Exportmarkt Iran

Iranischer Werkzeugmaschinenmarkt startet sein Comeback

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Ein besonderes Augenmerk legen die Organisatoren der AMB Iran auf die Besucher aus der Automobilindustrie, die bei der Ausgabe 2016 einen Anteil von 33 % hatten. Weitere 14 % der Fachbesucher waren nach Angaben des Messeveranstalters in der Zulieferindustrie tätig. Die Automobilindustrie ist im Iran der zweitwichtigste Wirtschaftszweig nach der Öl- und Gasbranche mit einem Anteil von etwa 10 % am BIP und beschäftigt etwa 750.000 Mitarbeiter.

Erwarteter Autoboom im Iran soll auch Werkzeugmaschinengeschäft ankurbeln

Hinter dem Fokus der AMB Iran steckt die Erwartung, dass die Zahl der Neuzulassungen von Automobilen dort stark zunehmen wird, wie es bei der Stuttgarter Messegesellschaft heißt. Aktuell stammen 90 % der im Land verkauften Fahrzeuge aus lokaler Fertigung. Die Produktionskapazität der iranischen Hersteller beträgt aktuell 2 Mio. Fahrzeuge (Daten des Jahres 2014/15, das iranische Jahr geht vom 21. bis zum 20. März), jedoch ist die tatsächliche Auslastung nur 55,5 % (1,11 Mio. Fahrzeuge). Damit liegt das Land nach Angaben des Automobilhersteller-Weltverbands OICA (Organisation Internationale des Constructeurs d'Automobiles) global auf Platz 20 und ist im Nahen und Mittleren Osten der führende Produktionsstandort. Hinzu kommt nach Angaben der Messe eine sehr entwickelte Kfz-Teile-Industrie, dennoch besteht weiterhin ein sehr hoher Importbedarf. Rund 15.000 Produktionsstätten sind im Iran zu finden. Allerdings werden immer noch 60 % der Komponenten für die Automobilindustrie importiert. Der Löwenanteil bei den Einfuhren von Kfz-Teilen mit einem Gesamtvolumen von 900 Mio. US-Dollar entfiel 2015 auf China (49 %), gefolgt von Korea (26 %) und der Türkei (8 %).

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Für die kommenden Jahre gehen verschiedene Studien laut Landesmesse Stuttgart von einem Wachstum der Pkw-Zulassungen bis 16 % pro Jahr aus. Im Jahr 2020 sollen dann zwischen 1,4 und 1,8 Mio. Pkw im Iran verkauft werden, im Jahr 2015 waren es noch 800.000.

Damit rückt das 80-Millionen-Einwohner-Land auch in den Fokus der westlichen Autohersteller. Insbesondere die französische PSA-Gruppe setzt mit ihren Marken Peugeot, Citroën und DS auf diesen Markt. So hat Peugeot mit dem Staatsunternehmen Iran Khodro ein Gemeinschaftsunternehmen namens Ikap gegründet, an dem beiden Partner zu 50 % beteiligt sind. Das Unternehmen soll in den kommenden vier Jahren bis zu 400 Mio. Euro in Produktionskapazitäten sowie Forschung und Entwicklung investieren, wie PSA mitteilt. In Teheran sollen ab dem zweiten Halbjahr 2017 die Peugeot-Modelle 208, 2008 und 301 vom Band rollen, die Produktionskapazität soll bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr erreichen. Davon soll auch die iranische Zulieferindustrie etwas haben. „Unsere lokalen Teileproduzenten profitieren vom Deal zwischen Iran Khodro und Peugeot, wenn der Lokalisierungsgrad von 40 % im ersten Jahr auf 70 % im vierten Jahr steigt“, sagte Hashem Yekehzare, CEO des Staatsunternehmens. Allerdings müssten die iranischen Zulieferer ihre Produktionstechnik verbessern.

Peugeot-Konzern treibt Iran-Engagement mit mehreren Marken voran

Als zweite Marke der PSA-Gruppe hat Citroën seine Beziehungen mit dem Hersteller Saipa verstärkt. Das Unternehmen, 1966 als Société Anonyme Iranienne de Production Automobile Citroën gegründet (heute ohne Citroën im Namen), fertigt und verkauft Fahrzeuge von Renault, Citroën, Nissan und Kia in Lizenz neben seinen eigenen Fahrzeugen. Im Juli vergangenen Jahres unterzeichneten Saipa und PSA einen Rahmenvertrag zur Gründung eines 50/50-Gemeinschaftsunternehmens. Das Joint-Venture soll über 300 Mio. Euro bis 2021 investieren und ab dem Jahr 2018 in Kashan Fahrzeuge herstellen. Die Kapazität kann nach Auskunft von PSA bis zu 150.000 Fahrzeuge im Jahr erreichen, je nach dem Markterfolg der Produkte.

Der Konkurrent Renault ist ebenfalls aktiv. Dazu haben Carlos Ghosn, CEO des französischen Autoherstellers, und Mohammad Reza Nematzadeh, der iranische Minister für Industrie, Bergbau und Handel, ein Rahmenabkommen unterzeichnet. Es sieht vor, dass Renault zusammen mit dem Fonds für Investitionen und Erneuerung der Industrie (Idro) des Landes ein Gemeinschaftsunternehmen gründet – allerdings übernimmt Renault daran die Mehrheit. Zum einen soll hier ein Engineering- und Beschaffungszentrum eingerichtet werden, zum anderen soll das Joins-Venture eine Automobilfabrik mit einer Produktionskapazität von 150.000 Fahrzeugen pro Jahr errichten. Ab dem Jahr 2018 sollen dort Autos vom Band rollen, zunächst die Modelle Symbol und Duster. Die Renault-Gruppe ist bereits seit 2003 über Gemeinschaftsunternehmen mit Saipa und Iran Khodro im Land vertreten, die zusammen bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr herstellen können. Im Jahr 2015 konnte die Gruppe laut eigener Mitteilung ihre Verkaufszahlen um 56,1 % im Vergleich zu 2014 auf 51.500 Einheiten steigern, was einem Marktanteil von 4,8 % im Iran entspricht.

Daimler Trucks hat Joint-Venture zur Produktion im Iran vereinbart

Laut einem Bericht der iranischen Publikation Financial Tribune zeigten auch Audi und Škoda ein grundsätzliches Interesse am Markt, ohne sich jedoch zu konkreteren Plänen zu äußern.

Bei den Nutzfahrzeugen hat Daimler Trucks nach eigenen Angaben die Weichen für eine Rückkehr auf den iranischen Markt gestellt und dazu Abkommen mit den Kooperationspartnern Iran Khodro Diesel (IKD) und der Mammut Group unterzeichnet. Die IKD ist eine Tochtergesellschaft der Iran Khodro Industrial Group, des größten Fahrzeugherstellers in der Region. Felder einer Zusammenarbeit sind laut Daimler ein Joint-Venture für die lokale Produktion von Mercedes-Benz-Lkw und Antriebskomponenten sowie die Gründung einer Vertriebsgesellschaft dafür. Geplant sei darüber hinaus, dass Daimler wieder als Anteilseigner an dem früheren Motoren-Joint Venture Iranian Diesel Engine Manufacturing Co. (Idem) auftritt.

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