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B Medical Systems / RAS

Gefrierschränke für Impfstoff und Blutkonserven

| Autor/ Redakteur: Willy Stahl / Stefan Graf

Das Luxemburger Unternehmen B Medical Systems setzt ganz auf Automatisierung. Ein Baustein in diesem Gesamtkonzept ist das Biegezentrum RAS Multibend-Center. Es ist angebunden an ein automatisches Regalsystem, über das die gelaserten Bleche zu der automatischen Biegezelle gelangen.

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Der intelligente Entladeroboter stapelt fertige Biegeteile liegend oder stehend auf Paletten ab.
Der intelligente Entladeroboter stapelt fertige Biegeteile liegend oder stehend auf Paletten ab.
(Bild: RAS)

B Medical Systems hat sich der Idee verschrieben, Leben auf der Welt durch innovative Technologien zu retten. Als weltweit führender Anbieter im Sektor der Medizintechnik ist das Luxemburger Unternehmen spezialisiert auf Kühl- und Gefriergeräte für die professionelle Lagerung von Blutbestandteilen und Blutplasma, menschlichen Zellen, Geweben und anderen Laborproben bei extrem niedrigen Temperaturen. Die in Kliniken, Blutbanken oder Apotheken verwendeten Gefrierschränke, lassen sich in kürzester Zeit auf bis zu minus 86 Grad Celsius herunter kühlen.

Mit der Automatisierung strebte das Managementteam eine höhere Produktivität und effizientere Arbeitsabläufe an. Das Biegezentrum RAS Multibend-Center ist an einem Hochregallager angebunden. Über eine Jobliste fordert es die Zuschnitte für den nächsten Fertigungsauftrag an, die das Lager-Bediengerät nach kurzer Zeit am Regalausgang bereitstellt. Auf einer Regalpalette können dabei gleich mehrere Stapel unterschiedlicher Platinen liegen. Da es sich immer um farbbeschichtete Bleche oder Edelstahlzuschnitte handelt, müssen alle Platinen vor dem Biegen gewendet werden. Dabei kann es sich um Platinen von bis zu zweieinhalb Meter Länge bei 0,7 bis 1,5 mm Blechdicke handeln.

Diese Aufgabe erledigt ein Beladeroboter vor dem Biegezentrum automatisch. Da der Roboter über die Software des Biegezentums gesteuert wird, ist ein Programmieren oder Teachen der Roboterbewegungen nicht erforderlich. Schließlich weiß die Biegezelle ja, welche Platinengröße angefordert ist und welche Kollisionspunkte im Beladebereich existieren. Nach dem Programmstart greift sich der Saugrahmen des Roboters die oberste Platine eines Stapels. Zunächst stellt er sicher, dass kein Doppelblech angesaugt wurde, ehe er das Blech wendet und dem Zangeneinzug am Biegezentrum übergibt.

Wechsel der Teile in vier Sekunden

Die Greifer ziehen den Zuschnitt auf den Vermesstisch. Dort misst ein Laser drei festgelegte Punkte der Platine und berechnet daraus die exakte Beladeposition. Auf dem weiteren Weg der Platine zur Biegelinie wird der Versatz zur idealen Position automatisch korrigiert wird. Das Vermessen findet hauptzeitparallel zum Biegen statt. Armin Dockendorf, Abteilungsleiter Produktionstechnik, merkt an: Der schnelle Wechsel von einem Teil eines Fertigungsloses zum nächsten dauert dadurch nur vier Sekunden und das macht sich in einem hochproduktiven Ausstoß an Biegeteilen positiv bemerkbar."

