Windenergie Kleinwindkraftanlagen vom Zeitgeist beflügelt, von der Politik vernachlässigt
Kleine Windkraftanlagen sind bei den Stromkunden begehrt und für kleine und mittlere Unternehmen ein attraktives Geschäftsfeld. Noch allerdings fehlen den Herstellern Standards und vor allem die notwendigen politischen Rahmenbedingungen.
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Wenn von Windkraft die Rede ist, dann meist von Anlagen höher als der Kölner Dom. Von Rotoren so groß wie ein Fußballfeld, von Windparks, die ganze Städte mit Strom versorgen können. „Das Potenzial kleiner Anlagen wird von der Politik meist vergessen“, sagt Tobias Landwehr vom Bundesverband Kleinwindanlagen.
Dabei wächst das Interesse bei Verbrauchern an einer eigenen Stromerzeugung seit Jahren stark an. Durch den weitaus höheren Stromertrag der Windkraftanlage ergeben sich selbst bei nicht optimalen Standorten kürzere Amortisationszeiten als bei einer Photovoltaikanlage, wirbt der Hersteller Aircon auf seiner Webseite.
Kleinwindkraftanlagen vor allem zur Eigenversorgung geeignet
Kleinwindanlagen sind attraktive Stromlieferanten beispielsweise für Landwirte, für Kläranlagenbetreiber, für Betriebe mit konstantem Stromverbrauch, für Besitzer von Elektrofahrzeugen, aber auch für ökologisch engagierte Privatleute. Investoren setzen dabei allerdings – anders als bei Großanlagen – nicht auf die Einspeisevergütung, sondern auf Eigenversorgung. Denn wer den Windstrom selbst nutzt, spart pro Kilowattstunde 20 bis 24 Cent, wer ihn einspeist, erhält nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) pro Kilowattstunde lediglich etwa neun Cent Vergütung.
Kleine Windkraftanlagen sind daher ein wachsendes Betätigungsfeld für kleine und mittlere Unternehmen. „Ich bekomme regelmäßig Anfragen von KMU, die in den Vertrieb von Kleinwindanlagen einsteigen wollen“, sagt Landwehr.
Standorte für Kleinwindkraftanlagen schwer zu vergleichen
Das ist allerdings nicht ganz einfach, denn anders als bei großen, kommerziell geplanten Windparks ist der Kunde von Kleinwindanlagen meist ein Laie mit eher beschränktem Budget, dafür aber hohen Erwartungen an die Erträge und Stromausbeute. Erschwerend für Planer und Hersteller ist außerdem: Kaum ein Standort ist wie der andere. „Zuverlässige Aussagen über den Ertrag einer einzelnen Anlage sind oftmals kaum möglich“, weiß Paul Kühn, Experte am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) in der Fachgruppe Zuverlässigkeit und Instandhaltungsstrategien.
Doch was eigentlich heißt „klein“? Laut IEC-Noem 61400-2 gehören zu kleinen Windenergieanlagen alle Anlagen, deren überstrichene Rotorfläche kleiner ist als 200 m² bei 350 W/m². Daraus ergibt sich eine maximale Leistung von 70 Kilowatt. Der Turm ist in der Regel nicht höher als 20 m. Bei den derzeit marktgängigen Anlagen liegt die Leistung zwischen 5 und 10 kW. Das EEG sieht bei 30 Kilowatt das Limit für den „Hausanschluss als wirtschaftlichsten Anschlusspunkt“.
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