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Schwierigkeiten und Handlungsbedarf
Warum haben Sie sich dazu entschieden, dieses Projekt anzustoßen?
Friedhelm Loh, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Friedhelm Loh Group: „Als Familienunternehmen und größter Arbeitgeber der Region Mittelhessen tragen wir eine Verantwortung für unser Umfeld. Derzeit suchen hier viele Menschen eine neue, friedliche Heimat. Wir sind dankbar, dass wir ein gutes Leben in einem Land ohne Krieg und Hunger haben. Das möchten wir auch den Flüchtlingen ermöglichen.
Wir müssen sie deshalb schnell und bestmöglich aufnehmen und in die Gesellschaft integrieren. Die Möglichkeit zu arbeiten und sich eine neue Existenz aufzubauen, ist dabei ein wesentlicher Bestandteil der Integration – und essenzieller Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens.“
Wie schwierig war es, das Projekt zum Laufen zu bekommen? Welche Hürden mussten Sie dabei nehmen? Welche Schwierigkeiten gab es etwa von rechtlicher/politischer Seite?
Hensgen: „Generell sehen wir die größten Hürden bei den Sprachkenntnissen und fehlenden Qualifikationsprofilen. Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration in Ausbildung und Arbeit ist der schnelle Erwerb ausreichender Deutschkenntnisse. Hier fehlt es vor allem an der Förderung für Flüchtlinge, die älter als 18 Jahre sind. Fast genauso wichtig ist eine Potenzialanalyse. Angaben zu Schulbildung, Berufsausbildung und -erfahrung erleichtern die Erstellung passgenauer Konzepte für die Unterstützung der Flüchtlinge.
Wir erhoffen daher von Bund und Ländern schnelle Unterstützung bei der Schaffung folgender Voraussetzungen:
Ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache: Die von den zuständigen Stellen angebotenen Deutschkurse müssen durch auf die betrieblichen Abläufe und den ausgewählten Beruf abgestimmte Sprachkurse ergänzt werden. Wir haben betriebsbezogenen Sprachkurse bei dem Pilotprojekt über die firmeneigene Loh Academy direkt an der Werkbank vermittelt.
Vollständige Qualifikationsprofile: Um Praktikumskonzepte erstellen zu können, benötigen die Unternehmen Qualifikationsprofile der Bewerber. Bei dem Pilotprojekt waren Informationen zum Beispiel zur Schulbildung, Berufsausbildung, zu beruflichen Erfahrungen, zum Berufswunsch und so weiter lückenhaft. Wir haben dies durch ein vorgeschaltetes einwöchiges Einstufungspraktikum gelöst. Die Bewerber wurden zum Kennenlernen und Probearbeiten eingeladen. Dabei konnten fehlende Informationen abgefragt werden.
Aufbauend auf den Erkenntnissen des Pilotprojekts hat der Kreis als Projektpartner ein Konzept ausgearbeitet und zusammen mit dem Nachbarkreis einen Förderantrag an das Land gestellt. Die Anforderung der Erhebung von Qualifikationsprofilen sowie der fortgesetzten Sprachförderung für die Flüchtlinge ist ein wichtiger Bestandteil. Erfreulicherweise wurde der Antrag bereits genehmigt, sodass in kurzer Zeit nach Projektabschluss bereits mit der Umsetzung begonnen werden konnte. Es ist wichtig, dass Herausforderungen realistisch aufgezeigt und schnell umgesetzt werden. So können wir anderen interessierten Unternehmen Mut machen und unterstützen, schnell mit anzupacken.“
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