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125 Jahre MM Maschinenmarkt

Die Geschichte der Logistik: Über eine Branche, die man lieben muss

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Logistik auf der Schwelle zum 21. Jahrhundert

In den 80er- und 90-Jahren stand für die Logistik durch den steigenden internationalen Konkurrenzdruck alles im Zeichen der Kostensenkung. Rationalisierungskonzepte wie Lean Production feierten jetzt ihren Erfolgszug. Neuartige Enterprise-Resource-Planning-Systeme gaben Unternehmen in dieser Zeit erstmals die Möglichkeit, ihre Bestände mit wenigen Mausklicks zu erfassen und zu kontrollieren. Getrieben durch die Globalisierung wurde auch die zunehmend ganzheitliche Betrachtung der Wertschöpfungskette immer wichtiger. Wer in der Industrie Erfolg haben wollte, musste wissen, woher und auf welchem Weg seine Waren kommen, um im Notfall rechtzeitig entgegensteuern zu können – etwa bei Lieferausfällen. An dieser Tatsache hat sich bis 2019 nichts geändert.

Ein historisches Zeugnis: Dieses Bild zeigt den ersten Vorläufer des modernen Gabelstaplers, den „Tructractor“ von Bradley Clark.
Ein historisches Zeugnis: Dieses Bild zeigt den ersten Vorläufer des modernen Gabelstaplers, den „Tructractor“ von Bradley Clark.
(Bild: CLARK Europe GmbH)

Heute ist die Logistik auch als interdisziplinäre Wissenschaft zwischen BWL, VWL, Informatik und weiteren anerkannt – kein Wunder bei einem Jahresumsatz von über 260 Mrd. Euro alleine in Deutschland. Das Supply-Chain-Management hat sich als eigenes Berufsfeld herausgebildet und beschäftigt sich mit der intelligenten Planung und Steuerung von Wertschöpfungsketten. Die Warenwirtschaft wird nicht mehr nur als Hilfsdisziplin gesehen, sondern als ein Kernprozess, der ausschlaggebend ist für den Erfolg von Unternehmen: Wer es zum Logistikanführer geschafft hat, ist in vielen Fällen auch Marktführer. Konzerne wie die Deutsche Post DHL, Deutschlands größtes Logistikunternehmen, fahren mit Ihren Geschäftsmodellen jährliche Umsätze von mehreren Milliarden ein.

Wer sich langfristig im Wirtschaftssektor behaupten will, muss sich vor allem mit den neuen digitalen Technologien auseinandersetzen. Fahrerlose Transportfahrzeuge, smarte Kommissioniersysteme und Co. lassen wahr werden, wovon vor wenigen Jahren noch keiner zu träumen wagte.

Die digitale Revolution wird zur obersten Maxime

Durch diese Technologien vorangetrieben überschlägt sich die Logistik geradezu und bringt eine bahnbrechende Innovation nach der anderen zustande – egal ob in Form von autonom agierenden Regalbediengeräten oder intelligenten Lagerrobotern. Letztendlich sind diese Fortschritte auch die Grundlage dafür, dass der Onlinehandel in Deutschland so prosperiert und jährlich ein Umsatzwachstum von knapp 10 % verzeichnen kann. Das Supply-Chain-Management gewinnt derweil massiv an Flexibilität dazu und Lieferketten werden effektiver und transparenter. Logistikentscheider haben ihre Zulieferer besser im Blick und schaffen so die Grundlage für die Produktion umfangreicherer und kleinteiligerer Produktsortimente. Die Kunden freuen sich über ein breites Angebot und Annehmlichkeiten wie die Paketzustellung schon am nächsten Morgen oder sogar noch am selben Tag.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich viele Betriebe mit der Umsetzung von „Logistik 4.0“ schwer tun. Mehrere Untersuchungen belegen, dass die Digitalisierung logistischer Prozesse in weiten Teilen der Industrie eher schleppend vorangeht. Während große Unternehmen und Konzerne bereits gut aufgestellt sind, gibt es vor allem im Mittelstand noch Nachholbedarf. Immerhin hat mehr als die Hälfte der Logistikentscheider die digitale Transformation in ihrer Geschäftsstrategie verankert.

Das Internet of Things gilt heute als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien für die Logistik – neben Big Data und Clouds.
Das Internet of Things gilt heute als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien für die Logistik – neben Big Data und Clouds.
(Bild: ©kwanchaift - stock.adobe.com)

Blick in die Glaskugel: die Logistik der Zukunft

Für die Materialwirtschaft der nächsten Jahre wird es weiterhin vor allem um Nachhaltigkeit, neue Technologien und eine noch stärkere Kundenorientierung gehen. Dafür braucht es im Industriezweig nach wie vor intensive Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Schon heute legen Logistikerinnen und Logistiker wichtige Grundsteine für komplett durchdigitalisierte Supply-Chains, die autonome Lieferung durch selbstfahrende Lkw und Drohnen und die Smart Factory. Auf lange Sicht könnten durch Künstliche Intelligenz unterstützte Systeme außerdem sogar Bedarfe erkennen, bevor sie entstehen und so dafür sorgen, dass Waren innerhalb kürzester Zeit beim Abnehmer ankommen. Ganz sicher ist jedenfalls, dass die Logistik auch in den kommenden Jahrzehnten untrennbar mit den wichtigsten Meilensteinen der Menschheit verbunden sein und enorme Verbesserungen für unseren Alltag und unsere Wirtschaft hervorbringen wird. Unsere gemeinsame Erfolgsgeschichte ist noch lange nicht zu Ende.

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Über den Autor

B.A. Sebastian Hofmann

B.A. Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group