Verzicht auf Schnickschnack

Frugale Produkte – Das Wesentliche im Blick

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Um die Chancen und Risiken für kleine und mittelständische Unternehmen aus dieser Branche zu diskutieren, hat das Fraunhofer-Institut für Prozesstechnik und Automatisierung IPA gemeinsam mit dem VDMA Baden-Württemberg Ende Juni nach Stuttgart zu einem Workshop geladen und ist auf großes Interesse gestoßen. Nicht nur Helmut Gras von der Ei Ma Maschinenbau GmbH reiste an, es kamen mehr als drei Dutzend Firmenvertreter aus dem Maschinen-, Anlagen- und Gerätebau, vom Produktmanager bis zum Personalleiter.

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Die Veranstaltung hat bestätigt, was viele Experten schon lange bemängeln: Deutsche Unternehmen tun sich schwer mit schlichten Lösungen. Frugale Maschinen gelten manchen schlicht als „Spinnerei“. Denn die sprichwörtliche deutsche Wertarbeit steht für High End. Deutsche Ingenieure bauen vor allem hochkomplexe Maschinen, die jeweils für einen bestimmten Kunden angepasst sind. Sie implementieren hier noch einen Sensor, bauen dort noch einen Schalter ein – stets das Konkurrenzprodukt im Blick, um einen Tick besser zu sein. Uwe Schleinkofer, der zuständige IPA-Spezialist, spricht von einer Komplexitätsfalle. „Einfach können wir einfach nicht mehr“, heißt es in Expertenkreisen.

China gewinnt an Bedeutung

Das hat gerade an einem stark exportorientierten Markt wie dem Maschinen- und Anlagenbau fatale Konsequenzen. Denn die Nachfrage steigt weniger bei den High-End-Produkten als am Massenmarkt der schlichten, preisgünstigen Artikel. Hier gewinnt die Konkurrenz aus Fernost, vor allem aber aus China, immer mehr an Bedeutung. „Wir müssen aufpassen, dass Deutschland nicht ins Spitzensegment abgedrängt wird und die Volumensegmente nicht mehr wettbewerbsfähig besetzen kann“, warnt Dr. Dietrich Birk, der Geschäftsführer des VDMA Baden-Württemberg. In Afrika, Südamerika und Indien haben chinesische Unternehmen die deutsche Konkurrenz bereits weit hinter sich gelassen. Der chinesische Marktanteil ist dort fast doppelt so groß wie der deutsche. „Wenn wir das mittlere Marktsegment aufgeben“, so Birk, „laufen wir Gefahr, dass wir auch im oberen Segment bald angegriffen werden.“

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Doch wie gelingt es dem deutschen Mittelstand, am Massenmarkt wieder Fuß zu fassen? Beim Workshop herrschte Konsens, dass in den Unternehmen ein Umdenken nötig sei, sowohl im Management als auch bei allen Mitarbeitern. Dabei gehe es nicht nur darum, das Interesse an schlichten Produkten zu wecken, sondern auch die Bedürfnisse der Märkte genauer zu studieren. „Man muss herausfinden, was der Kunde wirklich braucht, welche Funktionen einer Maschine er nutzt“, sagt IPA-Experte Schleinkofer, „denn nur dafür ist er bereit zu bezahlen.“

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