Volkswagen Erneuerbare Energien für die Automobilproduktion
Eine dreistellige Millionensumme investiert der Automobilkonzern Volkswagen in erneuerbare Energien. Wir sprachen über diese Projekte mit Raimund Wunder, Geschäftsführer VW Kraftwerk GmbH, und Dr. Gerhard Prätorius, Leiter Koordination CSR und Nachhaltigkeit, Volkswagen AG.
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Aus welchen Gründen investiert die Volkswagen AG 640 Mio. Euro in erneuerbare Energien?
Wunder: Wir werden von der Politik mit neuen Gesetzen und Verordnungen zur Energieversorgung konfrontiert. Im Wesentlichen sind dies das Energiewende-Maßnahmenpaket der Bundesregierung vom 6. Juni 2011 und das Klimaschutz- und Energiepaket der EU vom Dezember 2008, das Ziele bis zum Jahr 2020 definiert. Demnach sollen Treibhausgasemissionen sowie der Energieverbrauch um 20% im Vergleich zum Jahr 1990 sinken. Die Nutzung erneuerbarer Energiequellen soll auf 20% der Gesamtenergieproduktion gesteigert werden. Das Energiekonzept der Bundesregierung geht noch darüber hinaus und sieht eine Reduktion der Emission von Treibhausgasen um 40% bis zum Jahr 2020 mit dem Jahr 2010 als Basis vor. Außerdem soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf mindestens 35% ausgebaut werden. Bei der Energieeffizienz ist eine Steigerung der Stromproduktivität um 2,1% pro Jahr und ein Mindestanteil von 25% für die Kraft-Wärme-Kopplung vorgesehen. Volkswagen muss seine Treibhausgasemissionen deshalb bis zum Jahr 2020 ebenfalls um 40% senken. Das werden wir erreichen, indem wir die Energieeffizienz bis zum Jahr 2020 um 25% steigern und indem wir die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausbauen.
Prätorius: Mit unserem Projekt Think Blue Factory wollen wir auch die Produktion bis 2018 um 25% umweltfreundlicher gestalten, und das an allen Standorten. Das betrifft insbesondere die Bereiche Energieverbrauch, Abfallaufkommen, luftgetragene Emissionen, Wasserverbrauch sowie CO2-Emissionen. Es ist ein Wettbewerbsvorteil, wenn wir umweltfreundlich produzieren. Außerdem haben wir als großes Unternehmen nicht nur mehr Möglichkeiten, eine umweltfreundliche Produktion umzusetzen, sondern auch eine größere Verantwortung, dies zu tun.
Welche Projekte bei erneuerbaren Energien planen Sie in den kommenden Jahren?
Wunder: Wir werden unsere Stromerzeugungsstruktur diversifizieren. Dazu planen wir zwei Gas-und-Dampfkraftwerke mit je 70 MW, die unser Kohlekraftwerk ersetzen, und fünf Blockheizkraftwerke an verschiedenen Standorten mit je 12 MW. Der CO2-Ausstoß pro MWh Strom ist ja bei Gaskraftwerken deutlich niedriger als bei Kohle. Durch den Brennstoffwechsel sparen wir gut 720.000 t CO2 pro Jahr ein. Alle unsere Kraftwerke laufen übrigens im KWK-Betrieb. Bei der Wasserkraft planen wir ein weiteres Kraftwerk in Brasilien mit 25 MW sowie den Bau eines modifizierten Wasserrades an der Aller. Außerdem haben wir in der Schweiz ein Laufwasserkraftwerk an der Aare gepachtet, das mit seiner installierten Leistung von 28,5 MW seit Ende August 2011 Strom für die Volkswagen AG liefert. Bei der Photovoltaik haben wir 2011 vier Anlagen mit bis zu 500 kWp in Betrieb genommen. Vier weitere Standorte sind in der Projektentwicklung, wobei wir in diesem Jahr die Marktpreise beobachten wollen und über einen weiteren Zubau entscheiden werden. Bisher orientieren sich die Photovoltaik-Anlagenpreise direkt an den Vergütungsregelungen. Wir erwarten mit der Förderkürzung, wie sie die Bundesregierung beschlossen hat, eine deutliche Reduzierung der Photovoltaik-Investitionskosten. Außerdem verhandeln wir derzeit über Beteiligungen an Offshore-Windparks. Wir prüfen mehrere Angebote und führen Gespräche, aber es ist noch nichts entschieden.
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