Verzicht auf Schnickschnack Frugale Produkte – Das Wesentliche im Blick

Autor / Redakteur: Klaus Jacob / Andrea Gillhuber

Viele Geräte, Maschinen und Anlagen bieten ihrem Anwender unzählige Funktionalitäten. Das Problem: Die oft unnötigen Funktionen haben ihren Preis. Frugale Lösungen bieten dem Anwender schlicht das, was er wirklich benötigt. Für Zerspaner könnten sich dort neue Märkte ergeben.

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Bei frugalen Produkten wird auf überflüssige Funktionen verzichtet.
Bei frugalen Produkten wird auf überflüssige Funktionen verzichtet.
(Bild: GraphicCompressor - Fotolia.com)

Ei Ma Maschinenbau stellt mit rund 70 Mitarbeitern hochwertige CNC-Fräs- und -Bearbeitungszentren her, deren Abnehmer vor allem in der Automobil- und Luftfahrtindustrie zu finden sind. Dort herrscht ein sehr hoher Standard. Die Frickenhausener sind bekannt für „deutsche Wertarbeit“, doch ausgerechnet dieser vermeintliche Vorteil wird mehr und mehr zur Last: Die Auftragseingänge für die High-End-Maschinen schwanken erheblich, sodass in den Fertigungshallen immer wieder Leerlauf herrscht. „Uns fehlt eine Brot-und-Buttermaschine“, klagt Helmut Gras.

Der Geschäftsführer denkt an eine relativ schlichte Maschine, die nicht an den jeweiligen Kunden angepasst ist. Der Vorteil: Sie ließe sich auf Vorrat produzieren und könnte somit die Leerzeiten überbrücken. Das würde die Grundauslastung steigern und die Leerkosten senken. Und natürlich könnten damit auch neue Märkte erschlossen werden.

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Heute würde man sagen, der Maschinenbauer sucht nach einem frugalen Produkt. Und er ist damit nicht alleine. Frugale Produkte und frugale Produktion sollen dabei helfen, Tausende Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern und zu schaffen. Der Begriff ist allerdings relativ unbekannt und muss sich in den Chefetagen und Entwicklungsabteilungen erst noch durchsetzen. Der Duden definiert frugal als „einfach, bescheiden“. Ein frugales Produkt verzichtet auf überflüssigen Schnickschnack und ist deshalb sehr kostengünstig. Trotzdem ist es nicht minderwertig oder nur eine abgespeckte High-End-Version, sondern es ist robust und passgenau auf die Bedürfnisse der potenziellen Käufer zugeschnitten, die vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern zu finden sind. Aber auch in entwickelten Märkten gibt es immer mehr Kunden mit einfacheren Ansprüchen.

Steigender Bedarf an frugalen Produkten

Die renommierte Unternehmensberatung Roland Berger sieht ein „riesiges Marktpotenzial“ für frugale Produkte. In einer Studie heißt es, die Mittelschicht werde sich bis zum Jahr 2030 weltweit mehr als verdoppeln. Dabei wachsen Bevölkerung und Wohlstand vor allem in den Schwellenländern, während die Industrienationen eher stagnieren. Die vielen Millionen Menschen, die dann über ein höheres Einkommen verfügen, können sich zwar noch keine Hightechprodukte leisten, wollen aber dennoch an den technischen Errungenschaften teilhaben – sind also potenzielle Abnehmer von frugalen Produkten. Und auch in den Industrienationen könnte der Bedarf an frugalen Artikeln steigen, wenn dem Verbraucher vor allem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wichtig ist.

Bereits jetzt steht in den Regalen eine ganze Reihe frugaler Geräte. Dazu zählt das Mobiltelefon Nokia 1100, das zwar nur über Grundfunktionen verfügt, jedoch mit staubsicherem Gehäuse, rutschfestem Griff und Taschenlampenfunktion zielgenau auf den Markt in Entwicklungsländern zugeschnitten ist. Mit mehr als 250 Mio. verkauften Exemplaren ist es zum Weltbestseller geworden. Ein weiteres Beispiel ist das batteriebetriebene Ultraschallgerät Vscan von General Electric. Nachdem der mobile Arzthelfer im Taschenformat am indischen Markt sehr erfolgreich war, hat er auch den Weg zurück in die Industrieländer gefunden. Aber nicht nur bei Konsumenten- und Medizintechnikartikeln wächst die Nachfrage nach einfachen, robusten Lösungen, sondern auch bei Maschinen und Anlagen.

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