Just-in-Time-Montage Kanban-Einführung erhöht Flexibilität und reduziert Lagerbestände

Autor / Redakteur: Andreas Gillessen und Volker Göddertz / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Bei der Einführung der Just-in-Time-(JIT-)Montage von Werkzeugarmen zum Werkstückwechsel in CNC-Fertigungszentren sowie für die Beschaffung und Produktion der dafür benötigten Baugruppen und Komponenten wurde ein Kanban-System unter SAP eingeführt. Bei der Umsetzung ohne Anpassungsprogrammierung galt es, verkürzte Durchlaufzeiten, reduzierte Lagerbestände und hohe Lieferbereitschaft optimal zu justieren.

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Die Firma Chiron produziert vertikale CNC-Fertigungszentren, die in Serienproduktion hergestellt, durch ein Baukastensystem aber auch an individuelle Aufgaben angepasst werden können. Zur Produktpalette gehören Fünf-Achs-Universal-Fräsmaschinen, Langbett-Fertigungszentren sowie ein- oder zweispindlige Fertigungszentren mit integrierten Werkstückwechslern. Für die Werkstückwechsler werden Werkzeugarme benötigt, deren Montage auf just in time (JIT) umgestellt werden sollte. Ziel dieser Umstellung war die Verbesserung der Lieferbereitschaft bei gleichzeitiger Reduzierung der Lagerbestände.

Bestandssenkungspotenzial von 43% vorab ermittelt

Die Frage der Machbarkeit wurde durch eine Daten-Voranalyse geklärt. Diese lieferte ein Bestandssenkungspotenzial von 43% des zum Projektbeginn vorhandenen Bestandswertes. Um die Werkzeugarmproduktion auf JIT umzustellen, wurden die Bestände auf die variantenbildende Komponentenebene vor der Werkzeugarm-Montage vorverlagert.

Angestrebt wurde ein Karten-Kanban mit Anbindung an das SAP-Kanban-System ohne Anpassungsprogrammierung. Das Konzept wurde grundsätzlich nicht SAP-„normiert“, sondern funktionsoptimiert entwickelt. Folgende Kanban-Verfahren sollten zum Einsatz kommen:

  • ereignisgesteuertes Kanban für die Abrufe der Werkzeugarme (JIT-Montage);
  • Karten-Kanban-System für dringende Ersatzteilbedarfe der Werkzeugarme;
  • Behälter-Kanban-System für die Vormontage der Baugruppen;
  • Sammel-Kanban-System für die Eigenfertigung der Komponenten;
  • Karten-Kanban- und Behälter-Kanban-System für die Lieferantenintegration;
  • 2-Behälter-Kanban-System und Umlagerungskanban für Kleinteile und Schüttgut.

Insbesondere die Anforderung, ein Sammel-Kanban mit Ampelsteuerung in SAP umzusetzen, war dabei problematisch, denn der SAP-Standard bietet Sammel-Kanban als eigenständige Funktion nicht an.

Der Nutzen des Sammel-Kanbans mit Ampelsteuerung (Bild 1) liegt in einer Flexibilisierung der Eigenfertigung. Denn erst, wenn sich die Anzahl der Kanban-Behälter im roten Bereich befindet, muss mit der Produktion begonnen werden. Befindet sich die Anzahl an leeren Kanban-Behältern noch im gelben Bereich, kann mit der Produktion begonnen werden. Diese Flexibilität gibt dem Produktionsbereich die Möglichkeit, den Zeitpunkt und die Menge der Nachlieferung selbst zu bestimmen. Zur Auslegung wurden alle fertigungsrelevanten Parameter wie Behältermenge, Anzahl der Teile je Behälter, Mindest- und Maximalfertigungslosgrößen, Vorlauf-, Rüst-, Produktions- und Transportzeiten sowie Ausschussmengen, Fertigungslosgrößen der Kunden und so weiter berücksichtigt.

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