Spann- und Greiftechnik

Die Zäune in den Betrieben müssen weg

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Insgesamt bleiben Sie also auf die Zusammenarbeit mit Roboter-Herstellern angewiesen. Wie bewerten Sie in diesem Kontext die Übernahme von Kuka durch den chinesischen Konzern Midea? Ändert sich dadurch etwas in der Zusammenarbeit?

Zuerst einmal sind wir ein Familienunternehmen mit einer eigenen Agenda. Auf dieser Agenda steht als erstes, das Greifen nach vorne zu bringen. Wir zeigen auf der Hannover Messe MRK mit allen bekannten Roboter-Herstellern. Da wollen wir auch zukünftig neutral bleiben. Wir arbeiten weiterhin sehr gut mit Kuka zusammen, wie auch mit allen anderen Herstellern.

Könnte der Fall Kuka nicht auch eine Blaupause für Sie sein; der Einstieg beispielsweise eines chinesischen Partners bezüglich Marktzugang, Wachstum und Entwicklungskapital einen Schub geben?

Als inhabergeführtes Familienunternehmen haben wir eine klare Agenda, die das nicht vorsieht.

Das heißt im Umkehrschluss, Sie sind mit Märkten und Wachstumszahlen derzeit zufrieden?

Wir beobachten Entwicklungen im Markt sehr genau; zum ersten die Forderung aus der Automobilindustrie, dass die Endmontage sehr viel höher automatisiert werden soll als derzeit. Wir betreiben hier ein Scouting und erarbeiten uns die Antwort auf die Frage: Welcher Greifer wird benötigt, um eine Endmontage zu automatisieren? Als zweiten Wachstumstreiber sehen wir das Thema der Elektromobilität. Hier wird es neue Greiftechnologien geben – für Batterien und für den Antriebsstrang. Den chinesischen Markt insgesamt sehen wir als dritten, sich stark entwickelnden Markt.

Was genau sind die Themen bei der KFZ-Produktion?

Aus der Automobilindustrie kommen derzeit ganz stark zwei Forderungen auf uns zu: Flexibilität und Wandlungsfähigkeit. Es ist eben nicht mehr so, dass auf einer Montagelinie, nur genau ein Typ montiert wird. Die steigende Varianz, wie wir sie auch jeden Tag im Straßenverkehr sehen, muss auf einer Linie produziert werden. Damit muss auch das Equipment, das wir zur Verfügung stellen, entsprechend flexibel und wandlungsfähig sein. Ein anderer Treiber aus der Automobilindustrie ist die Forderung nach Mensch-Maschine-Kollaboration, oder lax formuliert: Die Zäune müssen weg. Genauso, wie sich die Roboter-Hersteller bemühen, sichere Roboter anzubieten, tun wir das mit sicheren Greifern.

Sie sprechen nicht nur von sicheren, sondern auch von intelligenten Greifern. Was war notwendig, um Funktionen wie Messen oder Prüfen anbieten zu können?

Wenn wir Signale zurück melden wollen, – also Merkmale wie Gewicht, Temperatur, Dimension, Impedanz, oder Strom, wenn wir an die Batterieproduktion denken, – dann ist die Pneumatik, aus der wir kommen, nicht mehr ideal. Daher sehen wir mittlerweile als Voraussetzung für die Intelligenz, aber auch die angesprochene Sensitivität, die Mechatronisierung. Hier haben wir mittlerweile ein komplettes Portfolio aus Greifen, Drehgreifen, Linearbewegung und Schwenken. Wir sind aber nur dann wirklich intelligent, wenn wir die Fähigkeit besitzen, die Informationen, die wir uns über das Greifen erarbeitet haben, an übergeordnete Systeme weiter zu geben. Von daher spielt die Konnektivität mit ihrer gesamten Varianz eine gewaltige Rolle. Wir müssen uns bemühen, jedes Protokoll zu bedienen.

Welche Trends sehen Sie im Bereich der Spanntechnik? Spielt in der Werkzeugmaschine die Informationstiefe über das Werkstück eine ähnliche Rolle wie in der Montage?

Auch hier bekommen wir Anfragen. Der Trend geht ganz klar in Richtung Komplettbearbeitung und Integration weiterer Techniken, nicht nur Themen wie Laserintegration. Wir reden seit vielen Jahren über das Entgraten, das integriert werden soll. In diese Richtung werden Anfragen gestellt aber auch zum Spannen selbst. Wir müssen in Zukunft unterscheiden zwischen Schruppen und Schlichten. Nach der Bearbeitung können wir ja nicht mehr mit derselben Spannkraft greifen, wie wir das ursprünglich massive Werkstück gegriffen haben, jetzt brauchen wir eine intelligente Spannvorrichtung. Ein Hydraulik-Aggregat, das hinter der Maschine einen konstanten Druck erzeugt, reicht nicht mehr aus. Sie benötigen etwas viel sensibleres. Das sind Anforderungen, denen wir ausgesetzt sind.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite Neuigkeiten zum Thema der additiven Fertigung von Greifern.)

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