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TüV Süd Aus Sicherheit wächst Fortschritt

| Autor / Redakteur: Udo Schnell / Udo Schnell

Im Januar 1865 explodierte ein Dampfkessel in der Mannheimer Aktienbrauerei. Anlass für die ortsansässigen Dampfkesselbetreiber, eine Organisation ins Leben zu rufen, die für mehr Sicherheit an den technischen Anlagen sorgen sollte – die Vorläuferorganisation des heutigen TÜV Süd.

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Gründungsschrift eines Dampfkesselüberwachungsvereins aus dem Jahr 1870.
Gründungsschrift eines Dampfkesselüberwachungsvereins aus dem Jahr 1870.
(Bild: TÜV SÜD)

Am 28. Januar 1865 explodierte kurz nach 13 Uhr ein Dampfkessel in der Mannheimer Aktienbrauerei. Ein Toter und vier Verletzte erschütterten die Stadt. Die Ursachen waren Wassermangel, zu hoher Druck und mangelhafte Wartung. Das Unglück veranlasste die ortsansässigen Dampfkesselbetreiber, eine Organisation ins Leben zu rufen, die für mehr Sicherheit an den technischen Anlagen sorgen sollte: Am 6. Januar 1866 gründeten sie die „Gesellschaft zur Ueberwachung und Versicherung von Dampfkesseln mit dem Sitze in Mannheim“, die Vorläuferorganisation des heutigen TÜV Süd.

Die Explosion in Mannheim war direkter Auslöser für die Gründung des Dampfkessel-Überwachungsvereins. Aber die Idee keimte schon vorher. Denn seit dem ersten Einsatz einer Dampfmaschine in Deutschland – im Jahr 1785 im preußischen Hellstädt – hatte ihre Anzahl schnell zugenommen: Nach einem halben Jahrhundert waren 300 Dampfmaschinen in Betrieb, vorwiegend wohl im Bergbau. 1837 gab es in Berlin 30 Dampfmaschinen, zwölf Jahre später 114 mit einer Gesamtleistung von 1256 PS.

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Erste Umweltschutz-Gutachten bereits 1870

Schnell wurde die neue Organisation nach ihrer Gründung 1866 als staatsentlastend anerkannt. Und schnell zeigten sich auch Erfolge bezüglich der Sicherheit: Kontrollierte Kessel waren zwanzigmal sicherer als nicht kontrollierte Kessel. Die stark steigende Zahl installierter Dampfkessel führte zu immer mehr Vereinsmitgliedern und immer mehr Sachverständigen, die die Anlagen prüften. Innerhalb von zehn Jahren wurden rund zwanzig Dampfkessel-Überwachungsvereine in ganz Deutschland gegründet. Bald befasste sich der Verein in Baden außer mit Dampferzeugern auch mit Druckbehältern und spezialisierte sich auf Fragen der Werkstoff- und Schweißtechnik. Sogar ein erstes Umweltschutz-Gutachten zum Thema „Rauchgasbelästigung“ erstellten die Ingenieure bereits 1870.

Im Mai 1904 gründeten die Revisionsvereine Bayerns, Badens, Sachsens und Württembergs den „Verband Deutscher Dampfkessel-Überwachungs-Vereine“ mit dem Ziel einheitlicher behördlicher Vorschriften. Bereits zwei Jahre später wurde die „Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln zu Mannheim“ durch ein Gesetz vom 20.9.1906 mit dieser Aufgabe betraut. 1908 waren bereits sieben Sachverständige anerkannt.

Im gleichen Jahr übernahmen der Bayerische Revisionsverein und die Badische Gesellschaft zur Überwachung von Dampfkesseln die Überwachung von Sprinkleranlagen und die Überprüfung von Aufzügen. Die Badische Gesellschaft zur Überwachung von Dampfkesseln richtete eine besondere Abteilung ein, um die Wirtschaftlichkeit von Dampfkesseln berechnen zu können.

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