Würzburger Runde diskutiert

Bewusstsein für IT-Sicherheit fehlt in der Fabrik

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Automatisierung mit eingebauter Security

Preissensibilität ist Thema auch für Christoph Müller, Geschäftsführer des Systemintegrators MST System Solutions. Wenn Kunden bei ihm Steuerungen ordern, steht immer auch der Preis im Fokus. Automatisierung mit eingebauter Security koste halt mehr als solche ohne, weiß Christoph Müller: „Da bauen sich beim Kunden, besonders bei solchen mit kleineren Lösungen, rasch Hemmschwellen auf, für Security extra zahlen zu müssen.“ Bei Kunden mit umfangreicheren Lösungen, wie dem Energieversorger der Stadt Bern oder Zürich, sei das Bewusstsein ganz anders: „… die beauftragen sogar externe Unternehmen, unsere Netze in Sachen Security zu überwachen.“

Dass nicht nur Rechner angegriffen werden können, die mit dem Internet verbunden sind, auch dafür stehe Stuxnet, mahnt Prof. Dr. Hartmut Pohl, Geschäftsführender Gesellschafter der Softcheck GmbH. „Stuxnet hat seinen Weg in die Anlage nicht übers Internet gefunden, sondern die iranischen Zentrifugen sind per USB-Stick infiziert worden.“ Hartmut Pohl warnt vor der noch vorhandenen Gefahr: „Stuxnet ist sieben Jahre alt, mehrfach modifiziert worden und es gibt von dem Schädling aktuell zehn Derivate in Form von anderen Würmern. Und die geistern durchs Internet.“ Hartmut Pohl warnt: „Den Wurm kann man modifizieren, um dann eine – auch eine bestimmte – Brauerei anzugreifen.“

Einzelne Maßnahmen reichen nicht

Stuxnet, er ist nicht allein der erste und bekannteste Fall in Sachen Security in der Fabrik, er ist auch ein Wurm, für den, wer auch immer, einen immens hohen Aufwand getrieben hat, bei dem viele andere Faktoren stimmen mussten, und der in dieser Form nicht alltäglich für die Fabrik ist. Dennoch zeigt das Beispiel, dass das Thema die Branche sensibilisiert hat. „Nicht einzelne Maßnahmen reichen“, sagt Franz Köbinger, „man müsse ein mehrschichtiges Verteidigungssystem aufbauen.“ Das fange damit an, gar keine oder nur zertifizierte USB-Sticks an Anlagen anschließen zu können. Und der Siemens-Manager weiter: „Hundertprozentig wird man das Risiko nie ausschalten können, aber man kann durchaus mit 20 % Aufwand 80 % Sicherheit erreichen.“

„Die Technologie für ausreichende Sicherheit in der Fabrik ist vorhanden, es gibt VPN-Lösungen, es gibt Lösungen mit Proxyservern und sogar Portallösungen“, da ist sich Peter Steib sicher. Wichtig sei etwas ganz anderes: „Wir müssen daran arbeiten, dass Security mehr in die Köpfe kommt.“

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