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Allerdings hat Tillmetz auf diese missliche Lage schon reagiert. Er brachte gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen beim VDMA die erste Statistik über Brennstoffzellen in Deutschland in Gang, die jährlich aktualisiert und erweitert werden soll. Bereits vorliegende Ergebnisse wurden von Johannes Schiel, dem Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, ebenfalls auf der F-Cell vorgestellt. Die Daten stammen aus einer Befragung von 50 Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft. Dabei handelt es sich um Hersteller von Brennstoffzellen für stationäre Anwendungen – bei Heizungen – und für die Stromversorgung sowie um Zulieferer von Komponenten.
Im Jahr 2007 hatten diese Unternehmen den Rückmeldungen zufolge 4692 Brennstoffzellen verkauft und damit einen Umsatz von rund 44 Mio. Euro erzielt – gut 28 Mio. Euro entfielen auf Systeme, fast 16 Mio. Euro auf Komponenten. Aus solchen Daten soll in den nächsten Jahren ein zunehmend genaueres Bild der Branche entstehen. Wegen der derzeit noch niedrigen Erfassungsquote seien die tatsächlichen Werte schon jetzt etwa dreimal größer, schätzt Tillmetz. Besonders bemerkenswert findet er, dass allein die befragten Unternehmen 2007 bereits rund 56 Mio. Euro investierten. Sie gingen zu 74% in Forschung und Entwicklung. „Das ist“, so Tillmetz, „charakteristisch für eine junge Technologie.“
Wasserstofftechnik – ein Kind der 60er Jahre
Zwar wurde der Brennstoffzelleneffekt – die Umwandlung der chemisch gebundenen Energie von Wasserstoff in elektrischen Strom – schon vor mehr als 150 Jahren entdeckt und in den 60er Jahren in der Raumfahrt etabliert; ansonsten gab es aber kaum mehr als Forschung und Projekte. Damit fingen auch Siemens und Varta in den 60er Jahren an; Anfang der 70er Jahre ließ das Interesse zugunsten der Kernkraft aber schon nach und stieg wieder, als die Ölkrise radikale Überlegungen veranlasste. Im Anschluss daran warb vor allem Ludwig Bölkow für nachhaltige Energie auf der Basis der Solartechnik und Wasserstoff. Er prognostizierte Anfang der 80er Jahre, dass die Umstellung 30 bis 50 Jahre dauern werde, und gehörte 1996 noch zu den Gründern des Deutschen Wasserstoffverbandes.
Als die Pioniere der modernen Brennstoffzelle müssen Tillmetz zufolge Ballard und Daimler gelten. In beiden Unternehmen hat der Chemiker gearbeitet und Projekte mitgestaltet, bevor er vor vier Jahren in das ZSW eintrat. Das 1988 in der Rechtsform einer Stiftung gegründete Institut gehört laut Tillmetz zu den wichtigen wirtschaftsnahen Akteuren im Bereich neuer Energietechniken. Es hat schon 1999 mit Würth die mittlerweile weltweit erste Serienproduktion von Solarzellen auf Kupfer-Indium-Selenid-Basis auf den Weg gebracht.
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