Viele Motoren in der Industrie haben ein Aluminiumgehäuse, die Wicklung ist aus Kupferdraht – beides Rohstoffe, deren Lieferketten durch den Krieg in der Ukraine unterbrochen werden. Hinzu kommt der Mangel an Halbleitern. Weiter steigende Preise sind die Folge.
Industriemotoren sind ohne Alumminium und Kupfer kaum vorstellbar. Entsprechend teuer kann es in diesem Jahr werden.
Der Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, hat die globalen Rohstoffmärkte erschüttert. Während der Preisanstieg wegen der teilweise unterbrochenen der Öl- und Gaslieferungen weiterhin die Schlagzeilen beherrschen, stehen andere wichtige Materialien weniger im Fokus. Doch auch sie werden von Russland und der Ukraine geliefert und auch hier stockt der Export. Diese Unterbrechung der Versorgung hat sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf die Kosten, die mit der Herstellung eines Motors oder Antriebs verbunden sind.
Schon im Jahr 2021 waren die Preise sehr turbulent; eine weitere Versorgungskrise aufgrund des Konflikts war deshalb das Letzte, was die Weltwirtschaft brauchte. Eine Analyse der Auswirkungen auf die wichtigsten Bereiche der Lieferkette für Motoren und Antriebe kann Zulieferern helfen, sich auf das Kommende vorzubereiten.
Lieferkette von Aluminium unterbrochen
Die Auswirkungen auf die Versorgung mit wichtigen Materialien sind zweigeteilt. Während Russland wegen der verhängten Wirtschaftssanktionen dabei beeinträchtigt wird, seine Produkte an die traditionell größten Kunden zu verkaufen, kann die Ukraine aufgrund der Zerstörung des Landes seine wichtigsten Exportgüter kaum produzieren und versenden. Was die Produktion von Motoren und Antrieben betrifft, so liegen die unmittelbarsten Auswirkungen in der Unterbrechung der Lieferketten für Aluminium und Kupfer.
Der Preis für Aluminium hat eine Rekordhöhe erreicht.
(Bild: Interact Analysis)
Laut des Nachrichtendienstes CNBC ist Russland für etwa sechs Prozent des weltweiten Aluminiumangebots verantwortlich. Nach erheblichen Covid-19-bedingten Lieferunterbrechungen, die zu einem stetigen Preisanstieg im Laufe des Jahres 2021 führten, schien sich das Angebot und die Nachfrage in den letzten Monaten des Jahres zu normalisieren. Ende 2021 hatte die Weltbank für 2022 einen Preisanstieg von etwa fünf Prozent für Aluminium prognostiziert. Durch den ausgebrochenen Krieg geht Interact Analysis davon aus, dass diese Preisprognose eher konservativ ist. Wie dargestellt, sind die Auswirkungen bereits spürbar, denn die Aluminiumpreise kletterten im Februar dieses Jahres auf Rekordhöhen. Dieser Preis wird wahrscheinlich noch weiter steigen wird, da die Transportkosten aufgrund der Unterbrechung der Ölversorgung weiter wachsen.
Kupferdraht für Asynchronmotoren könnte teuer werden
Auch der Kupferpreis liegt auf einem historisch hohem Level.
(Bild: Interact Analysis)
Bei Kupfer ist die Situation nicht viel anders. Russland ist auf dem auf dem Rohkupfermarkt nicht so bedeutend wie im Aluminiumhandel, doch produziert das Land fast 0,5 Prozent des weltweiten Bedarfs. Der Preis hat zwar noch keine Rekordhöhen erreicht, wird dies aber wahrscheinlich nächsten Monat tun, da er ohnehin schon auf einen hohen Level ist.
Von wahrscheinlich größerer Bedeutung ist die Rolle Russlands auf dem Kupferdrahtmarkt: Fast sieben Prozent des weltweiten Angebots an Kupferdraht, der auch in Asynchronmotoren verwendet wird, stammt aus Russland. Dies wird unmittelbare und erhebliche Auswirkungen auf die Kosten und die Verfügbarkeit von Kupferdraht für Asynchronmotoren haben.
