Normung DIN schaltet kostenlosen Online-Zugang frei
Das DIN hat einen kostenfreien Online-Zugang zu aktuellen Norm-Entwürfen freigeschaltet. Was das für die Normungsarbeit des Mittelstandes bedeutet und ob weitere kostenlose Serviceangebote geplant sind, darüber sprachen wir mit Dr. Torsten Bahke, Direktor des DIN.
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Das Norm-Entwurfsportal ist zweifellos ein Angebot, das der Mittelstand begrüßen wird. Welche Beweggründe hatte das DIN, einen kostenlosen Online-Zugang zu Norm-Entwürfen zu schaffen?
Bahke: Der Online-Zugang zu Norm-Entwürfen ist Teil eines ganzen Maßnahmenpaketes, welches seit der Mittelstandskonferenz „Erfolgsfaktor Normung“ des Bundeswirtschaftsministeriums im Frühjahr 2008 vom DIN aufgelegt worden ist. Ziel ist es, den Zugang zu Normen und zur Normungsarbeit für kleine und mittlere Unternehmen zu erleichtern. Eine dieser Maßnahmen ist das Norm-Entwurfsportal. Für alle Experten, die die Inhalte einer Norm mit gestalten möchten, ist dies ein neuer Weg, ihre Kommentare und Änderungsvorschläge einzubringen.
Sind weitere Zugeständnisse speziell an kleine und mittlere Unternehmen geplant?
Bahke: Zu unserer kundenorientierten Arbeit gehört es, die Mitwirkung des Mittelstandes an der Normung mit Hilfe neuer Technologien und Werkzeuge weiter zu erleichtern. Kleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und somit eine bedeutende Interessensgruppe innerhalb des DIN. Unternehmen bis zu 1000 Mitarbeitern stellen zwei Drittel aller Mitglieder des DIN und sind sehr aktiv in den Normungsgremien. Eine Forderung des Mittelstandes an die Normung kann das DIN nur mit allen interessierten Kreisen zusammen umsetzen: praktikable Normen, die möglichst kurz und verständlich gehalten sind.
Ist der kostenfreie Zugang zu den Inhaltsverzeichnissen auch ein erster Schritt hin zu einer Neuregelung der kontrovers debattierten Normenfinanzierung?
Bahke: In der Finanzierung der Normungsarbeit verhält es sich wie mit kommunizierenden Röhren: Wenn an einer Stelle Einnahmen wegfallen, werden sich an anderer Stelle Kosten erhöhen. Mögliche Veränderungen in der Finanzierung der Normungsarbeit müssen daher sehr verantwortungsbewusst diskutiert werden. Im DIN haben wir bei der Diskussion immer im Blick: Der Zugang zur Normung darf – gerade im Interesse von KMU – nicht teurer werden. Durch den Verkauf von Normen liegt die Finanzierung der Normung breit verteilt auf den Schultern aller Anwender. Der Mittelstand sieht dies genauso: Eine Studie des VDMA und des ZVEI unter ihren Mitgliedsunternehmen hat ergeben, dass diese der Finanzierung der Normung durch den Vertrieb der Normen bei Weitem den Vorzug vor anderen Modellen wie Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, höhere Kostenbeiträge oder staatlicher Finanzierung geben, zumal kleine und mittelständische Unternehmen nur 250 bis 1000 Euro pro Jahr für Normen ausgeben.
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