Verzicht auf Schnickschnack

Frugale Produkte – Das Wesentliche im Blick

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Der Textilmaschinenbauer Karl Mayer hat es bereits vorgemacht. Der Familienbetrieb mit mehr als 2500 Mitarbeitern ist Weltmarktführer und engagiert sich seit Jahren mit eigenen Produktionsstätten im Ausland. Bittere Erfahrungen musste er in China machen, wo sein Marktanteil für Maschinen zur Produktion von Spitze von 80 auf 30 % einbrach. „Die Chinesen haben uns alles weggenommen“, erinnert sich Senior-Chef Fritz P. Mayer. Um gegen die Konkurrenz der Billiganbieter bestehen zu können, musste das Unternehmen mit alten Traditionen brechen und schlichtere Geräte herstellen. Mayer: „Bei der ersten frugalen Maschine gab es erhebliche Widerstände im Unternehmen, aber jetzt ist sie eine der profitabelsten.“ Karl Mayer gelang es, das Preis-Leistungs-Verhältnis innerhalb von zehn Jahren um den Faktor zehn zu verbessern. Zudem beobachtete man mit viel Engagement den Markt. Es sei wichtig, sagt Mayer, nah am Kunden zu sein, um dessen Wünsche zu kennen. „Man muss sich immer wieder neu auf die Bedürfnisse einstellen, denn der Markt ändert sich ständig.“

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Auch die Homag Group, die mit knapp 6000 Mitarbeitern Holzverarbeitungsmaschinen und Anlagen für die Möbelindustrie herstellt, hat schon jahrelange Erfahrungen mit frugalen Produkten – wenn auch nicht unter dieser Bezeichnung. Weil das Unternehmen schon früh mit Produktionsstandorten in Schwellenländer gegangen ist, musste es sich den Bedürfnissen der dortigen Kunden anpassen. „Wenn ich im High-Entry- oder Mid-End-Bereich für China entwickle, muss ich die Komplexität von vornherein reduzieren“, sagt Basic-R&D-Direktor Matthias Volm. Homag baut deshalb für diese Märkte mit hochwertigen Komponenten schlichte, robuste Maschinen, die leicht zu bedienen sind. Volm: „Frugal und ‚easy to use‘ darf kein Widerspruch sein.“

Systematisch neue Märkte erschließen

Was der Homag Group und Karl Mayer mit mehreren Jahren Auslandserfahrung schon gelungen ist, müssen andere, vor allem kleinere Betriebe erst noch stemmen. Dabei geht es nicht um die Verlagerung von Produktion ins Ausland, sondern um die Entwicklung und Produktion von frugalen Maschinen, Anlagen und Geräten mit den zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen. Schleinkofer und sein IPA-Team wollen ihnen dabei helfen. Sie haben einen fünfstufigen Einführungsprozess entwickelt, um Unternehmen beim Eintritt in zukünftige Schlüsselmärkte systematisch zu begleiten und gemeinsam mit ihnen frugale Lösungen zu entwickeln. Das Interesse daran ist groß, das hat die Veranstaltung in Stuttgart gezeigt.

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