Supplier Risk Management

Königsdisziplin im Einkauf

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Schritt 3: Strategien und Maßnahmen (Risikobeherrschung).

Anhand der detaillierten Risikoanalyse werden die hochkritischen Lieferanten priorisiert und in Risikoklassen eingeordnet. Eine einheitliche und verständliche Terminologie stellt sicher, dass alle Beteiligten diese auch verstehen und interpretieren können. Die Berater besprechen mit dem jeweils verantwortlichen Einkäufer die kritischen Lieferanten und leiten aus der Analyse Normstrategien und Maßnahmen mit entsprechendem Zeitplan ab. Eine Strategie könnte es beispielsweise sein, einen Ersatzlieferanten (Second Source) in einer anderen Region aufzubauen. Für jede Maßnahme wird ein Verantwortlicher festgelegt sowie alle Beteiligten benannt, zum Beispiel Qualitätssicherung, Produktentwicklung oder die Produktion. Die differenziert ausgearbeiteten Maßnahmen ermöglichen es, die Lieferantenbasis risikoorientiert zu gestalten. Gleichzeitig kennt jeder Prozessbeteiligte im Bedarfsfall seine Rolle.

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Schritt 4: Maßnahmentracking und Erfolgskontrolle (Risiko-Controlling).

Risikomanagement ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, das heißt die Risikosituation des Unternehmens muss in regelmäßigen Abständen kontrolliert und neu bewertet werden. DBC erarbeitet hierfür unternehmensindividuelle KPI und implementiert Kontroll- und Reportingmechanismen. Darüber hinaus dient das Risiko-Controlling dazu, den Status und den Erfolg der Maßnahmen anhand der definierten KPI in einem festgelegten Turnus zu überprüfen. Die aktuelle Risikosituation ist dadurch mess- und für alle nachvollziehbar. Verändern sich bestimmte Risikoindikatoren oder kommen neue hinzu, können Einkäufer zusammen mit der Fachabteilung zeitnah Maßnahmen einleiten.

Ist das System einmal eingeführt, unterstützt es auch die Entwicklung von neuen Lieferanten: Diese durchlaufen automatisch einen festen Prozess und werden den Parametern im Risikomanagement entsprechend eingeordnet. Schnell lässt sich überprüfen, ob ein Lieferant die Anforderungen nicht nur im Hinblick auf Technologie oder Qualität, sondern auch der vertretbaren Risiken erfüllt.

Risikobewusstsein steigt

Einkäufer und Fachabteilungen lernen das Risikomanagement-Konzept schnell zu schätzen. Die eingebaute Alert-Funktion unterstützt bei der täglichen Arbeit, denn sie informiert zeitnah, wenn sich bei einem Lieferanten beispielsweise die finanzielle Situation verändert oder ein Naturereignis in dessen Region die Lieferkette bedroht. Darüber hinaus erhalten alle Beteiligten nach dem turnusgemäßen Update einen übersichtlichen klar strukturierten Report. Darin finden sie die kritischen Lieferanten in ihrem Wirkungsbereich, klassifiziert nach Abhängigkeit und Ausfallwahrscheinlichkeit sowie Maßnahmen, die sie ergreifen sollten oder die bereits laufen.

Mit dem Lieferantenrisikomanagement steigt das Bewusstsein für mögliche Gefährdungen funktionsübergreifend – allerdings müssen Einkäufer und Fachabteilungen früh in die Entwicklung der Risikomanagement-Strategie involviert werden. Nur wenn alle Beteiligten verstehen, wie beispielsweise die Lieferanteneinschätzung zustande kommt, akzeptieren sie diese und engagieren sich bei der Weiterentwicklung. Das System ist flexibel gestaltet und ein Einkäufer kann selbst Informationen eintragen oder einen Zulieferer in eine höhere Risikoklasse einstufen. Erfährt er zum Beispiel im Lieferantengespräch, dass der Besitzer 70 Jahre alt ist, aber keinen Nachfolger hat, ist das ein Risiko. Dies kann kein System automatisiert erfassen, sondern setzt voraus, dass der Gesprächspartner auf Unternehmensseite Risiken aktiv erkennt, die sich im laufenden Geschäftsprozess ergeben. Erst dann „lebt“ Risikomanagement im Einkauf und ist dementsprechend wirkungsvoll. MM

* Sascha Kleemann ist Principal der Deutsche Business Consulting GmbH in 61352 Bad Homburg, Tel. (0 61 72) 8 50 10-0, sascha.kleemann@deutsche-bc.com

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