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Die Vielfalt unterschiedlicher Produkte fordert von der Teilefertigung speziell in den Anlaufphasen neuer Schrankgenerationen ein sehr flexibles Reagieren auf Designoptimierungen. Die Step-Dateien neu gestalteter Produkte werden in der Arbeitsvorbereitung in die Bendex-Programmiersoftware geladen. Nach einem weiteren Mausklick zeigt die Software alle möglichen Biegeabläufe an und schlägt mit einer 5-Sterne Bewertung die beste Biegefolge vor. Möchte sich der Programmierer den späteren Ablauf bereits im Büro ansehen, zeigt ihm eine 3D-Simulation, wie der Artikel später auf der Maschine gebogen wird. Das automatisch erzeugte Programm stellt die Arbeitsvorbereitung in einem Netzlaufwerk für die Jobliste der PC-Maschinensteuerung bereit.

Auch komplexe Biegegeometrien einfach bearbeiten

Produktionsleiter Dirk Hermann erzählt: "Früher haben wir uns eher auf einfache Biegegeometrien beschränkt. Auf den Pressen ist das Hochführen oder Wenden von bis zu zweieinhalb Meter langen Platinen recht beschwerlich." Das hat sich nicht nur in oft doppelt so langen Handlingszeiten, sondern auch in einer höheren Ausschussquote wiedergespiegelt. Heute ist es dem Produktionsteam nahezu egal, ob es von der Produktentwicklung einfache oder komplexe Biegeteile erhält. Mit dem Multibend-Center ist die Prozeßsicherheit und Wiederholgenauigkeit sichergestellt. Auch Radien an den Verkleidungsblechen der Kühlschränke bereiten kein Kopfzerbrechen mehr. "Der automatische Werkzeugwechsler macht die Maschine nicht nur in Sekundenschnelle für den nächsten Auftrag einsatzbereit, sondern erlaubt auch einen oder mehrere Werkzeugwechsel zwischen den Biegesequenzen", hebt Maschinenbediener Laity Fall Abdoulaye hervor.

Nachdem das Biegezentrum alle positiven und negativen Biegungen am Teil fertiggestellt hat wird es über einen Rollgang aus der Biegezelle gefördert. Am Ende des Rollgangs wartet ein weiterer Roboter. Auch er ist gesteuert von der Software des Biegezentrums. Ein Programmieren oder Teachen ist somit auch beim automatischen Entladen der Biegeteile nicht erforderlich. Der Bediener gibt lediglich an, wie die Biegeteile gestapelt werden sollen. Dabei reichen die Möglichkeiten von einem Ablegen der Teile direkt aufeinander, mit seitlichem Versatz, verdreht zueinander, gewendet, liegend, stehend und vielen anderen Varianten.

Ein Palettenbahnhof fördert leere Paletten an die Stelle, an der der Entladeroboter die gebogenen Teile auf der Palette stapelt. Horizontal gestapelte Komponenten legt der Saugrahmen des Roboters einfach auf der Palette ab. Sollen lange Seitenwände oder Türen vertikal gestapelt werden, wird zusätzlich eine Rückwand an der Palette benötigt. Ist keine Rückwand vorhanden, steckt der Entladeroboter zunächst Rückwand in die Scharniere der Palette. Danach holt er sich das Biegeteil und stapelt es vertikal ab. Ist eine Palette gefüllt bewegt gelangt sie zum Ausgang, wo sie von einem Stapler übernommen und zur Montage gebracht wird.

"Die Genauigkeit und Wiederholtreue der Biegeteile haben in der Montage erhebliche Potentiale freigesetzt", sagt Montageleiter Sascha Theisen. Für die Ultra-Gefrierschänke sind dicht schließende Türen und genau gebogene Teile für Funktion und Optik, aber auch für kurze Zeiten beim Nieten und in der Montage ausschlaggebend. Dockendorf fasst zusammen: "Der übersichtliche Aufbau des RAS Biegezentrums und die hohe Automatisierung gepaart mit selbst erklärender Software machen das Bedienen des RAS Biegezentrums sehr schnell erlernbar".

RAS auf der Blechexpo: Halle 1, Stand 1604

Weitere Meldungen zur Blechexpo finden Sie in unserem Special.

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