Bedienteile Keine Chance für den Funkenschlag

Ein Gastbeitrag von Andreas Roth

Anbieter zum Thema

Überall dort, wo sich elektrostatisch sensible Bauteile wie Platinen befinden, ist Vorsicht geboten, denn ein elektrischer Schlag kann die Bauteile zerstören. Deshalb müssen ableitfähige Produkte die elektrostatische Entladung verhindern. Dazu gehören auch spezielle Bedienteile, die Kipp bereitstellt.

Ein kleiner elektrischer Schlag: Was für den Menschen kaum spürbar ist, kann in Produktionsumgebungen elektronische Bauteile zerstören.
Ein kleiner elektrischer Schlag: Was für den Menschen kaum spürbar ist, kann in Produktionsumgebungen elektronische Bauteile zerstören.
(Bild: yanggiri - stock.adobe.com)

Jeder kennt das Phänomen der elektrostatischen Entladung: Berührt man im „aufgeladenen“ Zustand zum Beispiel einen Autogriff, bekommt man schon einmal einen kleinen elektrischer Schlag. Was im Alltag unangenehm ist, kann in Produktionsumgebungen fatal sein. Hier führen die Entladungen zur Beschädigung oder gar Zerstörung von empfindlichen elektronischen Bauteilen, Komponenten oder Geräten. Um das zu verhindern, müssen Arbeitsplätze in sogenannten ESD-Zonen (Electrostatic Discharge) bis zur kleinsten Komponente normgerecht ausgerüstet sein. Kein Problem mit den sicheren ESD-Bedienteilen, die das Heinrich Kipp Werk seit einigen Jahren im Sortiment hat.

„Der Mensch bemerkt elektrostatische Entladungen bis zu 2.000 Volt meistens gar nicht“, erklärt Andreas Blocher, Projektleiter Vorentwicklung bei Kipp. „Ab ca. 3.000 Volt knistert es und Funken fliegen erst ab etwa 5.000 Volt. Das sind überraschend hohe Spannungsbelastungen.“ Diese stellen für Mensch und Tier kein Problem dar – wohl aber für Platinen oder andere elektronische Bauteile, die weitaus empfindlicher sind und bereits ab 100 V beschädigt oder zerstört werden können. Um Schäden von vornherein zu verhindern, müssen die Produktionsumgebungen mit elektrisch ableitfähigen Komponenten ausgerüstet sein, die der DIN EN 61340-5-1 entsprechen – das gilt von der Arbeitskleidung über die Möblierung bis hin zu den eigentlichen Fertigungsvorrichtungen.

Bildergalerie

Spezielle Kunststoffe erfüllen DIN-Anforderungen

Der Markt hat sich auf diesen speziellen Bedarf eingerichtet. Vor etwa sechs Jahren erhielt das Heinrich Kipp Werk erste Anfragen. Interessant sind die ESD-Bedienteile damals wie heute vor allem für Händler und den Export. Das Produktmanagement von Kipp nahm sich des Themas an und prüfte in einem ersten Schritt, welche Bedienteile in diesem Bereich vorrangig benötigt werden. Als schließlich die Auswahl für die eigene Produktlinie feststand, begann das Entwicklungsteam mit der Arbeit. „Für ESD-Bedienteile sind spezielle Kunststoffe erforderlich“, schildert Blocher. „Sie sind mit Füllstoffen angereichert, um eine elektrische Ableitfähigkeit gemäß DIN EN 61340-5-1 zu erzielen.“ Ein Kunststoff „von der Stange“ konnte also nicht zum Einsatz kommen.

Mini-Flügelgriffe in der ESD-Ausführung sind mit dem typischen gelben Logo versehen und waren von Beginn an im Sortiment der ESD-Bedienteile.
Mini-Flügelgriffe in der ESD-Ausführung sind mit dem typischen gelben Logo versehen und waren von Beginn an im Sortiment der ESD-Bedienteile.
(Bild: Heinrich Kipp Werk)

Bei der Entwicklung baute Kipp in kurzer Zeit viel Know-how auf – sowohl bezüglich der Werkstoffe als auch der Produzierbarkeit der einzelnen Produkte. Insgesamt betrug die Entwicklungszeit fast zwei Jahre. Doch die Mühe hat sich gelohnt: Heute umfasst die Produktlinie Bügel-, Stern- und Flügelgriffe, Pilzknöpfe, Stellfüße sowie Klemmhebel. Behälter bzw. Greifschalen dürfen ebenfalls nicht fehlen. 2020 ergänzten Rändelschrauben und Rändelmuttern das Sortiment. Aktuell hat Kipp zusätzlich ESD-Schnellspanner auf den Markt gebracht.

