Personalführung Hohe Treueprämien senken Personalkosten

Redakteur: Peter Steinmüller

Hohe Treueprämien für langjährige Mitarbeiter in deutschen Unternehmen sind eine beträchtliche Beschäftigungshürde für ältere Arbeitsuchende. Paradoxerweise würde die Abschaffung dieser Prämien aber die Arbeitskosten der Betriebe erhöhen und damit kontraproduktiv wirken. Das zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

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Repräsentative Untersuchungen des ZEW belegen, dass in Betrieben, die pro Jahr einen Treuezuschlag von 3% zahlen, der Anteil der neu eingestellten Älteren an den insgesamt neu Eingestellten um rund 10% niedriger liegt als für einen durchschnittlichen Betrieb mit nur 2% Treuaufschlag. Hinzu kommt, dass deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich hohe Treueprämien für ihre Mitarbeiter bezahlen und ältere Beschäftigte hierzulande größere Schwierigkeiten haben, wieder in den Arbeitsmarkt zurückzukehren als in fast allen anderen entwickelten Volkswirtschaften.

Aufgrund dieser Befunde zu fordern, die so genannte Senioritätsentlohnung abzuschaffen, wie dies unlängst der EU-Kommissar Vladimir Spidla, getan hat, ist allerdings problematisch. „Denn was zunächst durchaus plausibel klingt, um ältere Arbeitslose wieder stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren, kann zu Arbeitsplatzverlusten für die Beschäftigten insgesamt führen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Zwick,Forschungsprofessor im Forschungsbereich „Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung“ des ZEW.

Treueprämien halten das Know-how im Betrieb

Zwick, weist darauf hin, dass eine Aufgabe des Senioritätsprinzips die Unternehmen dazu zwingen könnte, andere und möglicherweise sogar teurere Anreizsysteme zu schaffen. Denn bislang werden die Treueprämien, die eine automatische Steigerung des Lohns mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit vorsehen, freiwillig von den Unternehmen gezahlt, da sie eine effiziente Methode sind, um langjährige Mitarbeiter mit wertvollem Know-How an den Betrieb zu binden und zu motivieren.

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