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Die Jahrhundertwende war auch die Zeit, als sich der Verein neue Anwendungsbereiche erschloss: das weite Feld der Elektrotechnik und der Fördertechnik. Schnell kamen erste sicherheitstechnische Prüfungen von Fernleitungen, Lagertanks, Versammlungsstätten und Seilbahnen hinzu. Weiterer Meilenstein in der TÜV-Geschichte: Am 15. Oktober 1910 gründete der Stuttgarter Dampfkessel-Revisionsverein eine Spezialabteilung zur Prüfung von Fahrzeugen und deren Führern. Das war die Geburtsstunde der regelmäßigen Fahrzeugprüfung in Süddeutschland. Dem erweiterten Prüfspektrum wurde später mit der offiziellen Umbenennung in Technischer Überwachungs-Verein (TÜV) Rechnung getragen.
Mit den Kunden nach Übersee
Den Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg gestalteten die Technischen Überwachungsvereine aktiv mit, zum Beispiel der damalige TÜV Bayern: Konsequent wandte er sich der Prüfung kompletter Raffinerien zu und stieg in die Kunststofftechnik ein. Anfang der 1960er-Jahre erfolgte auch der erste nachweisbare Auslandsauftrag: Die Dienststelle „Kern- energie und Strahlenschutz“ des TÜV Bayern wurde beauftragt, ein Kernkraftwerk in Belgien zu prüfen. Außerdem erfolgte ein Einsatz in Afghanistan zur Begutachtung einer Feuerungsanlage.
Seit den 1970er- und 1980er-Jahren erweiterte sich die Palette der Prüfleistungen um die Computer- und Mikroprozessortechnik, den Datenschutz und den Schutz des Menschen am Arbeitsplatz. Zudem forschten und berieten die Ingenieure auch auf den Gebieten der Energieeinsparung sowie der Nutzung alternativer Energien und des Umweltschutzes. Neue Felder wie E-Business, Lebensmittelsicherheit, Medizintechnik und Fahrzeugentwicklung runden seitdem das Spektrum ab. Zunehmend begleiteten die TÜV-Ingenieure ihre Kunden auch nach Übersee, anfangs insbesondere nach Nordamerika und Asien.
1984 wird die TÜV Süd Akademie gegründet – heute eines der größten, privaten Fortbildungsinstitute in Deutschland. Jährlich werden dort über 100.000 Menschen in rund 400 Themengebieten fortgebildet.
Durch die zunehmende Liberalisierung der Märkte und damit einhergehende Fusionen verschiedener TÜV-Organisationen entstand der heutige TÜV Süd. Heutzutage prüfen, testen und zertifizieren die Experten nicht nur Produkte, sondern beraten auch Menschen und Organisationen. Während früher in erster Linie Dampfkessel und technische Anlagen überprüft wurden, stehen heute immer häufiger Themen wie Prozesssicherheit, Lebensmittel, Datenschutz und Datensicherheit sowie komplexe IT-Infrastrukturen im Mittelpunkt.
Das verlangt nach hoch qualifizierten Mitarbeitern: Über 80 % der TÜV-Süd-Mitarbeiter sind Akademiker – und der Bedarf wächst: Seit 2005 sind nahezu jedes Jahr über 1000 neue Mitarbeiter zum Unternehmen hinzugekommen. Aktuell hat der TÜV Süd rund 22.000 Beschäftigte und ist weltweit an 800 Standorten vertreten. Über 50 % der Beschäftigten arbeiten außerhalb Deutschlands.
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