Das World Wide Web wird 30

Informationen finden – über das Internet

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Die Anfänge finden sich im Kalten Krieg

Doch Voraussetzung für ein demokratisches Datennetz, wie wir es heute vorfinden, ist zunächst das Internet. Dieses entsteht im kalten Krieg und ist lange Zeit ein Netz für militärische Zwecke. Nachdem die Sowjets 1957 mit dem Sputnik den ersten Satelliten ins All schießen, sitzt der Schock in den USA so tief, dass eine Forschungsbehörde namens Arpa (Advanced Research Projects Agency) her muss, in der alle zivilen Forschungskräfte effizient gebündelt werden sollen. Computer gibt es bereits, doch arbeiten diese autark und ineffizient. Vor allem der Psychologie-Professor J. C. R. Licklider trägt mit seinem Wirken zur effizienten Nutzung und Vernetzung von Computern bei. 1969 entsteht somit schließlich in den USA das Arpanet – der Vorläufer des Internets. Am 29. 10. 1969 gelingt Leonard Kleinrock in seinem Institut an der Universität von Los Angeles die erste Übermittlung einer Nachricht nach außen – „LOGIN“. Die ersten fünf Universitäten sind miteinander vernetzt. 1971 folgt mit Ray Tomlinsons E-Mail die erste brauchbare Anwendung im Apranet. Sie ist bis heute neben dem WWW die erfolgreichste Internetanwendung. Wird anfangs die Verbindung von zwei Rechnern noch mit einer Telefonleitung gewährleistet, folgt 1974 eine weitere wichtige Erfindung, die uns heute ein leichtes und schnelles Übertragen von Daten möglich macht – das Internetprotokoll TCP/IP. Die Idee von Vinton Cerf und Robert E. Kahn dabei: Computer brauchen keine permanente Leitung, um zu kommunizieren. Wie Autos im Straßenverkehr können auch sie sich im Internet bewegen, Daten austauschen und mehrere Strecken zugleich nutzen. Noch schneller geht dies, wenn die Daten in kleine Pakete aufgeteilt werden und auf verschiedenen Routen unterwegs sind, bis sie am Ziel zu einem Paket zusammengefügt werden. Ende der 70er-Jahre entstehen weitere Netze über Seekabel und Satelliten, die sich mit dem Arpanet zusammenschließen. In den 80er-Jahren ist dieses internationale Netz dann schließlich das Internet. Auf ihm baut die Idee des World Wide Web von Tim Berners-Lee auf.

Zu Weihnachten 1990 gibt es die erste Website

Im September 1990 erhält der Brite von seinem Chef schließlich den gewünschten Computer und die Erlaubnis eine Software zu programmieren. In drei Monaten ist er fertig und beschenkt Weihnachten 1990 die Menschheit mit der ersten Webseite. Doch mit ihrer Idee stehen Tim Berners-Lee und sein Kollege Robert Cailliau anfangs ziemlich alleine da. 1991 werden sie für die Hypertext-Konferenz in San Antonio abgewiesen, denn niemand versteht sie. Einfache Hypertexte und ein systemisches Medium schweben ihnen vor, und jeder soll das Netz nutzen und mitmachen dürfen. Das verstehen die Informatiker in San Antonio 1991 nicht. Und doch entwickelt sich die Idee, und 1993 gibt es mit dem Mosaic- und 1994 mit dem Netscape Browser Anwendungen, die das WWW in die Privathaushalte bringen. Ende 2003 spricht man bereits vom Web 2.0. Der Begriff Web 2.0 wird erstmals im Dezember 2003 in der US-Ausgabe des CIO-Magazins von Erich Knorr erwähnt. Dieser Begriff bezieht sich neben spezifischen Technologien und Innovationen wie Cloud Computing vor allem auf ein verändertes Nutzen und Wahrnehmen des WWW. Die Benutzer erstellen, bearbeiten und verteilen Inhalte quantitativ und qualitativ unterstützt von interaktiven Anwendungen selbst.

Noch etwas ist Tim Berners-Lee zu verdanken. Und das ist neben der technischen Umsetzung die kommerzielle Verbreitung. Er und Robert Cailliau überzeugen das Cern in Genf, 1993 auf seine Urheberrechte am WWW zu verzichten, denn nicht zuletzt aus Mangel an finanziellen Mitteln kann es dort nicht weiterentwickelt werden. Ein Jahr später verlässt Berners-Lee Genf und gründet mit W3C ein Standardisierungsgremium für das World Wide Web. Neben Spezifikationen und Richtlinien wacht diese Instanz über frei zugängliche und offene Standards, sodass die Menschen das Netz frei nutzen können.

Der WWW-Entwickler wird in England in den Ritterstand erhoben

Für seine Leistungen erhält der Brite viele Auszeichnungen. Unter anderem wird er 2004 von der Queen zum Sir ernannt und damit in den Ritterstand erhoben. 2010 wird das World Wide Web für den Friedensnobelpreis 2010 vorgeschlagen. Weil jedoch nur Institutionen mit persönlichen Repräsentanten ausgezeichnet werden können, werden Tim Berners-Lee und zwei weiteren Pioniere vorgeschlagen. Verdient hat er es. Vielleicht passiert es noch.

* Alexander Völkert ist Fachjournalist für Automatisierungstechnik in 12049 Berlin

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