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Pilotprojekt FLG Friedhelm Loh: „Wir können die Integration von Flüchtlingen nur gemeinsam bewältigen.“

Autor: Robert Horn

In Ausgabe 44/2015 des MM MaschinenMarkt sprechen wir über den Arbeitsplatz 4.0 – und in diesem Zusammenhang auch über Fachkräftemangel und die Integration von Flüchtlingen. Die Friedhelm Loh Gruppe, die im Sommer ein Pilotprojekt dazu gestartet hatte, beantwortete uns bereitwillig Fragen zum Thema. Begleitend zum Artikel finden Sie hier das Interview mit Friedemann Hensgen, Friedhelm Loh und Matthias Hecker.

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Acht Flüchtlinge absolvierten bisher das FLG-Pilotprojekt, zwei haben inzwischen ihre Ausbildung bei Rittal angetreten. Ziel des Projekts war es auch, die Machbarkeit zu belegen und andere Unternehmen zu motivieren.
Acht Flüchtlinge absolvierten bisher das FLG-Pilotprojekt, zwei haben inzwischen ihre Ausbildung bei Rittal angetreten. Ziel des Projekts war es auch, die Machbarkeit zu belegen und andere Unternehmen zu motivieren.
(Bild: Rittal)

Im Sommer hat die Friedhelm Loh Gruppe ein Pilotprojekt zur Qualifizierung von Flüchtlingen angestoßen. Wie lautet Ihr Zwischenfazit nach den letzten Monaten?

Friedemann Hensgen, Vorstandsvorsitzender der Rittal Foundation: „Rittal hat gerade ein gemeinsam mit dem Lahn-Dill-Kreis durchgeführtes Pilotprojekt zur Qualifizierung von Flüchtlingen abgeschlossen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt wurden der Öffentlichkeit am 11.08.2015 vorgestellt. Der Ablauf des Projekts beinhaltete vier Schritte:

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1. Schritt: Der Lahn-Dill-Kreis schlägt 20 Flüchtlinge als Teilnehmer an dem Pilotprojekt vor und führt eine Potentialanalyse durch. Wegen mangelnder Sprachkenntnisse verkleinert sich der Kreis potentieller Teilnehmer auf 14 Personen.

2. Schritt: Aufgrund lückenhafter Qualifikationsprofile wurde ein fünftägiges Einstufungspraktikum vorgeschaltet. Ausbilder und Teilnehmer lernen einander kennen. Im Einstufungspraktikum erproben beide Seiten, ob die Deutsch-Kenntnisse der Teilnehmer ausreichen und die Eignung für einen Beruf in der Industrie besteht. Da die Sprachkenntnisse bei einigen Teilnehmern noch nicht ausreichten und zwei Teilnehmerinnen sich für Pflegeberufe interessierten, reduzierte sich die Zahl der Projektteilnehmer auf acht Personen, die eine gute Schuldausbildung in ihren Heimatländern genossen hatten.

3.Schritt: In einem dreimonatigen Vorbereitungspraktikum in der Ausbildungswerkstatt von Rittal erlernen die acht Teilnehmer Grundfertigkeiten der Metall- und Elektrotechnik, arbeiten in Projekten mit Azubi-Paten zusammen und erwerben wertvolles Wissen über Maschinen, Systeme, Anlagen und Prozesse durch den Schulterblick.

4. Schritt: Allen acht Teilnehmern kann das Erreichen der Ausbildungsreife bescheinigt werden. Zwei Teilnehmer wurden in eine Ausbildung bei Rittal übernommen und ein Teilnehmer konnte Mitte September eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker beginnen. Zwei Teilnehmer wurden in eine InteA-Klasse aufgenommen mit dem Ziel, einen Hauptschulabschluss zu erwerben. Für die restlichen Teilnehmer laufen noch Vermittlungsbemühungen seitens des Kreises und der IHK.

Fazit: Alle Teilnehmer überzeugten durch hohe Einsatzbereitschaft, Fleiß und gute praktische Leistungen. Mit der Ausbildungsreife für 8 Teilnehmer hat das Pilotprojekt den Beweis erbracht, dass aus den Reihen der Flüchtlinge geeignete Bewerber für einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in der Industrie gewonnen werden können. Allerdings ist dies kein Selbstläufer, ein solches Projekt fordert von den Unternehmen wie von den Flüchtlingen viel Einsatz, vor allem bei der Sprachförderung.

Erkenntnisse aus dem Projekt

  • Ein gewisser Prozentsatz der Flüchtlinge bringt die Voraussetzungen für eine Ausbildung mit oder kann diese mit überschaubarem Aufwand erwerben.
  • Zur Herstellung der Ausbildungsreife muss vorab mit einem gewissen Aufwand zur Schließung von Informationslücken und für den Erwerb zusätzlicher Qualifikationen gerechnet werden
  • Daraus entsteht ein zeitlicher Versatz, der im günstigsten Falle bei etwa einem Jahr liegen dürfte.
  • Auch während der Ausbildungsphase ist mit erhöhtem Betreuungsbedarf (zum Beispiel in der Berufsschule) zu rechnen. Besonders in den Übergangsphasen sollte eine Begleitung durch einen Sozialpädagogen gewährleistet sein.“

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