Preispolitik

In der Krise kleinere Brötchen backen

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Sie sprechen auch von mangelnder Courage in Preisverhandlungen.

Simon: Der Anbieter darf eben im entscheidenden Moment nicht einknicken, sondern muss stattdessen sagen: „Unsere Produkte sind so viel wert, und das will ich auch haben.“ Ich sage immer, wenn man nicht ab und zu einen Kunden verliert, ist man zu billig.

Sie warnen vor dem um sich greifenden Protektionismus. Wie groß sind die Gefahren für die exportorientierten deutschen Unternehmen?

Simon: Zunächst einmal müssen unsere Regierung und die Wirtschaftsverbände aktiv gegen jede protektionistische Maßnahme vorgehen. Falls aber neue Handelsbarrieren entstehen, müssen die Unternehmen noch mehr Wertschöpfung in die Länder verlagern. Das hat in Brasilien sehr gut funktioniert. Dort sind deutsche Firmen jetzt so stark präsent, weil sie wegen der über Jahrzehnte sehr hohen Zölle einen Großteil der Produktion dorthin verlegt hatten. Ähnliches kann jetzt auch in China und Russland funktionieren. Dabei haben unsere Unternehmen eine gute Ausgangsstellung, weil sie jetzt schon eine vergleichsweise große Wertschöpfungstiefe vor Ort erzeugen. Diese Internationalisierung der Produktion muss aber weitergehen.

Sie sind auch Autor des Management-Klassikers „Hidden Champions“. Ihre Liste eher unbekannter Weltmarktführer umfasst rund 1200 Namen aus Deutschland. Wie viele dieser Betriebe werden die Krise überleben?

Simon: Ich schätze den Anteil auf deutlich mehr als 80%. Die meisten dieser Firmen sind mit einer durchschnittlichen Eigenkapital-Quote von 42% solide finanziert. Zudem hilft ihnen die Unverzichtbarkeit ihrer Produkte. Die Firma Baader in Lübeck hat beispielsweise einen Weltmarktanteil von 80% bei Fischfilettieranlagen. Würde sie ihren Geschäftsbetrieb einstellen, gäbe es morgen keinen Fisch mehr zu essen.

Das bietet zwar kurzfristig keinen Schutz, aber langfristig sind deutsche Maschinen in vielen Branchen unverzichtbar. Nach meinem Eindruck erwarten Unternehmer und Manager in den nächsten fünf Jahren keine Rückkehr auf das Niveau der vergangenen beiden Jahre. Wenn 200 oder 250 Hidden Champions vom Markt verschwinden oder aufgekauft werden, zeigt das nur, dass auch sie nicht gegen die Krise immun sind.

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