Energietechnik

Die Brennstoffzelle – eine unendliche Forschungsgeschichte?

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Inzwischen widmen sich auch zahlreiche Organisationen der Brennstoffzelle. Außer dem Wasserstoffverband und der 2002 gebildeten VDMA-Arbeitsgemeinschaft, die unter anderem Spezifikationen für Komponenten erarbeitet, sowie der 2001 gegründeten Initiative Brennstoffzelle, die Feldtests mit Hausheizungen organisiert, sind rund ein Dutzend Landesinitiativen tätig: zum Beispiel die Wasserstoffinitiative Bayern, das Kompetenz-Netzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff NRW und die Brennstoffzellen-Allianz Baden-Württemberg.

Sie vernetzen und fördern insgesamt mehrere hundert Unternehmen, vermitteln zuweilen aber noch den Eindruck, die Branche suche weiterhin nach einem klaren Kurs: In einem Bundesland werden Wasserstoff-Tankstellen eröffnet, die im anderen längst schon wieder geschlossen sind.

Nationale Organisation Wasserstoff und Brennstoffzelle soll Aktivitäten bündeln

Wichtige Impulse verspricht sich Tillmetz von der Anfang 2008 installierten Nationalen Organisation Wasserstoff und Brennstoffzelle (NOW), bei deren Vorbereitung er selbst und Schiel vom VDMA mitwirkten. Diese zentrale Stelle soll die Aktivitäten bündeln und die Vergabe der Fördermittel aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzellen (NIP) koordinieren. Das sind 700 Mio. Euro bis 2015 – deutlich mehr als bisher. Für noch wichtiger hält Tillmetz aber organisatorische Aspekte: „Entscheidend ist die professionelle Koordination der Akteure. Nur in einem solchen Rahmen und mit der Transparenz durch die entstehende Statistik können die aufgestockten Mittel die Voraussetzungen für Investitionsentscheidungen verbessern.“

Die derzeit gute Position mit einem Exportanteil von über 50% kann laut Schiel noch verloren gehen. Schon 2003 habe allein Japan fast zehnmal mehr für Förderung ausgegeben als Deutschland, mahnt der VDMA-Manager. Auch der starke Akzent auf Forschung ist nach seiner Ansicht nicht mehr optimal.

VDMA: Gebraucht werden Programme zur Markteinführung

Diese Strategie habe bereits zu Verzerrungen geführt und drohe aus der Brennstoffzelle tatsächlich – wie befürchtet – eine „unendliche Geschichte“ zu machen. Aus der Sicht des VDMA seien Programme zur Markteinführung notwendig – eventuell auch Festpreise wie bei erneuerbaren Energien. Eines müsse klar sein, betont Schiel: „Brennstoffzellen kommen – fraglich ist nur, ob sie in Deutschland produziert oder nach Deutschland importiert werden.“

Auch aus solchen Statements bildet sich, wie Kornelia Konrad gelehrt hatte, der Horizont, vor dem die Brennstoffzelle schon als verfügbare Technik erschienen war, die man also bereits im Köcher zu haben glaubte wie einen Pfeil, den man noch nicht brauche, aber jederzeit herausholen und abschießen könne. „Erwartungen und Enttäuschungen“, so die Soziologin, „haben die Innovationsdynamik beeinflusst.“

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