Kunststoffverarbeitung

Durchwachsene Bilanz für deutsche Kunststoffverarbeiter

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Der Imageverlust durch Medien und Laien macht Kopfschütteln

Besonders ärgerlich ist der fast schon unfaire und nicht mal von Halbwissen dominierte Imageverlust der Kunststoffe. Vom Verständnis ökobilanzieller Tatsachen im Vergleich zu den „guten“ Werkstoffalternativen Glas, Metall, Holz und anderen natürlichen Materialien, ganz zu schweigen. Roth nannte ein Beispiel aus den Medien, bei dem man einen Quizkandidaten fragte, woher denn das ganze Mikroplastik in den Meeren stammt. Die Antwort kam prompt, aber eben falsch: von den Plastiktüten! Leider stammt das Ärgernis vorwiegend vom weltweiten Reifenabrieb, wie Tests unabhängiger Institutionen längst belegen können. Und auch die „deutsche“ oder europäische Plastiktüte wäre es in dem Fall nicht, sondern die aus Asien und den umgebenden Regionen, wo es noch arg an Umweltbewusstsein mangelt. Soviel zum „Wissen“ über dringliche Probleme. Aber Hauptsache die Plastiktüte ist dem Jute- und Papier-Pendant gewichen. Leider leitet sich aus diesem Imageverlust auch ab, dass viele Jugendliche sich lieber nicht einer Ausbildung oder einem Studium im Bereich Polymere widmen wollen. Aber nichtsdestotrotz geht es ohne Kunststoffe überhaupt nicht. Man denke an den Medizinsektor, der nicht nur in Coronazeiten ohne Teststäbchen, isolierende Transportkühlboxen für Impfstoffe oder Injektionsspritzen, et cetera, gar nicht mehr auskommt.

Damit die Wertschätzung wieder zunimmt, hat man deshalb den Schulterschluss mit anderen Kunststoffverbänden gesucht und Gegenmaßnahmen mit Profis gestartet, die wissen, was Kunststoffe für positive Aspekte mit sich bringen – nicht zuletzt für den Klimaschutz.

Die Kreislaufwirtschaft als vielfach nutzbare Chance

Im Rahmen des Green Deal steht die möglichst geschlossene Kreislaufwirtschaft mit Blick auf zukünftige Produkte im Fokus. Alles soll bis 2050 bekanntlich klimaneutral sein, ruft der GKV in Erinnerung. Das bringt aber die Chance mit sich, dass Rezyklate noch stärker in Neuprodukten der Zukunft zu verarbeiten sind. Schon in vier Jahren sollen demnach rund 10 Mio. t Rezyklate genutzt werden. Das, merkt Julia Große-Wilde an, sind rund 20 % des europäischen Verbrauchs überhaupt. Und PET-Flaschen müssen ab 2025 zu 25 % aus Rezyklat (r-PET) bestehen, heißt es weiter. Und bis 2030 sollen alle Verpackungen möglichst so konzipiert sein, dass man sie weitgehend recyceln kann. Das alles kann den Kunststoffverarbeitern helfen, ist sich Roth sicher. Deshalb engagiert sich der GKV in der EU-Kommission Circular Plastics Alliance. Durch optimiertes Produktdesign und verbesserte Verarbeitungsverfahren soll die Kreislaufwirtschaft unterstützt werden. Dabei ist wichtig, dass die Rezyklate nicht downgecycelt sind, sondern ihre guten Eigenschaften, die sie beim Erstlingsprodukt zeigten, beibehalten.

Folgende Vorteile bringen Kunststoffprodukte, die oft voll recycelbar sind, in all ihren Erscheinungsformen mit, um die Klimaziele zu erreichen – vielen ist das nicht bewusst:

  • Sie sind energieeffizient zu hygienischen Verpackungen zu verarbeiten, wobei sie schon im Transport durch ihr geringes Gewicht, Ressourcen sparen;
  • Als Leichtbauwerkstoffe lassen sie Fahr- und Flugzeuge abspecken, wodurch diese Treibstoffe sparen können;
  • Kunststoffe sind sowohl thermische als auch elektrische Isolatoren. Das hilft der Elektronik, der Digitalisierung und beim Energiesparen;
  • Nichts ist hygienischer und facettenreicher im Bereich der medizinischen Versorgung einsetzbarer als Kunststoffe aller Art;

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