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Wer kann wo und wie mit wem kommunizieren. Es wäre ja schön, wenn ein Gabelstapler beim innerbetrieblichen Transport der Verpackungseinheiten den Auftrag erkennt, die Einheit wiegt, das Gewicht ins ERP-System meldet, welches dann das Gewicht direkt auf den Lieferschein druckt, und das ERP-System nach der Auslieferung direkt die Rechnung an den Kunden mailt. Hört sich eigentlich einfach an, ist aber wegen oft fehlender sichererer Infrastruktur in den vorhandenen Datennetzen und deren Schnittstellenkonfigurationen durchaus kompliziert. Den Stapler mit der Wiegeeinheit hat Osma schon, die Anbindung noch nicht. Sichere Datennetze im Sinne von sicher gegen Hacker und sicherer in der Verfügbarkeit sind zwingende Voraussetzungen für Industrie-4.0-Anwendungen. Auch wenn es noch dauert, Investitionen müssen schon heute auf die Industrie-4.0-Fähigkeit geprüft werden.
Normale Vernetzung ist noch nicht Industrie 4.0
„Man muss aufpassen, dass man eine normale Vernetzung zum Beispiel zwischen einer externen Programmierung und die Anbindung verschiedener Werkzeugmaschinen über Postprozessoren nicht mit Industrie 4.0 verwechselt, das gibt es schon seit Jahren“, erläutert Meyknecht weiter. Wenn allerdings das zu fertigende Teil zur Maschine sagt, dass es mit dem und dem Programm bis zu dem Termin bearbeitet werden will, und sich nach der Bearbeitung und der Qualitätsbeurteilung durch den Mitarbeiter im ERP-System meldet, dass es fertig ist und an einem genau definierten Platz liegt, dann kann man schon ein wenig von Industrie 4.0 sprechen.
„Industrie 4.0 bedeutet massive Veränderung“, sagt der Osma-Produktionsleiter. Und damit kommt er zur entscheidenden Frage: „Ist das Unternehmen für die Veränderungen durch Industrie 4.0 überhaupt bereit?“ Diese Veränderungen, die sich nicht wie bisher bei Industrie 3.0 im Wesentlichen in den Produktionsbereichen abgespielt haben und heute das gesamte Unternehmen betreffen, müssen von ganz oben gewollt werden, sonst ist das nach den Erfahrungen von Meyknecht nicht zielführend. Und auch die Mitarbeiter darf man keinesfalls vergessen. „Das wird sich nie ändern: Der Mensch muss weiterhin im Mittelpunkt stehen und mitgenommen werden“, sagt der Osma-Produktionsleiter. Gerade für die immer komplexeren Systeme von Industrie 4.0 seien gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte nötig.
Für Industrie 4.0 brauchen Mittelständler externe Partner
Einen besonderen Tipp hat Meyknecht zudem für typische kleine Mittelständler, die nicht die Ressourcen für eine eigene Projektabteilung haben: „Sie müssen sich für die Umsetzung von Industrie 4.0 Partner suchen, die ihr Projekt verstehen. Für den Bereich der Blechbearbeitung haben wir mit LVD als Lieferanten der Werkzeugmaschinen einen solchen Partner gefunden, für andere Bereiche sind es andere Anbieter.“ Ohne die aktive Unterstützung von Partnern seien einige mittelständische Unternehmen mit einem so komplexen Vorhaben wie Industrie 4.0 schnell überfordert.
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