Mess- und Automatisierungstechnik

Licht und Schatten bei Endress+Hauser

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Wichtige Märkte hinter den Erwartungen

Mit den USA und China waren laut Chief Operating Officer Michael Ziesemer gleich zwei große Märkte im Minus. Deutschland, für Endress+Hauser der größte Markt, bewegte sich im Plus, habe aber das Ziel deutlich verfehlt. Europa (plus 1,9 %) entwickelte sich robust. Das Wachstum in Amerika (plus 7,3 %) und Asien (plus 13,8 %) reflektiert hauptsächlich Währungseffekte, trotz der Dynamik in Indien. Die Umsätze in Afrika und Nahost (plus 13,1 %) zeugen dagegen von tatsächlicher Dynamik.

Die Freigabe des Frankenkurses Anfang 2015 habe die Schweizer Gruppenfirmen auf Kosten der Marge bewältigt. „Das war nur möglich, weil wir aus einer Position der finanziellen Stärke agieren“, sagte CFO Luc Schultheiss. Die höheren Produktionskosten ließen sich nur teilweise durch günstigere Beschaffung kompensieren. Mit höherer Effizienz will das Unternehmen den Standortnachteil nach und nach wettmachen. „Wir planen keine Verlagerung von Arbeitsplätzen“, betonte CEO Matthias Altendorf.

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Neue Geschäftsfelder entwickeln sich gut

Gut entwickelt haben sich 2015 dem Unternehmenschef zufolge konsumnahe und nicht-zyklische Branchen wie Lebensmittel, Wasser/Abwasser und Life Sciences. Hohe Zuwächse verzeichnete das Geschäft mit Dienstleistungen und umfassenden Automatisierungslösungen. Auch im Bereich Analyse ist Endress+Hauser überdurchschnittlich gewachsen. Matthias Altendorf: „Das bestätigt unsere Strategie, die Prozessanalyse zu stärken und die Laboranalyse als Markt zu erschließen.“

Die Laboranalyse-Tochter Analytik Jena wuchs im Kerngeschäft mit analytischen Instrumenten und bioanalytischen Systemen. Ein Großprojekt in Russland sorgte jedoch erneut für ein tiefrotes Ergebnis. In Kanada, Südkorea und der Schweiz baute das Unternehmen eigene Vertriebsstrukturen auf.

Gewinn rückläufig, Finanzkraft ungebrochen

Als Folge der überproportional gewachsenen Kosten gab das Betriebsergebnis (EBIT) der Gruppe um 6,3 % auf 251,3 Mio. Euro nach. Das Finanzergebnis war negativ; eine Auswirkung der Währungsverluste sowie geringerer Erträge auf Kapitalanlagen. Dies zeigt sich im Ergebnis vor Steuern (EBT), das um 14,7 % auf 234,2 Mio. Euro sank. Trotz etwas niedrigerer Steuerquote ging auch das Ergebnis nach Steuern um 14,1 % auf 164,7 Mio. Euro zurück.

Entsprechend verringerte sich die Profitabilität. Die Umsatzrendite (ROS) gab um 2,7 Punkte auf 10,9 % nach. „Für unsere Branche ist das immer noch ein sehr guter Wert“, betonte Luc Schultheiss. Die Produktivität – definiert als Nettowertschöpfung im Verhältnis zum Personalaufwand – sank von 1,37 auf 1,31. Auch hier sieht der Finanzchef das Unternehmen weiter „auf gutem Niveau“.

Unbeeinträchtigt ist die Finanzkraft. Flüssigen Mitteln von 382,7 Mio. Euro stehen Bankdarlehen von 7,8 Mio. Euro gegenüber. Die mit dem Kauf von Analytik Jena übernommenen externen Kredite tilgte Endress+Hauser weitgehend. Die Eigenkapitalquote stieg um 4,7 Punkte auf 73,0 %. Hier wirken sich Umrechnungseffekte positiv aus, ebenso geringere Pensionsverpflichtungen. „Damit stellen wir sicher, dass wir nicht auf fremde Geldgeber angewiesen sind“, sagte Luc Schultheiss.

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