Proart Prototypes/Richard Mille

Hier ticken die Uhren anders

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CNC mit der High-Speed-Option Sinumerik MDynamics mit Advanced Surface ausgestattet

Typische von Proart gefertigte Werkstücke gehören meist entweder zum Uhrengehäuse oder sind Elemente der markenspezifischen Uhrwerke. Etwa 18 Minuten dauert es, bis beispielsweise die Lünette aus Titan, die als Zierring auf dem Gehäusekorpus das Uhrenglas fasst, fertig aus der Maxxturn 65 kommt. Auf ihrer Außenseite sind Zapfen zu fräsen; zudem gibt es mehrere Innengewinde mit einem Durchmesser von 0,8 mm, für die der Bearbeitungsmodus Wirbelfräsen zum Einsatz kommt. Die Gewinde werden noch an der Maschine vom Bediener nachgemessen beziehungsweise kontrolliert.

Die Größe des Bearbeitungsprogramms für ein Uhrengehäuse, das mit einem 0,5-mm-Fräser bearbeitet wird, mit Splines von nur 0,002 mm und weiteren komplexen Details, beträgt etwa 2 GByte. Um auch bei sehr aufwendigen Teilen nicht an die Grenzen zu stoßen, wurde der Speicher der Steuerung erweitert. Kurze Satzverarbeitungszeiten ermöglichen ein spürbar schnelleres Arbeiten. Für eine hohe Leistungsfähigkeit ist die CNC zudem mit der High-Speed-Option Sinumerik MDynamics mit Advanced Surface ausgestattet. Zwar ist die Fertigung bei Proart nur einschichtig besetzt; da die Maschine aber für die Zuladung mit einem Stangenlader und für den Abtransport der Teile mit einem Förderband ausgestattet ist, kann bei Bedarf die Fertigung rund um die Uhr auch in der Geisterschicht laufen.

Höhe des Materialpreises ist ein relativer Wert

Während in der Produktion für die Automobilindustrie oder die Medizintechnik Titan oder hochlegierte Stähle schon als teure Materialien gelten, lockt das Thema Materialpreis bei Alain Varrin nur ein leichtes Lächeln hervor: «Selbst bei Uhren aus massivem Gold ist der erzielte Verkaufspreis mehr von den geringen Stückzahlen, der hohen Qualität und der jeweiligen Marke abhängig als vom eingesetzten Material.» Speziell das hochpreisige Segment des Uhrenmarktes gehorcht ganz eigenen Regeln, die nicht mit anderen Industrien zu vergleichen sind – diese Uhren ticken in jeder Hinsicht anders.

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Das illustrieren unter anderem. die «RM 27-01 Tourbillon Rafael Nadal» mit einem Carbon-Nanotube-Gehäuse, deren Handaufzugskaliber von Drahtseilen gehalten ist, sodass sie 5000 g (die 5000-fache Erdbeschleunigung) aushält, oder die aus solidem Saphir gefertigte «RM 56-01 Tourbillon Sapphire», die komplett transparent ist und einen Blick auf das Uhrwerk gestattet. Wer sich ein solches Stück leisten will, muss nicht nur vergleichsweise vermögend sein, sondern auch etwas Geduld mitbringen, denn die Maschinenbearbeitungszeit dieser Uhren kann zuweilen mehr als drei Monate betragen.

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