Suchen

Exportmärkte Automobilindustrie investiert kräftig in Ungarn

Autor: Stéphane Itasse

Ungarn ist attraktiv für Automobilhersteller und ihre Zulieferer. So wuchs die Zahl der Neuzulassungen bei Pkw im vergangenen Jahr um 14,4 %, von Januar bis April 2016 waren es sogar 16,6 %. Auch die Exporte der Branche legten laut Außenministerium um 14 % auf 19,6 Mrd. Euro zu. Deshalb planen die Unternehmen viele Investitionen.

Firma zum Thema

Mercedes-Benz plant neues Werk im ungarischen Kecskemét; hier ein Luftbild des bestehenden Werks.
Mercedes-Benz plant neues Werk im ungarischen Kecskemét; hier ein Luftbild des bestehenden Werks.
(Bild: Daimler)

Bei den Investitionen der Automobilindustrie in Ungarn fährt ein deutscher Hersteller vorne weg: Mercedes-Benz will in Kecskemét ein zweites Werk für Pkw bauen und rund 1 Mrd. Euro investieren. „Dort soll eine effiziente Produktion entstehen, in der flexibel verschiedene Fahrzeugarchitekturen vom Band laufen. Wir schaffen mit diesem Werk nach Industrie-4.0-Ansätzen weitere Kapazitäten und gleichzeitig die notwendige Flexibilität, um schnell und zukunftsorientiert auf die Anforderungen der Märkte reagieren zu können“, sagt Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain Management.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Das zweite Werk in Kecskemét soll über einen Karosseriebau, eine Lackiererei, eine Montage und einen Industriepark verfügen. Gemäß den Industrie-4.0-Ansätzen ist eine wandelbare Fabrik geplant. Sie besteht aus vernetzten Produktionssystemen, einer digitalen Prozesskette, der Nutzung von Produktionsdaten und neuen Modellen der Kooperation von Mensch und Maschine. Damit wird es laut Hersteller möglich, die Fertigung flexibler und effizienter zu gestalten sowie ergonomische Arbeitsverbesserungen umzusetzen. Der Produktionsstart ist zum Ende der Dekade geplant. Die Standortentscheidung und die Umsetzung hängen noch von der finalen Erfüllung verschiedener Rahmenbedingungen ab, wie es bei Daimler heißt.

Automobilzulieferer folgen den Herstellern nach Ungarn

Das Mercedes-Benz-Werk Kecskemét produziert bereits seit 2012 Kompaktfahrzeuge mit Frontantrieb für den Weltmarkt. Seitdem sind dort über 500.000 Fahrzeuge vom Band gelaufen. Ende April 2016 hat Mercedes-Benz bereits eine Investition von rund 580 Mio. Euro in das bestehende Werk bekannt gegeben.

Auch die deutschen Autozulieferer investieren: So hat Bosch 2015 ein Entwicklungszentrum für Mobility Solutions in Budapest eröffnet. Nahezu 1300 Ingenieure entwickeln unter anderem Elektronik und Komponenten für Fahrerassistenzsysteme und die Motorsteuerung – doppelt so viele wie vor vier Jahren, berichtet das Unternehmen. Rund 100 Mio. Euro flossen seit 2011 in den Ausbau des Standortes Budapest. Insgesamt hat Bosch in den vergangenen zehn Jahren nahezu 1 Mrd. Euro in Ungarn investiert.

Eine weitere Investition von 19 Mrd. Ungarischen Forint (circa 61,2 Mio. Euro) plant das Unternehmen in seine Fabrik in Hatvan, wie das ungarische Außenministerium berichtet. Für das Vorhaben, das 601 neue Arbeitsplätze schaffen soll, steuert die Regierung 4,7 Mrd. Forint (circa 15,1 Mio. Euro) an nicht rückzahlbaren Zuschüssen bei. Künftig sollen dort Steuerungssysteme für Elektro- und Hybridfahrzeuge, Abstandssysteme sowie verschiedene Sensoren vom Band laufen, wie Außenminister Péter Szijjártó sagte.

Schaeffler erweitert in Ungarn seine Produktion von Wälzlagern

Auch das zur Schaeffler-Gruppe gehörende Werk FAG Magyarország Ipari Kft. in Debrecen wird erweitert. Mit dem Bau einer neuen Produktionshalle reagiert der Automobilzulieferer nach eigenen Angaben auf die steigende Nachfrage für Wälzlager in Europa. Die neue Fertigungsstätte wird unter anderem mit Maschinen mit moderner Schleiftechnik zur Herstellung von Wälzlagern ausgestattet, wie Schaeffler ankündigt. Das Produktionsvolumen im ungarischen Werk steigt um etwa 50 %. In den nächsten Jahren soll zudem die Zahl der Mitarbeiter um etwa 500 steigen. Schaeffler investiert insgesamt rund 80 Mio. Euro in die Erweiterung des Werkes. Voraussichtlich im Spätsommer 2016 soll die Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau erfolgen. Die ersten Teile aus der neuen Produktionsstätte sollen in der zweiten Jahreshälfte 2017 ausgeliefert werden.

Auch Automobilzulieferer aus anderen Ländern bauen ihr Engagement aus. So hat Eagle Ottawa, ein Tochterunternehmen der Lear Corporation, im April eine neue Produktionsstätte in Szolnok eröffnet. Durch die Investition in Höhe von 5,5 Mrd. Forint (circa 17,7 Mio. Euro) sollen bis Ende 2017 insgesamt 800 neue Arbeitsplätze entstehen, wie das ungarische Wirtschaftsministerium berichtet. „Die Verwirklichung dieses Projekts ist ein Beweis für das Vertrauen der ausländischen Investoren in den Standort“, so Wirtschaftsminister Mihály Varga in einer Mitteilung. Das Unternehmen betreibt dort seit 2009 auch sein europäisches F&E-Zentrum. Indische Automobilzulieferer haben Ungarn ebenfalls als Sprungbrett nach Europa entdeckt. „Apollo Tyres und die SMP-Gruppe haben 2014 und 2015 zwei große Greenfield-Projekte realisiert. Jetzt folgt die Sona-Gruppe, die Metallkomponenten herstellt, mit dem Bau einer Fabrik in Polgár“, sagte Außenminister Péter Szijjártó.

(ID:44211659)

Über den Autor

 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

MM MaschinenMarkt