegungssteuerungssparte in einer Vorstandssitzung am 30. Juni dieses Jahres in die Kategorie „zur Veräußerung gehaltener Bereich“ umklassifiziert. In der Pressemitteilung zu dieser Vorstandssitzung hieß es, dass dies Sparte im Vergleich zum Rest bei Gefran eine schlechte Performance zeigt. Während die Umsätze von Gefran insgesamt um 17,2 Prozent stiegen, verzeichnete die Bewegungssteuerungssparte nämlich ein Wachstum von 5,6 Prozent, was zu einem Nettoverlust in diesem Segment führte.

Der Umsatz des Unternehmens wird für das Jahr 2021 mit 44,8 Millionen Euro angegeben. Angesichts eines Verkaufspreises von nur 23 Millionen scheint es sich bei der Übernahme um einen Notverkauf zu handeln, mit dem sich Gefran von einem leistungsschwachen Geschäft trennen will, um seine finanzielle Gesamtleistung zu verbessern. Für WEG stellte dies wahrscheinlich eine Gelegenheit dar, das eigene Angebot in Sachen Antriebe (das derzeit außerhalb Amerikas nicht existiert) zu verbessern und seine Produktionskapazität im Ausland zu erhöhen. Als Teil des Verkaufs erhält WEG vier Fabriken. Und zwar in Italien, Deutschland, China und Indien. Angesichts des Geredes über Reshoring, also die Rückverlagerung von Produktionsstätten, inmitten der schon seit zwei Jahren andauernden Lieferkettenkrise muss dies aus Sicht von WEG sicherlich ein attraktiver Gedanke gewesen sein.

Gut situierte WEG nutzt die Gelegenheit

WEG ist im letzten Jahr erheblich gewachsen und hat seine Bruttoeinnahmen zwischen 2020 und 2021 um mehr als 27 Prozent gesteigert. Damit fand sich das Unternehmen in einer guten Lage, um eine solche Gelegenheit zu nutzen. Weil Antriebe und Motoren in den nächsten zehn Jahren immer stärker integriert werden, wird es für die Hersteller von Vorteil sein, wenn sie für beide Bereiche ein umfangreiches Angebot vorweisen können. Während WEG auf dem amerikanischen Markt seit Jahren Antriebe in beachtlichen Mengen verkauft, ist das europäische und asiatische Antriebsgeschäft unbedeutend. Mit dieser Übernahme kann sich das vielleicht ändern.

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