Insolvenzen Nur noch jeder zweite insolvente Maschinenbauer kann gerettet werden

Von Melanie Krauß 2 min Lesedauer

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Mehr Insolvenzanträge und schlechtere Aussichten auf Rettung – es sah nicht gut aus für den Maschinenbau im ersten Halbjahr 2024. Die Prognosen für das zweite Halbjahr sind leider auch nicht besser.

Der Maschinenbau ist in diesem Jahr stärker von Insolvenzen betroffen als zuvor.(Bild:  chokniti - stock.adobe.com)
Der Maschinenbau ist in diesem Jahr stärker von Insolvenzen betroffen als zuvor.
(Bild: chokniti - stock.adobe.com)

Die Unternehmensberatung Falkensteg sieht in diesem Jahr eine besorgniserregende Entwicklung in der Maschinenbaubranche: Während die Anzahl der Insolvenzanträge auf der einen Seite steigt, fallen die Rettungschancen auf der anderen Seite. Eine Besserung im zweiten Halbjahr ist den Experten zufolge nicht in Sicht.

So meldeten im ersten Halbjahr 2024 insgesamt 14 Maschinen- und Anlagenbauer mit einem Umsatz von über 10 Millionen Euro Insolvenz an. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Wert um volle 40 Prozent angestiegen. Noch drastischer war die Situation bei den Metallwarenherstellern: Hier stiegen die Insolvenzen um insgesamt 45,5 Prozent auf 16 Großinsolvenzen an.

Diese Maschinenbauer zählen zu den größten Insolvenzen im letzten Jahr:

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Maschinenbauer erleben Auftragsflaute

Die Gründe für die zunehmenden Insolvenzen sind laut Falkensteg vielfältig. Zum einen würden Unternehmen noch immer mit den Nachwirkungen der Coronapandemie kämpfen. Zum anderen belasten hohe Energiepreise und Kosten durch die Inflation die Branche. Dazu kommt dann noch die Zurückhaltung bei Investitionen. Diese wurde durch die Zinsentwicklung der letzten beiden Jahre weiter verstärkt. Unterm Strich sind die Maschinenbauer dadruch mit einer sinkenden Auslastung und Auftragsrückgängen konfrontiert.

„Es ist fraglich, wie lange die Unternehmen eine solche Durststrecke überstehen können“, warnt Falkensteg-Insolvenzexperte Sebastian Wilde. Noch lebe man aus dem historisch hohen Auftragsbestand und nutze notfalls das Instrumentarium der Kurzarbeit. „Das ist allerdings kein erfolgversprechender Dauerzustand.“

Prognose: Insolvenzen werden weiter steigen

Für das zweite Halbjahr rechnet Falkensteg damit, dass sich die Situation sogar noch weiter verschärft. So würden sich die Unternehmen im weiteren Jahresverlauf mit zusätzlichen finanziellen Herausforderungen konfrontiert sehen. Zu einen verteuere das hohe Zinsniveau Refinanzierungen. Voraussetzung dafür sei wiederum, dass Banken überhaupt bereit sind, Finanzierungen zu gewähren. Zu anderen werden die Kosten für Personal voraussichtlich noch weiter steigen. Die IG BCE hat bereits mir knapp sieben Prozent Lohnsteigerung vorgelegt, die IG Metall will folgen.

„Besonders gefährdet sind kleine und mittlere Unternehmen, die oft nicht über die finanziellen Reserven verfügen, um längere Durststrecken zu überstehen“, so Wilde. Seine Prognose: Die Insolvenzen werden zunehmen und könnten dann sorgar fünfzig Prozent über dem Vorjahr liegen. „Ein Trend, der voraussichtlich auch 2025 anhalten wird.“

Rettungsversuche scheitern häufiger

Doch das waren leider noch nicht alle schlechten Nachrichten. Falkensteg hat festgestellt: Auch die Rettung beziehungsweise Sanierung von insolventen Unternehmen scheitert immer häufiger. So gab es im ersten Halbjahr 2024 insgesamt zehn Verfahrenslösungen. Davon waren fünf erfolgreich – entweder in Form von Unternehmensverkäufen (Asset Deal) oder Insolvenzplanlösungen. Bei den übrigen fünf Unternehmen musste hingegen letztendlich der Betrieb eingestellt werden. Im Vorjahreszeitraum konnten noch drei von vier Maschinenbauern gerettet werden.

Deutlich besser sieht es da schon bei den Metallwarenherstellern aus: Zehn von insgesamt 13 insolventen Unternehmen erhielten eine zweite Chance. Darunter

  • die Eisenwerke Hasenclever (Asset Deal),
  • der Maschinenbauer Kautext (Asset Deal),
  • der Aluminiumverarbeiter Alfer (Insolvenzplan),
  • der Automobilzulieferer Franz Pauli (Asset Deal) und
  • der Edelstahl-Service Kubisch (Asset Deal).

„Die Rettung von Unternehmen aus der Insolvenz gestaltet sich zunehmend komplexer. Hohe Zinsen machen den Erwerb insolventer Firmen teurer oder unattraktiv“, erklärt Wilde. „Darüber hinaus schrecken unsichere Umsätze aufgrund der branchentypischen Wirtschaftslage potenzielle Investoren ab.“

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