VDMA Factbook Afrika MASCHINENBAU ENTDECKT AFRIKA ALS KONTINENT DER CHANCEN
Anfang September stellte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. in Frankfurt sein neues Factbook „Wachstumsregion Afrika“ vor. Dabei ging es um konkrete Erfolgsfaktoren für das Afrika-Geschäft der Branche.
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Wir sind im Export sehr stark unterwegs – die Welt ist die Heimat der Maschinenbauer“, erklärte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann in Frankfurt zur jüngsten Initiative seines Verbandes, mit der für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau der Zugang zu einem rasant wachsenden Absatzmarkt besser erschlossen werden soll. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung KPMG wurden die Erfolgsfaktoren für das Afrika-Geschäft erarbeitet und jetzt in der Broschüre „Wachstumsregion Afrika“ vorgestellt. Denn noch treffe man, so Brodtmann, in Afrika weniger Maschinenbauer als sonst wo auf der Welt, obwohl die deutschen Maschinenlieferungen nach Afrika in den zurückliegenden zehn Jahren um 65 % auf 4,4 Mrd. Euro zugelegt hätten. Eine weitere deutliche Steigerung sei jedoch möglich, zumal sich in der Subsahara-Region neue Märkte entwickelten. Der Kontinent biete große Chancen, und deshalb sei es wichtig, dass Afrika als Exportmarkt zunehmend in das Interesse von deutschen Investoren und Unternehmen rücke.
Chancen und Herausforderungen
Als eine „tolle Region“ mit 54 unterschiedlichen Staaten, die auf riesiger Fläche ungeahnte Potenziale böten, bezeichnete VDMA-Präsident Reinhold Festge den afrikanischen Kontinent. Doch als Markt hat die Region für ihn durchaus auch Herausforderungen parat: „Sie ist unglaublich differenziert. Man spricht dort beispielsweise mehr als 1200 unterschiedliche Sprachen.“ Sehr ermutigend sei aber, dass insbesondere der deutsche Maschinen- und Anlagenbau mit seiner hohen Produktqualität und seinem Lösungs-Know-how bei den Afrikanern außerordentlich gut ankomme.
Ihr Kontinent berechtige daher zu positiven Erwartungen. Es sei ein interessanter Markt – nicht zuletzt weil es ein junger Markt ist, der erst am Anfang einer äußerst dynamischen Entwicklung stehe. Natürlich mache die Vielfalt der Staaten eine Detailbetrachtung im Hinblick auf Größe, Bevölkerung, Entwicklungsstand, Politik und Wirtschaft notwendig, und hierbei solle das jetzt präsentierte Factbook hilfreich sein.
Mit dieser Faktensammlung will der VDMA zu dem vielfach auch im deutschen Maschinenbau noch gehegten Vorurteil, dass Afrika eher Risiken als Chancen biete, ein Gegengewicht setzen. Herausgearbeitet wird dabei, dass in Afrika eine beachtliche Nachfrage nach Produkten herrscht, die von den deutschen Maschinenbauern bedient werden kann, dass aber bereits auch starker internationaler Wettbewerb um den afrikanischen Absatzmarkt ausgetragen wird.
Vor dem Geschäft steht das Kennenlernen
Die deutschen Unternehmen haben nach Einschätzung des VDMA jedoch gute Möglichkeiten, wenn sie zu ihren in Afrika stark nachgefragten Hochtechnologie-Produkten auch die Ausbildung des Bedienungspersonals und den Service für ihre Produkte mitliefern. „Afrika ist für uns nicht ein Risiko-Kontinent, sondern eher ein Chancen-Kontinent“, bekräftigte Ulrich Ackermann, Abteilungsleiter der VDMA-Außenwirtschaft. Als Beispiel nannte auch er die positive Entwicklung der Subsahara-Re-gion. Es gebe dort in vielen Ländern die Bestrebung, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen.
Ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor ist es daher, Afrika gründlich kennenzulernen. Diesen Rat erteilte KPMG-Vorstandsmitglied Karl Braun, dessen Beratungsgesellschaft in zahlreichen afrikanischen Staaten präsent ist. Er betonte: „Damit beginnt der Erfolg.“ Unternehmen seien gut beraten, sich mit den Länderspezifika und regionalen Herausforderungen zu befassen. Sträfliche Unkenntnis habe sich etwa gezeigt, als von Deutschen während der Ebola-Krise Reisen nach Johannesburg und Kapstadt abgesagt wurden, obwohl München näher an Liberia liegt als Kapstadt.
Eine maßgeschneiderte Vertriebsstrategie, der Aufbau lokaler Netzwerke und ein langfristiges Engagement seien unverzichtbar. Wenn solche Grundvo-raussetzungen beachtet würden, lohnten sich die Geschäftsbeziehungen. So habe eine Studie aus dem letzten Jahr gezeigt, dass praktisch jeder in Afrika tätige Unternehmer mit seinem Investment zufrieden ist.
In Afrika warten keine schnellen, aber nachhaltige Erfolge
Wie überall müssen die Maschinenbauer notwendigerweise auch in Afrika auf die kundenspezifischen Wünsche eingehen. „Natürlich haben bestimmte Märkte bestimmte Anforderungen an die Maschinen“, erklärte VDMA-Afrikaexperte Friedrich Wagner. Es gelte für Afrika genauso wie für Südostasien oder Südamerika, dass man beispielsweise mit anderen Klimaverhältnissen und anderen Bodenbeschaffenheiten umgehen müsse.
Deshalb sei auch Afrika kein Markt, auf dem Investoren mit schnellen Ergebnissen rechnen könnten. Doch man könne nachhaltige Erfolge erzielen, wie die Firma Jungheinrich mit ihren Gabelstaplern zeige. Das Unternehmen biete in Afrika eine in Deutschland produzierte Gabelstapler-Reihe an, die auf etwas robustere Umgebungen abgestellt sei. Solche Erfahrungen untermauerten, dass deutsche Unternehmen heute in Afrika primär wegen des Wachstumspotenzials der Region und nicht wegen der Rohstoffvorkommen investierten.
* Ulrich W. Schamari ist freier Journalist aus 60320 Frankfurt, Tel. (0 69) 56 14 89, ulrich.schamari@web.de
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