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Selbst die weltweit gebeutelte Automobilindustrie sieht China weiterhin als einen der zukunftsträchtigsten Märkte. Der stark angeschlagene US-Autobauer General Motors (GM) eröffnete im Dezember 2008 ein zweites Werk in Shenyang im Nordosten Chinas. Dort sollen ab Frühjahr 2009 bis zu 150 000 Kleinwagen jährlich vom Band laufen. GM möchte in China weiter wachsen, erklärt der für die Volksrepublik zuständige Manager Kevin Wale. GM werde weiter in China investieren und sei dort sehr profitabel, so die Unternehmensangaben. GM werde seine zwei Werke in Qingdao und Yantai in der Provinz Shandong wie geplant erweitern und keine Investitionen verschieben oder absagen.
Unternehmen nutzen die konjunkturelle Abkühlung
GM verlor in China die Marktführerschaft an Volkswagen. Der VW-Konzern verkaufte dort bis Anfang Dezember 931 000 Fahrzeuge, der China-CEO von Volkswagen, Winfried Vahland, nennt für 2008 eine Million verkaufte Fahrzeuge und damit eine Steigerung von etwa 10% im Vergleich zu 2007. Auch der Gewinn in China habe zugelegt, sagt Vahland.
Im November sank der Absatz der Automobilindustrie in China um 16% und für das erste Halbjahr 2009 rechnen Experten mit einem Rückgang der Verkäufe um 10%. Danach dürfte das Konjunkturprogramm greifen, prognostizieren Branchenexperten. Im Gesamtjahr 2009 dürfte der Markt stagnieren, die Nachfrage könnte dann jedoch wieder schnell zulegen. Die Märkte in Westchina sind erst wenig erschlossen und in den dichtbesiedelten Küstenstreifen setzen die Hersteller auf verbrauchsarme Stadtautos. Die Abkühlung nutzen die meisten Produzenten, um ihre Anlagen zu warten und umzurüsten, damit sie im härter werdenden Wettbewerb zukünftig besser aufgestellt sind.
Diese Modernisierungsanstrengung und Zukunftsorientierung bietet auch den deutschen Maschinenbauern weiter Geschäftschancen. „In den vergangenen Jahren hatten wir in China sehr stolze Wachstumsraten, die auch 2008 anhielten. Für 2009 rechnen wir für die Maschinenbauexporte nach China mit einem weiteren Wachstum, allerdings – stark abgeschwächt – im einstelligen Bereich“, erklärt VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann.
Doch dürfte die Differenzierung in den unterschiedlichen Fachzweigen sehr zunehmen. Einzelne Bereiche fallen laut Wortmann zurück, andere haben weiter hohe Zuwächse. Genaue Prognosen seien kaum möglich, weil die vielen verschiedenen Entwicklungen, die die Zukunft der einzelnen Industriesektoren beeinflussen, kaum voraussehbar seien.
Viel Spekulation ohne konkrete Hintergründe
Auch Gudrun Seitz, Büroleiterin der VDMA-Vertretung in Peking, warnt davor, voreilige Prognosen aufzustellen. „Bei den kursierenden Einschätzungen ist viel Spekulation ohne Hintergrund vorhanden.“ Seitz sieht für Maschinen und Anlagen, die die Industrieproduktion effektiver und umweltfreundlicher machen, gute Zukunftschancen in China.
So war auch bei den Ende 2008 im Industriezentrum Shanghai laufenden Industriemessen wenig von einer Krise zu spüren. Shanghai ist mit seinen Nachbarprovinzen das Zentrum für Maschinenbauer und Industrieunternehmen aus Deutschland. Im Unterschied zu Südchina ist dort weniger Billigproduktion und Leichtindustrie zu finden. Mit dem enormen Wirtschaftswachstum des Landes spielen die Regionen eine immer wichtigere Rolle. Deshalb muss das Land mit seinen über 1,3 Mrd. Einwohnern und einer doppelt so großen Fläche wie die EU differenziert gesehen werden.
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