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Außenlager-Überwachung mithilfe von Augmented Reality Die Drohne hat alles im Blick

| Autor / Redakteur: Lars Vogel / Nadine Schweitzer

Große Außenlager, die mehrere Hektar umfassen und entsprechend große Objekte im offenen Feld aufbewahren, mussten bisher manuell überwacht werden. Drohnen in Kombination mit Video- und Augmented Reality-Technik schaffen hier Abhilfe.

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Photo by Jared Brashier on Unsplash.com
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(Photo by Jared Brashier on Unsplash.com)

Insbesondere in den Bereichen Automobil und Frachtlogistik beziehungsweise Cargo sind große Außenlager keine Seltenheit. Die offenen Lagerflächen sind häufig mehrere Hektar groß und durch die Größe und die Anzahl der gelagerten Teile extrem unübersichtlich. Für eine Inventur, aber auch um bestimmte Güter direkt finden zu können, ist es sehr wichtig, dass alle Teile ordnungsgemäß registriert und inklusive Lagerplatz erfasst sind. Bisher mussten Mitarbeiter die einzelnen Stücke händisch eintragen, die Nummer überprüfen und mit dem Backend abgleichen. Auch wenn etwas verloren ging oder gesucht wurde, erfolgte dies manuell. Da die Güter nicht immer dort liegen, wo sie sollen, kostet das zum einen viel Zeit. Zum anderen birgt die händische Registrierung auch ein großes Risiko für Fehler. Ein einfacher Zahlendreher bei der Erfassung oder beim Abgleich mit dem Backend – und der Fehler ist im System. Oder der Mitarbeiter muss den ganzen Prozess nochmal von vorne beginnen, das Gut lokalisieren und die Zahl erneut überprüfen. Alles in allem also eine mühselige Arbeit, die viel Zeit frisst.

Schnelle Hilfe mittels Drohne und Videoerkennung

Der Einsatz von Drohnentechnik zeigt, wie Unternehmen diesen Job in Zukunft automatisieren und damit das Fehlerrisiko deutlich minimieren und den Prozess beschleunigen können. Für die Außenlagerinventur fliegt eine Drohne mit Video-Erkennung automatisiert über das Feld. Sie wird mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) gesteuert und erkennt und zählt die Objekte aus der Luft. In Kombination mit einer dahinter geschalteten OCR-Software werden die Produkt- oder Seriennummern vollautomatisch ausgelesen und mit den Beständen in den Warenwirtschaftssystemen abgeglichen. Die künstliche Intelligenz hilft außerdem dabei, die Lufterfassung zu optimieren: Wenn beispielsweise eine Bezeichnung schlecht lesbar ist, ermittelt die KI die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine bestimmte, gesuchte ID handelt. Falls die Erfassung mal nicht eindeutig ist und auch die KI die Kennnummer nicht korrekt erfassen kann, löst die Technik einen Fehleralarm aus und benachrichtigt einen Sachbearbeiter, um die ID manuell zu prüfen. Diese Technik wurde bereits von mehreren Industriegüterkonzernen erfolgreich getestet.

Generell können Drohnen für fast alle Arten der automatischen Erfassung, Identifizierung, Analyse und Dokumentation von Teilen und Objekten sowie sensorischen Informationen eingesetzt werden. Im Rahmen der Entwicklung zur Industrie 4.0 beispielsweise müssen Unternehmen ihre Produktionsprozesse zunehmend automatisiert und flexibel gestalten. Diese Flexibilisierung erfordert auch eine entsprechende Logistik. So setzten vereinzelte Unternehmen beispielsweise Drohnen ein, um Kleinstobjekte innerhalb von Unternehmensstandorten zu transportieren, um Staus auf der Straße zu vermeiden und Zeit zu sparen. Hier gibt es allerdings noch rechtliche Herausforderung zu lösen.

Neben logistischen Aufgaben können Drohnen für die unterschiedlichsten Anwendungsfälle genutzt werden, wie etwa die Personensuche, Erkennen von Gefahrenstoffe in der Luft, Rissbildung in Gebäuden und Brücken oder die Analyse von Wasserständen in flutgefährdeten Gebieten sowie Früherkennung von Waldbränden. Auch in der Landwirtschaft findet die Anwendung von Drohnen bereits seit vielen Jahren erfolgreich statt. Durch die Bewirtschaftung großer Areale ist eine Überwachung beziehungsweise Versorgung der Felder aus der Luft sinnvoll.  Auch in der Wildtierrettung werden Drohnen seit einigen Jahren bereits erfolgreich eingesetzt. Im Frühsommer werden Rehkitze mit Hilfe von Drohnen und Wärmebildkameras im Feld aufgespürt und können so vor dem Mähtod gerettet werden. Die Steuerung der Drohnen funktioniert dabei schon heute meist autonom beziehungsweise mithilfe einer Software. So werden der Einsatz, die Flugrouten und die Aktivitäten der Drohnen zentral koordiniert.

Ich sehe was, was die Drohne sieht

Um die Technik noch weiter zu optimieren, können Unternehmen sie um Augmented Reality ergänzen. Hierfür setzen Mitarbeiter eine Datenbrille auf und sehen nun das durch die Brille, was die Drohne sieht. Über die Brille können Mitarbeiter die Drohne dann ansteuern, um beispielsweise zu zoomen oder einen Richtungswechsel vorzunehmen. Außerdem können sie sich mithilfe der Augmentierung zusätzliche Informationen anzeigen lassen, wie beispielsweise Größe oder Zustand des Frachtguts.

In der Zukunft werden nicht nur zentrale Systeme Drohnen steuern, sondern Drohnen werden sich dezentral autonom untereinander abstimmen und selbständig koordinieren. Damit werden Drohnen untereinander kommunizieren sowie eigenständig Aufträge verteilen können, um die verschiedenen Aufgaben effizient zu erfüllen.

 

Über den Autor

 Lars Vogel

Lars Vogel

Head of Digital Transformation, T-Systems Multimedia Solutions GmbH, T-Systems Multimedia Solutions GmbH