Anbieter zum Thema
Im zweiten Schritt untersuchen die TÜV-Süd-Experten die Maschine und ihre Komponenten. Dabei liegt der Fokus auf Leitfragen wie: Wird Druckluft bedarfsgerecht und effizient produziert und eingesetzt? Sind moderne Antriebe und Pumpen mit hohem Wirkungsgrad und Energiesparoptionen eingebaut und optimal dimensioniert? Wird Abwärme für weitere Prozesse intelligent genutzt? Sind die Stoffeinsatzmengen bekannt und wurden bereits Maßnahmen zur Minimierung ergriffen? Anschließend erfolgt die Betrachtung der Gesamtanlage auf Systemebene.
Vorgaben erfordern permanente Beobachtung der besten verfügbaren Technik
Hier wird untersucht, ob durch die Summe der Komponenten weitere Einsparungen möglich sind und ob diese – beispielsweise durch Kreislaufführung – auch genutzt werden. Wenn die Effizienzkriterien erfüllt werden, können Einzelzertifikate oder auch Systemzertifikate vergeben werden. Im ersten Fall werden die Eigenschaften einer konkreten Maschine analysiert und bescheinigt. Im zweiten Fall prüfen und zertifizieren die Experten den übergeordneten Unternehmensprozess – ähnlich wie bei einem Qualitätsmanagement. Das betrifft zum Beispiel den Entwicklungs- und Konstruktionsprozess, aber auch die Dokumentation und vieles mehr.
Für die Systemzertifizierung muss der Hersteller Unternehmensleitlinien, konkrete Vorgaben und ein internes Regelwerk erstellen und dabei alle Anforderungen des EME-Standards berücksichtigen. Die Mitarbeiter entwickeln und konstruieren die Anlagensysteme dann konform zu den Leitlinien und bewerten die fertige Maschine mit einem Punktesystem anhand eines detaillierten Prüfkatalogs, dem die Unternehmensleitlinien und somit der EME-Standard zugrunde liegen.
Im Kern fordern die Vorgaben auch die permanente Beobachtung der besten verfügbaren Technik und den Abgleich damit. Nur wenn bei dem strikten Bewertungsverfahren die erforderliche Mindestpunktzahl erreicht wird, darf die Anlage mit der Bezeichnung des zertifizierten Unternehmensprozesses versehen werden.
Aus der Praxis: EME-Standard bei Krones
Ein Beispiel ist die Krones AG, die mit ihrem unternehmenseigenen Programm, das unter dem Markennamen Enviro läuft, die Entwicklung von effizienten und umweltverträglichen Produktionsanlagen forciert. Das Unternehmen plant, entwickelt und fertigt Maschinen und komplette Anlagen für die Getränkeindustrie in den Bereichen Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik sowie Intralogistik. Dabei wird auch der Verbrauch der Medien wie Wasser und Druckluft sowie Schmierstoffe, Reinigungs- und Desinfektionsmittel berücksichtigt und untersucht, ob die Stoffe auch hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit ausgewählt und optimal dosiert verwendet werden.
EME schafft Transparenz bei den Folgekosten
TÜV Süd hat die Produktentstehungs- und Herstellungsprozesse der Krones AG nach dem EME-Standard zertifiziert und somit festgestellt, dass die vom Stand der Technik abgeleiteten Anforderungen erfüllt werden. Damit wird der Krones AG von unabhängiger Seite bescheinigt, dass die Komponenten und Systeme höchsten Effizienz- und Umweltstandards genügen.
Außerdem werden Energiebedarf, Wasser- und Medienverbrauch sowie der Bedarf an weiteren Betriebsmitteln konkret für verschiedene Betriebszustände ermittelt. Das schafft Transparenz auch bei den Folgekosten später im Betrieb und setzt zudem einen Maßstab, an dem sich die Branche messen kann.
* Christoph Reichel ist im Geschäftsfeld Anlagentechnik, Abteilung Messtechnik, bei der TÜV Süd Industrie Service GmbH tätig.
(ID:34673870)