Exportmärkte Jungheinrich setzt auf den russischen Markt

Autor Stéphane Itasse

Trotz Sanktionen und der Schwäche der Wirtschaft setzt der Lager- und Fördertechnikhersteller Jungheinrich AG weiter auf den russischen Markt. Erst jüngst hat das Unternehmen sein Engagement unterstrichen und ein neues Regionallager in Betrieb genommen.

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Trotz der riesigen Fläche Russlands zeigt Jungheinrich Präsenz auf dem gesamten Markt.
Trotz der riesigen Fläche Russlands zeigt Jungheinrich Präsenz auf dem gesamten Markt.
(Bild: Jungheinrich)

Das Ersatzteillager in Kuzajewo bei Moskau liegt für Jungheinrich an einem strategisch wichtigen Standort, um die Kunden nicht nur in Russland, sondern künftig auch in den Anrainerstaaten besser versorgen zu können, wie Stefan Brehm, Vice President After Sales, die Entscheidung erläutert: „Zudem stärkt das Regionallager unser weltweites Netzwerk, da sich dadurch unsere Ersatzteillogistik zukünftig noch effizienter gestalten lässt. Mit unseren weltweiten Ersatzteillagern erreichen wir eine Verfügbarkeit von über 98 %.“

Die Messlatte liegt auch beim neuen Standort hoch: Jungheinrich möchte seinen Kunden eine Verfügbarkeit ab Regionallager von 95 % garantieren. Mit den Ersatzteilen im Land kann der Lager- und Fördertechnikanbieter zudem Verzögerungen beim russischen Zoll vermeiden, so Unternehmenssprecher Jan Kaulfuhs-Berger auf Anfrage von MM MaschinenMarkt.

Eigenes Lager erspart Zollprobleme

„Unsere Ersatzteile sollen in kürzester Zeit jeden Einsatzort erreichen – also zu jeder Zeit an jedem Ort sein“, sagt Brehm weiter. Nach Angaben von Kaulfuhs-Berger ist die Verfügbarkeit der Geräte ein wichtiges Verkaufsargument für Jungheinrich.

Aus diesem Grund hat das Unternehmen seit seinem Markteintritt im Jahr 2003 ein großes Netzwerk in Russland aufgebaut: Neben der Zentrale in Moskau gibt es noch Niederlassungen in St. Petersburg, Jekaterinburg, Nowosibirsk, Nischni Nowgorod und Krasnodar. Hinzu kommen noch sechs Mietstützpunkte und 54 Servicestützpunkte zwischen Kaliningrad im Westen und Wladiwostok im Osten. Rund 200 Kundendiensttechniker sind derzeit landesweit unterwegs, insgesamt beschäftigen die Hamburger in Russland 425 Mitarbeiter – und sind dort Marktführer. Nach Auskunft des Unternehmenssprechers ist Russland auch der größte Markt in Osteuropa, allerdings immer sehr volatil.

Was sich seit 2003 allerdings gewandelt hat, ist die Kundenbasis. Anfangs versorgte Jungheinrich in Russland vor allem die lokalen Tochtergesellschaften internationaler Unternehmen. „Für uns ist es sinnvoll, erst in einen Markt zu gehen, wenn solche Kunden schon vor Ort sind“, erläutert Kaulfuhs-Berger. „Inzwischen gehören zu unserem Kundenstamm auch viele russische Unternehmen. Besonders im Retailer-Segment, das stetig wächst, haben wir viele heimische Kunden gewinnen können“, berichtet Luuk Snijders, Geschäftsführer der russischen Jungheinrich-Tochtergesellschaft.

Rekordorder trotz Wirtschaftsschwäche

Und trotz der aktuellen Wirtschaftsschwäche in Russland gelingen immer noch gute Geschäfte: So hat Jungheinrich Ende 2015 die Ausschreibung für ein Erweiterungsprojekt bei Ikea Russland gewonnen. Bei dem Auftrag handelt es sich laut Unternehmen sogar um das größte Einzelprojekt in der Jungheinrich-Geschichte: Derzeit entsteht in der knapp 50 km nordwestlich von Moskau gelegenen Ortschaft Esipovo ein neues Distributionszentrum. Jungheinrich wurde als Generalunternehmer für alle intralogistischen Aufgaben und als Systemintegrator an Bord geholt. Das System des Hamburger Herstellers besteht laut eigener Mitteilung aus einem 15-gassigen Paletten-Hochregallager in Silobauweise mit insgesamt 210.000 Palettenplätzen. Das 200 m lange und 130 m breite Distributionszentrum von Ikea ist 45 m hoch und wird nach Fertigstellung Ende 2017 fördertechnisch an die bestehende Produktion der Tochtergesellschaft Ikea Industry angebunden.

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