RWTH Aachen Fünf Paletten Vorrat geben dem Werker ein gutes Gefühl

Redakteur: Peter Steinmüller

Zu hohe Bestände wegen mangelnder Liefertreue verursachen im Maschinen- und Anlagenbau enorme Verluste, ergab eine Studie des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen und der My Open Factory Software GmbH. Über die Ursachen und mögliche Auswege sprachen wir mit Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker, Inhaber des Lehrstuhls für Produktionsmanagement am WZL.

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Herr Prof. Kampker, die Studie der RWTH Aachen kommt zu dem Ergebnis, dass 20% des Umsatzes von Einzel- und Kleinserienherstellern in deren Beständen ruhen. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Kampker: Das hat sich schrittweise aufgebaut. Wenn ständig die Maschine oder Montagelinie optimiert wird, wachsen auch die Bestände, um Pufferzeiten sinnvoll nutzen zu können. Der Werker hat eben ein gutes Gefühl, wenn noch vier oder fünf Paletten an Arbeitsvorrat in der Halle stehen.

Weist dieser hohe Anteil am Umsatz auch auf Mängel in der Betriebsführung hin?

Kampker: Nein. In der Vergangenheit haben sich die Unternehmen auf der Suche nach Produktivitätsreserven stark auf die Technik fokussiert. Erst in den letzten Jahren wurde die Wichtigkeit der Logistik erkannt.

Weil das Outsourcing stark zugenommen hat, ist jeder an der Lieferkette Beteiligte bemüht, sich Puffer und damit Bestände aufzubauen. Erst in der Krise drängt ins Bewusstsein, wie viel Kapital damit gebunden wird.

Mit einem intelligenten Beschaffungsmanagement können Unternehmen laut Ihrer Studie im Schnitt 5,4% ihrer Kosten einsparen. Wie kann das funktionieren?

Kampker: Zum einen durch ein aktives Lieferantenmanagement. Das fördert eine engere Zusammenarbeit zwischen Einkäufer und Lieferant und ermöglicht, Lieferengpässe zu verhindern.Zum anderen spart die Umstellung der gesamten Auftragsabwicklung auf EDI (Electronic Data Interchange) enorme Kosten ein.

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