Pumpen und Armaturen

Der intelligente Werkstoff kann kommen

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Wie sehen diese Lösungen konkret aus?

Dr. Böhm: Wir nutzen beispielsweise Diamond-like-Carbon-, kurz DLC-Schichten und polykristalline Diamantschichten, die die Performance im Trockenlaufbereich sehr deutlich verbessern. Um diese Beschichtungen aufzubringen, ist eine aufwändige Anlagentechnik und Know how notwendig, wo andere ihre Kernkompetenz haben. Die Grundlagen dazu sind in gemeinsamen, zuvor genannten öffentlich geförderten Projekten entwickelt worden.

Welche Aufwendungen lohnen sich und wie messen Sie den Erfolg?

Dr. Böhm: Das ist schwierig zu beantworten, es gibt Anwendungen wie in der Teerchemie. Da haben Pumpen eine Lebenserwartung von vier Wochen – kosten aber 20.000 Euro. In anderen Anwendungen sind unsere Pumpen seit 80 Jahren ohne Probleme im Einsatz. Wenn Sie eine Wasserpumpe konstruieren, haben Sie andere Herausforderungen, als wenn Sie eine Pumpe für den Bergbau herstellen, wo bis zu 80 % mit Feststoffen beladene Medien gefördert werden, mit zehn Zentimeter großen Gesteinsbrocken. Oder denken Sie an Meerwasser-Anwendungen. Hier fördern wir ein hochkorrosives Medium, das zu sehr speziellen Korrosionsarten neigt, Loch- und Spaltkorrosion, die nach besonderen Werkstofflösungen verlangen. In diesen Fällen erzielen wir über eine kontinuierliche Werkstoffentwicklung längerfristige Erfolge. Ein weiteres, sehr prominentes und aktuelles Beispiel stammt aus dem Armaturenbereich: In Mannheim laufen derzeit Versuche mit einem Schieberegler in einem Großkraftwerk. Bei diesen Prototypen wird ein hochtemperaturbeständiges Material eingesetzt, dass bei 725 °C arbeitet. Hier sind wir nicht nur bei der Werkstoffentwicklung sondern auch bei der Bearbeitung und Herstellung involviert. Dieser Aspekt spielt in unseren Untersuchungen eine große Rolle, denn die Materialien über die wir sprechen, sind alles andere als gutmütig in der Bearbeitung.

Eines der größten Probleme im Pumpenbau betrifft die Kavitation. Wann können wir mit dem Wunder-Anti-Kavitationswerkstoff aus Ihrem Labor rechnen?

Dr. Böhm: Zunächst einmal gibt es den Ansatz über konstruktive Lösungen der Kavitation zu begegnen. Aber wir forschen auch an Werkstofflösungen, um diesen Weg zu beschreiten.

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Zur Person

Dr.-Ing. Alexander Böhm ist derzeit Leiter Werkstofftechnik und Labor bei der KSB Aktiengesellschaft in Pegnitz. Zu den Aufgaben seiner Abteilung gehören:

  • Schadensfallanalyse
  • interne Beratung
  • Analytik
  • strategische Dienstleistungen bezüglich Anwendungen und Entwicklungen.

Seine beruflichen Stationen zuvor waren unter anderem die Qualitätssicherung:

  • an der TU Dresden, wo er in den Werkstoffwissenschaften promovierte,
  • am Fraunhofer Institut IFAM in Bremen,
  • beim Metallschaumhersteller Alantum
  • und beim kanadischen Bergwerksgesellschaft Vale.

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