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„Wenn ein Unternehmen sich auf eine derart neue Technik einlässt, ist das ein bisschen wie die Entdeckung eines neuen Kontinents“, vergleicht der Bechem-Entwicklungsleiter für Umformmedien die Herausforderungen und die Planbarkeit des Vorhabens. Das galt auch schon im vorgelagerten Prozessschritt, dem Drahtziehen. Zum einen mussten die Ziehwerkzeuge in ihrer Geometrie und ihrem Werkstoff angepasst werden, zum anderen musste das Beschichtungsverfahren von einem Tauchprozess auf einen Durchlaufprozess umgestellt werden, wie Holger Falz, Geschäftsführer des Drahtwerkes Max W. Claas in Altena, berichtet. „Da wir die neue Beschichtung vor dem Drahtziehen aufbringen, sparen wir die Zeit für die Phosphatierung, auch wenn das Ziehen jetzt geringfügig länger dauert“, erläutert er. Dafür geht der Energieeinsatz mit der neuartigen Bechem-Beschichtung „im Vergleich zum Phosphatieren gegen null“.
Umsetzung der phosphatfreien Beschichtung bedeutet Feinarbeit
„Die Umstellung war nicht immer ganz einfach“, bestätigt auch Harke – neben der Anpassung der Umformwerkzeuge war auch viel Feinarbeit an anderen Prozessparametern notwendig. Bei der Einführung der neuen Beschichtung ging er deshalb mit seinen Mitarbeitern stufenweise vor: Zunächst wechselte Spax für die Produkte mit den größten Stückzahlen zum phosphatfreien Schmiermittel, dann für Schrauben mit kleinerem Durchmesser. In den vergangenen vier Jahren hat Spax so 70 % der Oberflächen ersetzt. Heute werden nur noch wenige Produkte mit größeren Durchmessern auf Basis von Drähten hergestellt, die eine Dünnschichtphosphatierung haben.
Neben dem Verzicht auf Phosphatschlämme, die als Sondermüll entsorgt werden müssen, profitiert Spax noch von weiteren Vorteilen durch die phosphatfreie Beschichtung. „Auch bei der Teilereinigung können wir ressourcenschonender arbeiten: Wir können Reinigungschemikalien einsetzen, die weniger aggressiv sind, und auch mit niedrigeren Temperaturen fahren“, sagt Harke. Doch auch im Vergleich zu den zuvor eingesetzten, kupferbeschichteten Drähten bleiben noch Vorteile. Darüber hinaus hat sich die Standzeit der Werkzeuge verbessert. Auch Falz sieht gute Perspektiven für phosphatfrei beschichtete Drähte. „Wenn Sie heute sagen, Sie haben eine phosphatfreie Oberfläche, stoßen Sie in der gesamten Branche auf Interesse“, berichtet er. Zwar gebe es noch umformtechnische Grenzen, doch dort, wo man phosphatfreie Produkte prozesssicher einsetzen kann, sei es sicherlich sinnvoll umzustellen.
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