Betrachtet man die Stückliste eines Asynchronmotors (einschließlich der Arbeitskosten), so machen Kupfer und Aluminium etwa 16 Prozent der Kosten aus. Die kriegsbedingten Versorgungsunterbrechungen bei diesen beiden Rohstoffen werden sich im Jahr 2022 durch höhere höheren Materialrechnung bemerkbar machen. Auf dem Automobilmarkt kam es bereits im Jahr 2021 zu erheblichen Preiserhöhungen, die auf die steigenden Rohstoffkosten zurückzuführen sind. Es ist davon auszugehen, dass sich der Preisanstieg auch 2022 fortsetzen wird.
Kein Neon, keine Halbleiter, keine Antriebe
Wenn man an Rohstoffe denkt, die sich auf den Markt der Antriebstechnik auswirken, ist Neon nicht der erste, an den man denkt. Dennoch wird das Edelgas im Jahr 2022 wahrscheinlich eine wichtige Rolle bei der Produktion von Antrieben spielen – wenn auch indirekt.
Die Knappheit von Halbleitern ist ein großes Problem für die Anbieter von Antrieben. Während des gesamten Jahres 2021 führte der Mangel daran schon zu Verzögerungen im Produktionsprozess und damit zu längeren Vorlaufzeiten auf dem gesamten Markt. Neongas wird zwar nicht direkt bei der Herstellung von Motoren und Antrieben, aber in großem Umfang bei der Produktion von Halbleiterchips verwendet.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Einem Artikel der Agentur Reuters zufolge sind zwei Unternehmen aus der Ukraine für etwa die Hälfte des weltweiten Neonangebots verantwortlich. Beide Unternehmen, Ingas und Cryoin, haben im Zuge der russischen Invasion ihren Betrieb eingestellt. Dadurch werden die Halbleiterhersteller, die bereits mit einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage konfrontiert sind, nun wahrscheinlich mit zusätzlichen Produktionsproblemen aufgrund des Neonmangels konfrontiert werden.
Nach Angaben der Halbleiterlieferanten sollte der Halbleitermangels etwa zwischen dem vierte Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2023 behoben sein – das war vor dem Krieg. Viele dieser Zulieferer haben glücklicherweise inzwischen berichtet, dass sie ihre Neonvorräte vor dem Krieg aufgestockt haben. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern, könnten diese Vorräte zur Neige gehen.Dann könnte die Halbleiterversorgung erneut ins Wanken geraten, und die Antriebslieferanten würden mit ähnlichen Beschaffungsproblemen konfrontiert wie Anfang 2021.
Abschließende Überlegungen: Krieg hat weitreichende Auswirkungen
Aluminium, Kupfer und Neon sind nur drei Bereiche, in denen sich dieser Krieg auf die Produktion von Motoren und Antrieben auswirken wird. Es gibt zweifellos noch weitere Auswirkungen, die hier nicht erwähnt sind, wie beispielsweise die gestiegenen Frachtkosten aufgrund höherer Dieselpreise, die Unterbrechung der Stahlversorgung und die Auswirkungen auf Endmärkte wie den Bergbau sowie die Öl- und Gasindustrie, die in Russland und der Ukraine extrem große Sektoren darstellen. Die Auswirkungen dieses Krieges sind weitreichend, und wir haben gerade erst damit begonnen, die Folgen von Putins Handeln zu tragen.
Empfehlung der Redaktion
Stefanie Michel, Redakteurin Ressort Konstruktion & Entwicklung
* Blake Griffin ist Analyst für Automatisierung, industrielle Digitalisierung und Off-Highway-Elektrifizierung bei Interact Analysis in Raunds (Großbritannien), Blake.Griffin@InteractAnalysis.com