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Eine reine Oberflächenentfettung kann, muss aber nicht ausreichend sein. Bei Proben aus Stahlblechen zeigte es sich, dass bei einer Oberflächenrauigkeit Rz von 40 µm eine zusätzliche Phosphatierung vorteilhaft sein kann, neben der mechanischen Oberflächenvorbereitung. Das Ergebnis war eine sehr gute Haftfestigkeit und ein hoher Korrosionschutz. Auch das Lackieren rein gestrahlter, nicht phosphatierter Bleche ist möglich. Blasenbildung wurde nicht beobachtet. Folglich steht fest, dass das Aufbringen weiterer Schichten den Korrosionsschutz verbessert. Das Aushärten im Einbrennofen geschieht bei einer Temperatur von etwa 160 °C und dauert ungefähr 20 min – je nach Werkstückmasse (Tabelle).
Einfacher Grundaufbau aus Standardkomponenten
Der Grundaufbau der KTL-Tauchbadanlage ist wie folgt (Bild 3): Als Tauchbehälter werden kostengünstige Kunststoffbecken verwendet. Zum Entsalzen des Spülwassers kommen Standardeinrichtungen zur Anwendung. Die Filtrationseinheit besteht aus Standardmodulen. Auch der Gleichrichter für die Niederspannung kommt aus der Standardfertigung.
Gegebenenfalls ist eine Blaszone, die mit Warmluft arbeitet, zu installieren, um Tropfenbildung zu vermeiden. Zum Aushärten des Lacks reicht ein Standard-Einbrennofen (bis 250 °C) aus. Beim Aushärten im Ofen bilden sich in der aufgetragenen Lackschicht lineare Kettenmoleküle, die auch untereinander dreidimensional vernetzt sind und somit eine stabile Struktur bilden.
Die Anlage ist im Aufbau einfach und kostengünstig. Daher eignet sie sich zum Lackieren kleiner und mittlerer Losgrößen. Üblicherweise kennt man beim elektrophoretischen Tauchlackieren keine kleinen Stückzahlen.
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in den Tauchbadanlagen, die aufgrund der oft notwendigen Handlingeinrichtungen für die Großserienlackierung sehr kostenaufwändig und daher für einen hohen Teiledurchsatz ausgelegt sind, wie es die Automobilindustrie fordert. Im Gegensatz dazu kann man bei einer Tauchbadanlage zum Lackieren kleinerer Losgrößen von einer Komplettinvestition unter 20 000 Euro ausgehen.
Wirtschaftliche Vorteile gegenüber Galvanisieren
Die Ergiebigkeit der verwendeten Lacke beträgt bei 5 µm Schichtdicke 50 bis 60 m2 lackierte Fläche – bezogen auf 1 l Lack. Bei 10 µm Schichtdicke liegt sie bei 20 bis 30 m2. Aufgrund der dünnen Schichtdicke von 5 bis 12 µm bleiben bewegliche Teile als solche erhalten – ohne Klebeeffekt. Außerdem behält die Lackschicht bei Teilen, die einer Bewegung unterliegen (zum Beispiel Federn), ihre Flexibilität.
Bedingt durch kontrollierbare Schichtdicken und den gleichmäßigen Schichtauftrag werden vorgegebene Maßtoleranzen eingehalten. Es entsteht kein Orangenhauteffekt. Darüber hinaus werden Hohlräume zufriedenstellend beschichtet. Das ist beim Galvanisieren und beim Beschichten mit Pulverlack nicht möglich.
Dazu kommt der Kostenvorteil des Verfahrens. Zwar lässt sich zum Beispiel der Kostenunterschied zu einer galvanischen Beschichtung schwer beziffern, doch kann man von einer Faustregel ausgehen: Eine KTL-Tauchlackierung ist im Vergleich zu einer galvanischen Behandlung (Gestellware) etwa um den Faktor 2,5 bis 3 kostengünstiger.
Klaus Schlitt ist Inhaber der Präzisionstechnik Klaus Schlitt e. K. in 65344 Eltville-Martinsthal.
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