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Alleine oder im Verbund vermarkten?
Energieintensive Unternehmen wie beispielsweise Aluminiumhersteller, vermarkten ihre flexiblen Lasten in der Regel selbst. Unternehmen mit eher kleineren Lasten, wie die Vogtmühlen Illertissen, können sich mit anderen Unternehmen zusammenschließen und ihre Lasten über einen Pool anbieten. Den Aufbau und die Vermarktung des Pools übernimmt dabei ein spezialisiertes Dienstleistungsunternehmen, ein sogenannter Aggregator oder Vermarkter flexibler Lasten. In dem Pool werden einzelne kleine Lasten zu größeren Einheiten zusammengefasst und gemeinsam vermarktet.
Geeignet für ein Demand Side Management sind die unterschiedlichsten strombetriebenen Prozesse, die in Unternehmen laufen. Viele Prozesse sind von vornherein sehr flexibel einsetzbar, andere sind fest in einen Produktionsablauf integriert, können oftmals aber ebenfalls flexibel eingesetzt werden, wenn sie darauf hin überdacht und angepasst werden. Faktoren, die eine Flexibilität von Prozessen begünstigen, sind zum Beispiel große schaltbare Leistungen, vor- oder nachgelagerte Speicher wie zum Beispiel Materiallager, die Möglichkeit für kurze Vorankündigungsdauern für Schaltungen oder bereits vorhandene Steuermechanismen und Messdaten.
Leistung kurzfristig zur Verfügung stellen
Bei den Vogtmühlen ist es der Hauptprozess, das Getreidemahlen, der sich grundsätzlich gut für das DSM eignet. Die Mühlen haben einen vergleichsweise hohen Strombedarf; sie können für mehrere Stunden abgeschaltet und auch relativ schnell wieder in Betrieb genommen werden, ohne dass die Anlagen oder das Produkt Schaden nehmen. Bei Unterbrechungen lassen sich Getreide und Mehl in Speichern lagern. Schaltet der Müller die Mühle ab, werden dem Stromnetz kurzfristig circa 450 kW Leistung zur Verfügung gestellt. Je öfter die Vogtmühlen abschalten, umso interessanter ist das für Dienstleister, die kleinere flexible Lasten in einem Pool sammeln und vermarkten. Solche und weitere Prozesse untersucht die Deutsche Energie-Agentur (Dena) derzeit in dem vom Bayerischen Wirtschaftsministerium geförderten Pilotprojekt Demand Side Management Bayern. Die Dena untersucht darin die Prozesse von etwa 50 bayerischen Unternehmen und analysiert die Eignung jedes Betriebes für die Vermarktung verschiebbarer Lasten. Anschließend unterstützt die Dena Unternehmen bei der Vermarktung dieser Lasten in der Praxis.
Auf Basis der Einzelanalysen der Unternehmen erarbeiten die Experten der Dena Hilfsmittel und Standards für Demand Side Management in Unternehmen. Auf diese Weise soll dieses für die Energiewende wichtige Instrument nicht nur In Bayern sondern in ganz Deutschland vorangebracht und marktfähig gemacht werden. MM
* Annegret-Cl. Agricola ist Bereichsleiterin Energiesysteme und Energiedienstleistungen bei der Deutschen Energie-Agentur GmbH, agricola@dena.de, Philipp Richard ist dort als Projektleiter Energiesysteme und Energiedienstleistungen tätig, richard@dena.de
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