Außenhandel Deutsche Maschinenbauer halten bislang an Russland fest

Redakteur: Claudia Otto

Auftragseinbrüche und Finanzierungsprobleme bereiten deutschen Maschinen- und Anlagenbauern im Russlandgeschäft Sorgen. Drohende Sanktionen und die Rubelkrise verunsichern die Marktteilnehmer. Dennoch halten die Unternehmen einer aktuellen Umfrage zufolge an ihrer Russlandstrategie fest.

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Monika Hollacher, VDMA-Referentin Russland: "Die nicht enden wollende Diskussion zu einer möglichen dritten Sanktionsstufe führt bei den Unternehmen zu großer Verunsicherung."
Monika Hollacher, VDMA-Referentin Russland: "Die nicht enden wollende Diskussion zu einer möglichen dritten Sanktionsstufe führt bei den Unternehmen zu großer Verunsicherung."
(Bild: VDMA)

Angesichts der negativen wirtschaftlichen Entwicklung und der politischen Zuspitzung in der Ukraine hat der VDMA seine Mitgliedsunternehmen von Mitte April bis Mitte Mai 2014 zu den akuten und mittelfristigen Auswirkungen der Krise auf das Russlandgeschäft befragt. 66 % der Teilnehmer spürten zum Zeitpunkt der Umfrage schon Folgen der Krise. Die größten zusätzlichen Probleme auf dem ohnehin schon schwierigen russischen Markt sind an erster Stelle zurückgehende Anfragen (63 %) und Aufträge (61 %), gefolgt von Finanzierungsproblemen (45 %), Auftragsstornierungen (19 %), Verzögerungen beim Import (14 %), Zahlungsausfällen (14 %) sowie Verzögerungen bei der Exportkontrolle (12 %).

Russische Banken zu keinem Risiko bereit

Als Gründe für Auftragsrückgänge sowie den Abbruch laufender Geschäfte werden in erster Linie der schlechte Rubelkurs, steigende Zinsen und danach die politische Situation genannt. Bei der Exportfinanzierung kämpfen die Unternehmen mit teuren Krediten und Schwierigkeiten bei der Absicherung mittels Akkreditiven. Russische Banken sind offensichtlich derzeit nicht bereit, selbst geringe Risiken zu übernehmen, auch nicht über kürzere Laufzeiten. Das schließt auch große Banken wie die Sberbank ein. Vorboten zu noch nicht näher bekannten Sanktionen der 3. Stufe sind Verzögerungen bei der Exportkontrolle, die in erster Linie Werkzeugmaschinenhersteller betreffen. Dies deckt sich mit den Erfahrungen der VDMA-Außenwirtschaft in den letzten Wochen, nach denen besonders für Lieferanten kontrollierter Werkzeugmaschinen in die russische Luftfahrtindustrie oder an andere Mischempfänger die Lage kritisch ist.

Trotz allem hat sich wenig an der Tendenz geändert, dass die Unternehmen zunehmend die Vertriebs- und Serviceverantwortung von Deutschland nach Russland verlagern möchten. Ebenso verhält es sich bei den Investitionen in eine Produktion/Montage vor Ort. Keiner der Teilnehmer beabsichtigt derzeit, seine Aktivitäten zurückzufahren. Das deckt sich mit dem Verhalten deutscher Unternehmen in den vorhergehenden Krisen 1998 und 2008, antizyklisch zu investieren.

Nicht nur deutsche Unternehmen extrem verunsichert

Die Antworten auf die offene Frage, welche Themen momentan bei der Marktbearbeitung in Russland außerdem noch relevant sind, spiegeln laut VDMA eine große Verunsicherung wider. Seit Wochen diskutiert die Politik über Sanktionen der Stufe 3. Viele Unternehmen wissen nicht, ob sie überhaupt noch einen Auftrag aus Russland annehmen sollen, denn sie fürchten, dass eine Lieferung nach Russland unter Umständen nicht mehr möglich ist. Die gleichen Befürchtungen haben auch potenzielle russische Geschäftspartner, selbst wenn sie derzeit noch über ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten verfügen. Angegeben wurden ebenfalls häufiger: nachlassende Investitionen, sinkende Zahlungsmoral, steigende Korruption und wachsender Protektionismus. Aber auch Alltagssorgen wie Fachkräftemangel und technische Regularien halten die deutschen Maschinenbauer in Atem. MM

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