Studie

Automobilindustrie steht vor drastischem und schmerzhaften Umbruch

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Der zentrale Grund liege im Rückgang des Absatzes im vergangenen und im laufenden Jahr. Zwar würden die sinkenden Rohstoffpreise die Automobilbranche entlasten – so werden beispielsweise für die US-Hersteller verringerte Materialkosten pro Fahrzeug in Höhe von rund 500 bis 800 US-Dollar erwartet. Dennoch werde 2009 die weltweite Automobilbranche pro verkauftem Auto im Schnitt rund 1800 Euro Verlust verbuchen müssen.

22% der europäischen Autozulieferer von Insolvenz bedroht

Akuten Problemen sehen sich nach den Ergebnissen der Studie insbesondere die Zulieferer gegenüber: Nach Berechnungen der Berater befanden sich 2008 etwa 22% aller europäischen Automobilzulieferer in Insolvenzgefahr. Bei einem allgemein prognostizierten Rückgang der Wirtschaft um 10 bis 20% werde diese Zahl im Jahr 2009 auf 30 bis 50% steigen.

Durch die Krise öffne sich die Schere zwischen erfolgreichen und existenzgefährdeten Unternehmen der Automobilbranche weiter: Die besten 25% der Zulieferer erreichten noch immer eine EBITDA-Marge von rund 15%, diese Kennzahl sei damit genauso hoch wie vor der Krise. Das unterste Viertel der Zulieferindustrie sei jedoch von knapp 7% EBITDA-Marge auf 4% abgerutscht. Dies reiche nicht aus, um überleben zu können.

Asiatische Automobilzulieferer stehen am besten da

Die Studie zeige, dass die europäische Automobilbranche nur über wenig mehr flüssige Mittel verfügt als die amerikanische. Besser gehe es den asiatischen Zulieferern und Automobilherstellern. Dennoch gebe es in Deutschland in allen Segmenten Zulieferer, die gut dastehen.

Am stärksten unter der Strukturkrise würden die USA mit branchenweiten Umsatzverlusten (einschließlich Zulieferindustrien) von –23,1% leiden, gefolgt von Westeuropa mit –12,5%. Einige nationale Märkte wie Russland und Brasilien würden sogar um bis zu 45% einbrechen. In China verlangsame sich das Wachstum auf +5,8%.

Automobilhersteller leiden stärker als Zulieferer

Insgesamt litten Automobilhersteller stärker unter der Krise als Zulieferer. Besonders betroffen seien die Hersteller von Premiumfahrzeugen. Verbraucher bevorzugen derzeit kleinere Fahrzeugklassen und weniger Ausstattung, was bei anhaltendem Trend mittelfristig einen kumulierten Margenrückgang von 4% für die Automobilhersteller erwarten lässt, wie Alix Partners mitteilt.

Wie die Zahlen der Studie zeigten, hätten auch billige Konsumentenkredite der vergangenen Jahre zur Krise der Automobilindustrie beigetragen: Bewegte sich die Absatzkurve von Automobilen in der Vergangenheit stets mit dem Bruttosozialprodukt auf und ab, so habe sich das ab etwa 2002 geändert – der Zeit des ‚billigen Geldes‘.

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