Seit 2020 ergänzen Rändelschrauben und Rändelmuttern das ESD-Sortiment von Kipp.
Seit 2020 ergänzen Rändelschrauben und Rändelmuttern das ESD-Sortiment von Kipp.
(Bild: Heinrich Kipp Werk)

ESD-Produkte erfüllen auch ATEX-Richtlinie

„ESD-Bedienteile sind nach wie vor eine Nischenanwendung, erfreuen sich aber steigender Nachfrage“, so Blocher. Die Produkte sind bezüglich elektrischer Ableitfähigkeit vom TÜV Süd geprüft und werden nach der Fertigung am Standort Sulz am Neckar mit einem speziellen Messgerät zusätzlich getestet. Zur eindeutigen Identifikation wird abschließend das gelbe ESD-Logo aufgedruckt.

Anwendungsbereiche für das besondere Kipp-Sortiment sind die Elektrotechnik, der Maschinen- und Anlagenbau, die Energie- und Verkehrstechnik sowie IT-Sicherheitsräume. Bedienteile werden unter anderem in der Fertigung, der Montage und dem Transport benötigt. ESD-Produkte von Kipp erfüllen auch die ATEX-Richtlinie 2014/34/EU und können somit zusätzlich in explosionsgefährdeten Bereichen verwendet werden. Weil eine elektrostatische Funkenentladung verhindert wird, entzünden sich auch keine Gase und Stäube, welche in geschlossenen Räumen zu einer Explosion führen können. „Wir garantieren mit unseren ESD-Produkten eine hohe Sicherheit für Gerätehersteller“, betont Blocher. „Wichtig ist jedoch, dass wir nur normgerechte Einzelkomponenten liefern. Unsere Kunden müssen darauf achten, dass ihr Endprodukt die entsprechenden ESD- und ATEX-Richtlinien erfüllt.“

Gleiche Funktionalität, alternativer Werkstoff-Mix

Die Funktion der ESD-Bedienteile unterscheidet sich nicht von den Standardkomponenten; anders gelöst ist nur die Kombination der verwendeten Materialien. Anschaulich erklären lässt sich das anhand der neuen ESD-Schnellspanner. Bei der regulären Ausführung sind die Kunststoffteile nicht leitfähig bzw. isolierend, was in diesem Fall auch so gewünscht ist. Bei der ESD-Ausführung muss jedoch laut Norm eine Ableitfähigkeit gewährleistet sein. Griffelemente sowie Schutzkappen sind deshalb aus elektrisch leitendem Polyamid bzw. Elastomer gefertigt, sodass die Spannung über das Stahlgestell abgeleitet werden kann.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die ESD-Schnellspanner dienen als Montage- und Haltevorrichtung; damit lassen sich zum Beispiel Platinen festklemmen, um sie weiter zu bearbeiten.
Die ESD-Schnellspanner dienen als Montage- und Haltevorrichtung; damit lassen sich zum Beispiel Platinen festklemmen, um sie weiter zu bearbeiten.
(Bild: Heinrich Kipp Werk)

Die Schnellspanner dienen als Montage- und Haltevorrichtung – zum Beispiel lassen sich damit Platinen festklemmen, um sie weiter zu bearbeiten. Funktional überzeugen sie durch einen ergonomischen Griff, wartungsfreie Gelenkbuchsen und einen nachhaltig konstanten Krafteinsatz beim Öffnen und Schließen. Optimale Stabilität wird durch den konischen Spannarm mit U-Profil erreicht.

Alleinstellungsmerkmal: Sonderlösungen realisierbar

„Im Bereich der ESD-Bedienteile bieten wir bereits ein großes Sortiment, das viele Anwendungen abdeckt“, so Blocher. „Darüber hinaus können wir unseren Kunden jedoch kurzfristig auch andere Größen, unterschiedliche Gewinde oder sogar Sonderlösungen anbieten.“ Nachdem nun das Know-how rund um die ableitfähigen Kunststoffe im Unternehmen vorhanden ist, lassen sich bei Bedarf relativ einfach weitere Produkte herstellen. So sind zum Beispiel Handräder in einer ESD-Ausführung als Sonderlösung denkbar. Hier punktet Kipp mit der flexiblen eigenen Fertigung direkt vor Ort. Eine „zündende Idee“ für alle Kunden, die in der Produktion den Funkenschlag mit individuellen Mitteln vermeiden wollen und müssen.

* Andreas Roth ist Leiter Marketing, Heinrich Kipp Werk GmbH & Co. KG

(ID:48589584)