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China

China nutzt Krise und modernisiert die Wirtschaft

| Autor/ Redakteur: Thomas kiefer / Ulrike Gloger

Auch Chinas Wirtschaft steuert in die Krise. Wirtschaftsvertreter vor Ort sehen jedoch für Zukunftsbranchen mittelfristig durchaus gute Perspektiven. Die gegenwärtigen Einbrüche könne China auch nutzen, um strukturelle Wirtschaftsprobleme anzugehen, die sich durch die jahrlange Überhitzung verursacht wurden.

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( Archiv: Vogel Business Media )

China ist nicht der rettende Anker gegen die globalen Wirtschaftsprobleme. Chinas Wirtschaftswachstum droht sich im kommenden Jahr auf knapp 5% zu halbieren und damit die gesamte Weltwirtschaft in die Rezession zu stürzen, warnte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn. Chinas Industrieproduktion stieg im Oktober 2008 noch um 8,2%, im November lediglich um 5,4%. Die Stahlproduktion ging im November sogar um 12% zurück. Zehntausende Unternehmen aus der Textilindustrie, Spielzeugproduzenten und Hersteller von Geschenkartikeln mussten bereits Konkurs anmelden. Doch bei den Zahlenspielen wird oft nicht differenziert. Betroffen ist besonders die südchinesische Exportlokomotive Guangdong mit ihrer Billigproduktion.

Die Probleme waren bereits vor der Finanzkrise deutlich und die chinesische Regierung versucht den Wandel bereits seit einiger Zeit zu gestalten. Zu den bereits bestehenden Konjunkturprogrammen kommen jetzt zusätzliche Investitionsanreize. Zusammen mit den Maßnahmen, die die Provinzen für Investitionen beschlossen haben, dürfte die Gesamtsumme bei umgerechnet fast einer Billion Euro liegen.

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Erfahrung mit großen Konjunkturprogrammen

Ende Dezember 2008 teilten Regierungsvertreter auf der Economic Work Conference in Peking mit, dass die Gelder hauptsächlich in Bauprogramme, in ländliche Regionen, Infrastruktur und den ökologischen Umbau der Wirtschaft fließen sollen. Das Land hat durchaus Erfahrung mit solch großen Konjunkturprogrammen und über die nötigen Instrumente verfügt man auch: Nicht zuletzt durch eine Verbindung von Markt mit staatlicher Planung konnte China in den vergangenen Jahrzehnten seine Wirtschaft beispiellos schnell ausbauen und modernisieren.

Das Land feiert jetzt den dreißigsten Jahrestag seiner Öffnungspolitik. In dieser Zeit stieg die Wirtschaftsleistung um das 68-fache. So konnte China entgegen der Prognosen vieler Analysten vor über zehn Jahren die Asienkrise weitgehend unbehelligt überstehen. Hinzu kommt, dass China mit fast zwei Billionen US-Dollar über den größten Devisenschatz der Welt verfügt.

Richard Hausmann, Vorsitzender der Deutschen Handelskammer in China, sieht die Deutsche Industrie in China gut aufgestellt. In der jetzt schwieriger werdenden Situation sei besonders die Zukunftstechnik gefragt. Für deutsche Investitionsgüter im Transportbereich, für Energieprojekte und in der Umwelttechnik für die Produktion sieht Hausmann gute Zukunftsperspektiven in China.

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