Leichtbauroboter als Assistenten verändern die Montage nachhaltig

Seite: 2/4

Firmen zum Thema

Produktdesign erhöht das Automatisierungspotenzial

Eine weitere Möglichkeit, das Automatisierungspotenzial einer Produktionsanlage zu erhöhen, bietet neben der Prozessverbesserung oder -änderung auch das Produktdesign. Unter dem Motto „Design for Automation“ stellte Dr. Johannes Wößner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-IPA, vielfältige Möglichkeiten vor, wie Produktkomponenten, Baugruppen oder die Produktstruktur „automatisierungsfreundlicher“ gestaltet werden können. Die Experten haben Richtlinien für ein entsprechendes Produktdesign entworfen und basierend darauf bereits zahlreiche Unternehmen beraten.

Zu den Richtlinien zählen beispielsweise eine modulare Produktstruktur, die Standardisierung von Komponenten und Prozessen sowie eine möglichst niedrige Anzahl an Bauteilen oder biegeschlaffen Komponenten. Eine intelligente und zugleich kundenindividuelle Produkt- und Komponentengestaltung hilft, Prozessschritte in der Montage fehlerfrei und schnell automatisch durchführen zu können.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Leichtbauroboter als Assistenten in der Montage

Für die Mensch-Roboter-Kooperation (MRK) geeignete Leichtbauroboter dürften Montageprozesse nachhaltig verändern. Unternehmen können mit diesen Assistenzrobotern die Stärken von Werker und Roboter kombinieren: Flexibilität, Kreativität, Feinmotorik und Lösungskompetenz auf der einen Seite, Handhabung nicht ergonomischer Lasten, hohe Qualität, Geschwindigkeit und Präzision bei sich wiederholenden Aufgaben auf der anderen Seite.

Allerdings müssen Unternehmen Normen und Sicherheitsvorschriften und eventuell dadurch entstehende Kosten für eine Zertifizierung berücksichtigen. Um entsprechende Projekte zum Erfolg zu führen, berät Ramez Awad, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-IPA, Unternehmen, wie sie MRK-Anwendungen von Anfang an so konzipieren können, dass mögliche Gefährdungen schnell erkannt und gelöst werden. In seinem Vortrag stellte er ein am IPA entwickeltes Tool zur modellbasierten Gefahrenanalyse vor. Das Tool nutzt eine Bibliothek mit Hardware- typen, die jeweils mit möglichen Gefährdungen, Attributen und Funktionalitäten versehen sind. So werden eine differenzierte Abschätzung der Kosten und Auswirkungen nötiger Sicherheitsvorkehrungen sowie deren Dokumentation möglich. Am Beispiel eines MRK-geeigneten Nietarbeitsplatzes führte Awad vor, wie auf Basis dieses strukturierten Vorgehens eine wirtschaftliche und sichere Lösung realisierbar ist (Bild 1).

Auf dem Seminar wurden zudem verschiedene Leichtbauroboter und ihre Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. Carsten Busch von ABB ging auf die Produktspezifika des Zweiarmroboters Yumi ein. Dessen Einsatzgebiet ist die Kleinteilhandhabung. Yumi ist als inhärent sicherer Roboter konzipiert worden, wozu beispielsweise die Leichtbauweise, geringe Masseträgheit und die Kollisionsdetektion beitragen. Kuka hat mit dem LBR iiwa einen Leichtbauroboter entwickelt, der sich unter anderem durch seine integrierte Sensorik auszeichnet. Dr. Johannes Kurth von Kuka Systems stellte den sensitiven und für Traglasten bis 7 beziehungsweise 14 kg geeigneten Roboter vor. Dank des integrierten Steifigkeitsreglers kann sich der Roboter wie eine Feder mit Steifigkeits- oder Dämpfungsparametern verhalten, was eine nachgiebige Programmierung ermöglicht. Die eingebaute Momentensensorik macht ihn für sichere MRK-Anwendungen einsetzbar.

(ID:43827633)